BMZ-Kürzungen bei Hochschulpartnerschaften: Strategischer Fehler mit Folgen
BMZ-Kürzungen: Strategischer Fehler bei Hochschulpartnerschaften

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat beschlossen, die Förderung von entwicklungsbezogenen Postgraduiertenprogrammen (EPOS) und Hochschulpartnerschaften drastisch zu kürzen und innerhalb der nächsten fünf Jahre vollständig auslaufen zu lassen. Dies kritisiert Matin Qaim, Professor für Ökonomischen und Technologischen Wandel an der Universität Bonn, als schwerwiegenden strategischen Fehler.

Langjährige Programme mit großer Wirkung

Seit fast 40 Jahren fördert das BMZ EPOS an deutschen Hochschulen. Diese Programme decken Bereiche wie Hunger- und Armutsbekämpfung, globale Gesundheit, Energietechnik und Klimaschutz ab. Stipendiaten aus dem Globalen Süden studieren oder promovieren in diesen Programmen und kehren danach meist in ihre Heimatländer zurück. Zusätzlich werden Hochschulpartnerschaften unterstützt, bei denen mit Hilfe deutscher Hochschulen Ausbildungsprogramme an Universitäten im Globalen Süden aufgebaut werden. Beide Initiativen werden vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gemanagt und umfassen rund 60 deutsche Hochschulen sowie über 400 Partnerinstitutionen in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Experte warnt vor Verlust von Netzwerken

Qaim betont, dass diese Programme hervorragend ausgebildete Experten hervorbringen, die maßgeblich zur Entwicklung in ihren Heimatländern beitragen. Am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn haben bereits rund 200 EPOS-Stipendiaten aus über 50 Ländern promoviert, fast die Hälfte davon Frauen. Viele Absolventen bekleiden heute hohe Positionen als Minister, Parlamentarier oder in Leitungsfunktionen an Universitäten, Forschungsinstituten, Behörden, Unternehmen oder Entwicklungsorganisationen.

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Deutsche Interessen und wirtschaftliche Vorteile

Die Kürzungen werden mit knappen Haushaltsmitteln begründet. Qaim argumentiert jedoch, dass die Programme in hohem Maße auch im deutschen Interesse sind. Die geförderten Absolventen und Hochschulen entwickeln enge und langfristige Beziehungen zu Deutschland. Diese Netzwerke seien für politische Bündnisse, Wissenschafts- und Wirtschaftskooperationen von großer Bedeutung. Beispielsweise hat die Universität Bonn gemeinsam mit der University of Ghana einen Sonderforschungsbereich zu nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährung etabliert – ein Leuchtturmprojekt, das ohne die langjährige Partnerschaft nicht möglich gewesen wäre.

Rendite für die deutsche Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft profitiert von diesen Netzwerken durch Zugang zu Fachkräften und lokaler Expertise für Import- und Exportgeschäfte. Deutschland ist für strategisch wichtige Rohstoffe wie Kupfer, Lithium und Seltene Erden sowie Agrarprodukte auf Importe angewiesen. Große Vorkommen finden sich in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, die auch wichtige Wachstumsmärkte für deutsche Exporte sind. Qaim betont, dass langjährig gewachsene Expertennetzwerke mit vertrauensvollen Beziehungen für den Aufbau nachhaltiger Lieferketten und den Export deutscher Technologien unverzichtbar sind.

Kostengünstige und effektive Entwicklungspolitik

Die vom BMZ finanzierten Hochschulprogramme kosten jährlich nur rund 30 Millionen Euro – ein verschwindend geringer Anteil des gesamten Entwicklungsetats. Qaim bezeichnet die Entscheidung, diese Programme komplett auslaufen zu lassen, als kurzsichtig. Sie führe zum Wegfall eines kostengünstigen Mechanismus für effektive Entwicklungspolitik, schade dem Ansehen Deutschlands und zerstöre strategisch relevante Netzwerke. Er warnt, dass die Lücke von aufstrebenden Ländern wie China gefüllt werde, was nicht im deutschen Interesse sei. Die Bundesregierung müsse die Tragweite dieser Entscheidung erkennen, denn einmal zerstörte Partnerschaften ließen sich nicht ohne Weiteres wieder aufbauen.

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