Block-Prozess: Zeuge bestätigt Geheimdienst-Vergangenheit
Im laufenden Block-Prozess hat der mutmaßliche Drahtzieher der Kindesentführung überraschende Details zu seiner Vergangenheit preisgegeben. Der Zeuge David Barkay, Chef einer israelischen Sicherheitsfirma, bestätigte am 57. Verhandlungstag vor dem Landgericht Hamburg, dass er früher für den israelischen Geheimdienst tätig war. Auf Nachfrage seines Verteidigers erklärte er jedoch, niemals Menschen manipuliert zu haben, sondern andere Aufgaben übernommen zu haben.
Hintergrund des Verfahrens
Die angeklagte Unternehmerin Christina Block soll einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag erteilt haben, ihre beiden jüngsten Kinder aus Dänemark nach Deutschland zu entführen. Hintergrund ist ein langjähriger Sorgerechtsstreit mit dem Vater. Die Kinder, damals 13 und 10 Jahre alt, wurden von maskierten Männern in ein Auto gezerrt und nach Deutschland gebracht. Christina Block bestreitet die Vorwürfe. Insgesamt sind in dem Prozess sieben Personen angeklagt, für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Barkays Aussage und Lebenslauf
Der 69-jährige Barkay hatte sich während des Prozesses aus Israel gemeldet und sicheres Geleit für seine Aussage erhalten. Er muss zu einem späteren Zeitpunkt mit einer eigenen Anklage rechnen. In seiner Vernehmung gab Barkay an, in Paris geboren zu sein und die israelische sowie die französische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Er habe Islamwissenschaft studiert, kurzzeitig Medizin belegt und Kurse an den Universitäten Oxford (Mathematik) und Harvard (Cybersicherheit) absolviert.
Die Befragung erstreckte sich über neun Prozesstage. Immer wieder bat Barkay um Verständnishilfen oder berief sich auf Erinnerungslücken. Auf die Frage, warum er auf Englisch und nicht auf Hebräisch aussage, antwortete er überraschend: „Meine Muttersprache ist Spanisch.“ Seine zweite Sprache sei Französisch, Englisch spreche er besser als Hebräisch. Barkays Anwalt Björn Kruse ergänzte, er habe seinem Mandanten geraten, auf Englisch auszusagen, um als Zeugenbeistand die Originalaussagen verstehen und bei Übersetzungsfehlern eingreifen zu können.



