Holger Ackermann ist einer der bekanntesten Imker Brandenburgs. Der 63-Jährige aus Groß Schauen (Oder-Spree) wird von Nachbarn, Behörden und Medien kontaktiert, wenn es um Bienen, Wespen oder Hornissen geht. Seine Leidenschaft für die Imkerei begann spät – ausgelöst durch einen Duft, der Kindheitserinnerungen weckte.
Vom Tischler zum Imker: Ein Duft verändert alles
Im Jahr 2000 roch Ackermann wieder den Duft eines Bienenwagens. „Da hat es bei mir Klick gemacht im Kopf“, sagt er. Eine Erinnerung aus der Kindheit kehrte zurück: erste Begegnungen mit Bienen, Honig und einem alten Imker. Kurz darauf stellte ihm ein erfahrener Imker mehrere Völker vor die Tür. „Ich hatte nichts vorbereitet“, erinnert sich Ackermann. „Und plötzlich standen da die Kisten.“ Er lernte durch Beobachten und genaue Wahrnehmung, nicht nur durch Lehrbücher. „Ich musste lernen, die Bienen von außen zu beurteilen. Den Bienenstock öffnen, das ist wie eine Operation, die drinnen alles durcheinander bringt“, sagt er. Daher öffnet er die Stöcke so selten wie möglich.
Der gelernte Bau- und Möbeltischler hatte jahrzehntelang Bibliotheken eingerichtet. Die Imkerei wuchs nebenbei: Aus drei Völkern wurden zeitweise über 40. Doch die Doppelbelastung aus Beruf und Imkerei forderte ihren Preis. „Arbeit und Hobby ließen sich nicht mehr vereinen“, sagt Ackermann. Er machte Verluste, stieß an Grenzen und reduzierte die Zahl seiner Völker. Heute arbeitet er bewusster. „Ein Maximum abschöpfen von den Tieren – das sollte man nicht machen“, sagt er. Die Erfahrung lehrte ihn, den Bienen mehr Raum zu lassen und nicht alles kontrollieren zu wollen.
Die Honigbiene als Schlüssellebewesen
Für Ackermann ist die Imkerei mehr als ein Handwerk. „Die Honigbiene ist ein ganz wichtiges Schlüssellebewesen“, sagt er. Er sieht sie nicht nur als Bestäuber, sondern als Teil eines komplexen ökologischen Systems – Grundlage für Vielfalt, Nahrung und das Gleichgewicht von Lebensräumen. Dabei wird er philosophisch: „Die Bienen arbeiten, ohne sich ein persönliches Vermögen zu schaffen, sondern für die Gemeinschaft“, sagt er.
In Brandenburg ist Ackermann weit mehr als ein praktizierender Imker. Als Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Landesverband brandenburgischer Imker steht er im Austausch mit Medien, Politik und Öffentlichkeit. „Wenn irgendwas mit Bienchen los ist, wendet man sich an Holger“, sagt Susann Kopacek vom Vorstand des Landesverbands. Sein Engagement reicht über Interviews hinaus: Er ist auf Messen vertreten, organisiert Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche, arbeitet mit Ministerien zusammen und entwickelt Informationsmaterialien. Kopacek beschreibt ihn als „Tausendsassa“, der die Imkerei auf vielen Ebenen prägt. „Ein Landesverband ohne Holger Ackermann ist schwer vorstellbar. Der Große mit der Schiebermütze – in Brandenburg ist er wirklich schon eine Marke“, sagt sie. „Er strahlt einfach eine unglaubliche Ruhe aus.“
Aufklärung statt Angst
Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist Aufklärung. Ackermann erklärt Unterschiede zwischen Bienen, Wespen und Hornissen, nimmt Ängste und vermittelt Wissen. Nach Einschätzung von Kopacek hat er das Verständnis in der Bevölkerung nachhaltig verändert. „Da hat er eine Riesenaufklärungsarbeit geleistet“, sagt sie. Auch seine Nachbarin Kerstin Walter bestätigt: „Er hilft auch ganz schnell, überall.“ Für viele in der Region sei der Imker die erste Anlaufstelle – egal ob es um Bienen, Hornissen oder andere Naturfragen geht. „Alle kommen und fragen“, sagt Walter. Sie war kürzlich mit ihrer Selbsthilfegruppe bei ihm zu Gast und hörte einen Bienenvortrag bei Kaffee und Bienenstich aus eigenem Honig. „Alle waren begeistert“, erinnert sie sich.
Neue Rolle als Umweltpädagoge
Nach dem Ende seiner Tätigkeit als Tischler arbeitet Ackermann heute als Umweltpädagoge. Er vermittelt Wissen über Wald, Bienen und ökologische Zusammenhänge. „Viele haben mir gesagt: Das liegt dir“, sagt er rückblickend. Dreimal pro Woche pendelt er dafür nach Eberswalde. „Er hat dafür noch die Kraft. Es ist einfach sein Lebenselixier“, sagt seine Frau Roswitha, während sie den Tisch für eine Besuchergruppe deckt. Ackermann selbst gibt unterdessen ein Interview – ganz in Ruhe.



