Magdeburg – Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will die AfD offenbar auf die Unterstützung von Björn Höcke verzichten. Wie mehrere mit der Situation vertraute Personen dem MDR mitteilten, ist der Thüringer AfD-Landeschef bei Wahlkampfveranstaltungen des benachbarten Landesverbandes nicht erwünscht. Es handle sich um eine bewusste Entscheidung der Parteispitze.
Streit um Höckes öffentliche Kritik
Hintergrund sind Spannungen im Zusammenhang mit der sogenannten Vetternwirtschaftsaffäre. Im Februar waren mehrere Fälle von Überkreuzbeschäftigungen bekannt geworden. Dabei sollen AfD-Mitglieder in ihren Büros Familienangehörige von Parteifreunden beschäftigt haben. Auch der Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, stand in der Kritik. Sein Vater ist im Bundestagsbüro des AfD-Abgeordneten Thomas Korell angestellt.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe teilte Höcke einen Text des rechtsextremen Verlegers Götz Kubitschek, in dem dieser vor einem „Riss in der Glaubwürdigkeit“ warnte. Höcke ergänzte: „Wir können nur an uns selbst scheitern“ und man müsse „wachsam bleiben, vor allem in Bezug auf sich selbst“. Dies wurde innerhalb der Partei vielfach als unangebrachte Kritik an den Erklärungen des Landesverbands verstanden. Parteifreunde öffentlich zu kritisieren, noch dazu in einem Wahljahr, sei nicht gut angekommen.
Zusätzlicher Ärger durch Höcke-Vertrauten
Weitere Verstimmung löste ein Vorstoß des Thüringer Bundestagsabgeordneten und Höcke-Vertrauten Torben Braga aus. Er stellte einen Antrag mit kritischen Fragen zu der Affäre an die Spitzen der Bundespartei. Sein Vorwurf: unzureichende Aufklärung und mangelnde Transparenz. Dies wurde als klarer Affront gegen Parteispitze und Landesverband gewertet – und wahrscheinlich nicht ohne Zustimmung von Höcke.
AfD-Vertreter: Brauchen Höcke nicht mehr
Öffentlich wollte sich niemand aus der AfD dazu äußern. Hinter den Kulissen klingt das jedoch anders. Unter der Bedingung der Anonymität erklärten Parteifunktionäre, man brauche Höcke „als eine Art politischen Heilsbringer“ nicht mehr. Vielen wirke er zu „steif und lehrerhaft“. Stattdessen setze man auf Gegenmodelle – wie Ulrich Siegmund.
Auf Nachfragen reagierte der Landesverband ausweichend. Man solle sich überraschen lassen, welche Spitzenpolitiker im Wahlkampf auftreten werden. Offiziell angekündigt ist bislang nur ein Auftritt von Co-Parteichefin Alice Weidel. Dass auch Höcke irgendwo auftaucht, sei aber nicht ausgeschlossen. Die Kreisverbände hätten die Erlaubnis, eigene Veranstaltungen zu organisieren und Höcke dazu einzuladen. Die Landtagswahl findet am 6. September statt.



