Burnham übernimmt: Labour hat neuen Chef, bald auch Premier
Andy Burnham ist zum neuen Vorsitzenden der Labour-Partei gewählt worden und soll bereits am kommenden Montag das Amt des Premierministers des Vereinigten Königreichs übernehmen. In seiner ersten Rede nach der Wahl betonte Burnham: „Wir stehen zusammen, und wir stellen die Kraft, die aus dieser Einheit entsteht, in den Dienst der Menschen und Orte, die schon viel zu lange darauf gewartet haben, dass die Politik ihnen wieder Hoffnung schenkt.“
Zehn Jahre voller Wechsel: Von Cameron bis Starmer
Die Briten haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Regierungschefs so häufig gewechselt, dass Beobachter bereits über die Amtsdauer Burnhams spekulieren. Der letzte Premier, der eine gesamte fünfjährige Amtszeit überstand, war David Cameron, der sein Amt im Juli 2016 verlor. Seitdem herrscht in London politische Unruhe.
Theresa May scheiterte an ihrem Brexit-Deal – nach 1107 Tagen trat sie zurück. Ihr Nachfolger Boris Johnson brachte zwar den Brexit durch, stolperte aber über die „Partygate“-Affäre: Die Londoner Polizei verhängte eine Geldstrafe wegen einer verbotenen Party während des Corona-Lockdowns. Johnson entschuldigte sich: „Ich habe die Strafe bezahlt. Und ich möchte mich nochmal vollumfänglich entschuldigen.“ Nach 1141 Tagen im Amt trat er zurück.
Liz Truss: Nur 50 Tage im Amt
Dann kam Liz Truss, die mit nur 50 Tagen die kürzeste Amtszeit aller britischen Premiers hatte. Sie sagte kürzlich spöttisch: „Meine Voraussage ist, dass es den nächsten Premierminister noch vor [den Parlamentswahlen] 2029 geben wird.“ Angesichts ihrer eigenen kurzen Regierungszeit wirkt diese Aussage bemerkenswert.
Nach Truss folgte Rishi Sunak mit 620 Tagen im Amt, bevor er die Wahl gegen Keir Starmer verlor. Starmer hielt sich zwei Jahre, geriet aber nach katastrophalen Regional- und Kommunalwahlen in eine Regierungskrise und schaffte nicht einmal die Hälfte seiner geplanten Amtszeit.
Burnhams Herausforderung: Wie lange bleibt er?
Andy Burnham betont: „Ich bin bereit.“ Die Frage bleibt jedoch, ob er nur bereit ist – oder bald schon wieder fertig. Die vergangenen Jahre zeigen, dass stabile Regierungszeiten in Großbritannien selten geworden sind. Ob Burnham das Blatt wenden kann, wird sich zeigen.



