In einem Gastkommentar hat Deng Hongbo, der chinesische Botschafter in Deutschland, eindringlich vor protektionistischen Tendenzen in Europa gewarnt. Er betont, dass die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen China und der Europäischen Union an einem entscheidenden Wendepunkt stehen. Es gebe zwar vernünftige Stimmen, die für eine offene Zusammenarbeit plädieren, aber auch solche, die das Thema des Handelsungleichgewichts erneut aufgreifen.
Derisking und Abhängigkeit
Einige Akteure fordern eine Begrenzung oder den Ausschluss chinesischer Investitionen in Schlüsselbereichen. Sie wollen mit einer härteren Gangart ein sogenanntes Derisking durchsetzen und die Abhängigkeit von China verringern. Hongbo betont jedoch, dass die Gestaltung der zukünftigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen von entscheidender Bedeutung sei und einen möglichst breiten Konsens erfordere.
Handelsdefizit und gegenseitiger Nutzen
Der Botschafter weist darauf hin, dass die Handelsbeziehungen das dynamische Ergebnis des Zusammenspiels von komparativen Vorteilen und Marktkräften seien. In 18 der letzten 25 Jahre habe China gegenüber Deutschland ein Handelsdefizit verzeichnet. Unabhängig von Überschuss oder Defizit hätten deutsche und europäische Firmen Profite erzielt, was den Charakter des gegenseitigen Nutzens der Handelsbeziehungen widerspiegele.
Hongbo stellt klar, dass die Binnennachfrage nun die Hauptantriebskraft der chinesischen Wirtschaft sei. Chinas Außenhandelsabhängigkeit liege unter dem Niveau der EU, das bei 37 Prozent liege. Europa schade sich mit Protektionismus nur selbst, so der Botschafter abschließend.



