Der Kabarettist Dieter Nuhr hat die anhaltende Kritik an seinem jüngsten Auftritt in der ARD-Sendung „Nuhr im Ersten“ als „Interneterregung“ abgetan. In einem Facebook-Post erklärte er, seine Aussagen seien missverstanden und böswillig interpretiert worden. „Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun“, schrieb der 65-Jährige.
Was Nuhr in seiner Sendung sagte
In der fraglichen Ausgabe hatte Nuhr in einem längeren Monolog über Gewalt an Frauen gesprochen und dabei die Verantwortung auch den potenziellen Opfern zugeschoben. „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt“, riet er den Zuschauerinnen. Weiter führte er aus: „Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr“, und natürlich seien das „300 bis 350 zu viel“. Allerdings gebe es in Deutschland zig Millionen Männer. „Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null.“
Kritik und Stellungnahme
Nachdem unter anderem der SPIEGEL über die Aussagen berichtet hatte, sah sich Nuhr zu einer Rechtfertigung genötigt. Er betonte, es sei ihm um das Wort „strukturell“ gegangen, das allen Männern pauschal eine Täterschaft zuweise. Er bezog sich auf Artikel in großen deutschen Zeitungen, in denen Frauen infrage gestellt hätten, noch mit Männern leben zu können, weil diese „statistisch töten“. Diese „völlig überzogene pauschale Verunglimpfung“ sei das eigentliche Thema seines Beitrags gewesen. „Ich habe betont, dass jeder Frauenmord selbstverständlich (!) einer zu viel ist, aber dass die Chance, bei der Partnerwahl auf einen Frauenmörder zu stoßen, verschwindend gering ist“, schrieb Nuhr. Sein Ziel sei es gewesen, dem Publikum zu vermitteln, „dass man bei der Partnerwahl gelassen bleiben kann“.
Reaktion des RBB
Der für die Sendung zuständige Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zeigte Verständnis für die Kritik, betonte jedoch die künstlerische Freiheit. „Dieter Nuhr darf grundsätzlich als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren“, erklärte die Rundfunkanstalt auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Über Geschmacksgrenzen lasse sich diskutieren und streiten, doch mit Blick auf den weiten Schutzbereich der Satirefreiheit sehe der RBB seinen Programmauftrag nicht verletzt.
Hintergrund: Wiederholte Kritik an Nuhr
Nuhr war in den vergangenen Jahren wiederholt wegen verschiedener Beiträge in die Kritik geraten. Diesmal hatte er mit seinen Aussagen über Femizide und die vermeintlich geringe Wahrscheinlichkeit, auf einen Frauenmörder zu treffen, für Empörung gesorgt. Kritiker warfen ihm vor, die systematische Gewalt gegen Frauen zu verharmlosen und die Opfer zu stigmatisieren. Der Komiker selbst sieht sich als Opfer einer überzogenen Debatte: „Interneterregung wird zur Volksmeinung umgedeutet. So ist es üblich in diesen Tagen.“



