75 Jahre Goethe Institut: Steinmeier würdigt Kulturarbeit als Brücke der Verständigung
75 Jahre Goethe Institut: Steinmeier würdigt Kulturarbeit

Das Goethe Institut feiert sein 75-jähriges Bestehen. Mit 154 Niederlassungen in 100 Ländern und einem Jahresetat von 447 Millionen Euro unterhält es ein weltweit einzigartiges Netzwerk. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte die Arbeit der Kulturinstitution als „Angebot der Verständigung jenseits politischer Differenzen und wirtschaftlicher Interessen, auf der Grundlage gemeinsamer Humanität“.

Gründung in Trümmerzeiten

Das Grundgesetz war zwei Jahre alt, Deutschland lag in Trümmern, als die junge Bundesrepublik nach der Nazi-Barbarei der Welt ihr neues Gesicht zeigen wollte. 1951 erfolgte die Gründung des Goethe Instituts, zwei Jahre später nahm die Alexander von Humboldt-Stiftung ihre internationale Arbeit auf. Seither steht Goethe für Bildung, Weltoffenheit, Diversität und Verständigung.

Heute kümmert sich das Institut mit Sprach- und Willkommenskursen zunehmend um Fachkräfte im Ausland und erleichtert ihnen den Weg nach Deutschland. „Über kulturelle Zusammenarbeit und die Förderung der deutschen Sprache hat das Goethe-Institut weltweit Köpfe und Herzen für Deutschland gewonnen“, erklärte Johann Wadephul, derzeitiger Chef im Auswärtigen Amt, zum Jubiläum. „Solche belastbaren Netzwerke sind für die internationalen Beziehungen Deutschlands unerlässlich.“

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Steinmeier: Schutzräume für Kultur

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der das Goethe Institut aus seiner Zeit als Außenminister kennt, hielt beim Geburtstagsfest im Haus der Berliner Festspiele eine Rede, die vom Herzen kam. Er betonte, die Welt brauche freie und zugleich geschützte Räume der Kunst und Kultur. Steinmeier setzt sich in der Tradition von Willy Brandt stark für die auswärtige Kulturpolitik ein.

Goethe-Generalsekretär Johannes Ebert, der im Sommer sein Amt abgibt und ans Institut nach Athen geht, wies auf die zunehmenden illiberalen Aktionen hin: „Die Räume der Freiheit werden vielerorts enger.“ Ebert war zuvor Institutsleiter in Moskau, Kiew und Kairo. Seine Nachfolgerin Gitte Zschoch wird die erste Generalsekretärin des Instituts.

Radikale Freundlichkeit und kritische Hoffnung

Wie umgehen mit Disruption und Beschränkung, Krieg und Krisen? Gesche Joost, Präsidentin des Goethe Instituts, prägte in ihrer Festrede zwei Begriffe: radikale Freundlichkeit und kritische Hoffnung. Man könnte auch sagen: Kulturarbeit ist gewaltfreier Widerstand. Goethe arbeitet mit den französischen Auslandinstituten zusammen, während die USA unter Trump die internationale Zusammenarbeit an vielen Stellen kappen.

Es gibt viele bewegende, persönliche Geschichten. Shelly Kupferberg, die den Festakt moderierte, erzählte, dass sich ihre Eltern im damals neuen Goethe Institut in Tel Aviv kennenlernten. Maria Kalesnikavas Geschichte macht Mut: In Minsk kam sie im Goethe Institut mit deutscher Kultur und Musik in Kontakt, studierte in Stuttgart, saß fünf Jahre in Haft und ist seit Ende letzten Jahres frei.

Das andere Deutschland verteidigen

Jagoda Marinić sprach auf der Geburtstagsbühne vom „anderen Deutschland“ – dem demokratischen, freien Deutschland, wie es sich nach dem Zweiten Weltkrieg präsentierte. „Wir müssen wissen, was wir haben“, sagte sie. „Was auf dem Spiel steht, wenn Demokratiefeinde nach der Macht greifen.“ Dieses Deutschland müsse verteidigt werden.

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