Deutschland und Argentinien vertiefen Rohstoffkooperation
Deutschland und Argentinien vertiefen Rohstoffkooperation

Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat bei seinem Besuch in Buenos Aires eine Absichtserklärung zur verstärkten Zusammenarbeit im Bergbau- und Rohstoffbereich mit Argentinien unterzeichnet. „Je mehr Handelskonflikte und Krisen unsere Lieferketten empfindlich treffen, umso mehr müssen wir uns wirtschaftlich breiter und widerstandsfähiger aufstellen“, erklärte Wadephul nach dem Treffen mit seinem argentinischen Kollegen Pablo Quirno.

Weniger Abhängigkeit von China

Deutschland will mit dem Abkommen seine starke Abhängigkeit von China bei Seltenen Erden und kritischen Mineralien verringern, die für Zukunftstechnologien wie Elektromobilität und Digitalisierung unverzichtbar sind. Zudem soll die transatlantische Partnerschaft mit den USA gefestigt werden, nachdem die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump für Verunsicherung gesorgt hat. Argentinien verfügt über große Vorkommen an Gold, Silber und Lithium, die rund 95 Prozent der Bergbauexporte des Landes ausmachen. Neue Projekte zur Förderung von Kupfer und Lithium sind in Planung.

Wadephul gegen Zolldrohungen

Wadephul betonte, Deutschland brauche Chips für Mobiltelefone, Lithium für E-Batterien und Metalle für die Industrie. „Dabei können und wollen wir es uns nicht leisten, wenn Zollandrohungen aus dem Ruder zu laufen drohen und wenn kritische Abhängigkeiten, etwa von Rohstoffexporten, als politisches Druckmittel genutzt werden.“ Der Außenminister sprach die unberechenbare Zollpolitik Trumps oder die Abhängigkeit von China nicht direkt an, die Anspielung war jedoch deutlich.

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Technologie gegen Rohstoffe

Deutschland besitze die Spitzentechnologie zur Verarbeitung der Rohstoffe und wolle vor Ort Kapazitäten zur Weiterverarbeitung schaffen, so Wadephul. Dies sei ein Gewinn für beide Seiten. Man lege Wert auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bei deutschen Investitionen. Quirno unterstrich: „Wir kennen Deutschlands technologische Stärke. Argentinien hat die natürlichen Ressourcen.“ Beide Länder teilten zudem politische Werte wie die Verteidigung von Privatbesitz, Freiheit und Leben sowie die Verurteilung der russischen Invasion in der Ukraine.

Mercosur als Gegenentwurf zu Trump

Wadephul und Quirno lobten das Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Bündnis. Es gelte als Kampfansage an Trumps protektionistische Zollpolitik. Wadephul hatte zuvor betont, das Abkommen stehe „für Freihandel statt Zölle, für Wettbewerb statt Protektionismus“ – ohne Trump namentlich zu nennen. Weder Kanzler Friedrich Merz noch der Außenminister wollen es sich mit Trump verscherzen, insbesondere vor dem Nato-Gipfel in Ankara kommende Woche, wo Deutschland auf eine Zusage Trumps hofft, dass die USA weiterhin hinter den europäischen Verbündeten stehen. Der Mercosur-Deal mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay schafft laut EU-Kommission einen Markt mit rund 720 Millionen Menschen und senkt Zölle in Milliardenhöhe.

Argentinien als strategischer Partner

Mehr als 190 deutsche Unternehmen sind in Argentinien aktiv. Dennoch bleibt China ein unverzichtbarer Partner, zu dem Buenos Aires einen pragmatischen Kurs fährt. Mit den USA hat Argentinien ein Handels- und Investitionsabkommen geschlossen und eine verstärkte Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen vereinbart. Sowohl Wadephul als auch Quirno sehen dennoch Raum für noch mehr Kooperation. Quirno betonte, Argentinien verfüge über ausreichende natürliche Ressourcen, um die westliche Welt mit kritischen Rohstoffen zu versorgen. Wadephul fügte hinzu, man sehe sich nicht in Konkurrenz zu den USA.

Besuch mit Symbolkraft

Zu Beginn seines Besuchs legte Wadephul einen Kranz am Denkmal für den lateinamerikanischen Freiheitskämpfer José de San Martín nieder. Am Nachmittag besichtigte er das Stadion des Fußballvereins River Plate. Geplant war auch ein Besuch der Gedenkstätte Parque de la Memoria für die Opfer der Militärdiktatur.

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Merz‘ Stadtbild-Äußerung kein Thema mehr

Bei seinem am Donnerstag und Freitag geplanten Besuch in Brasilien dürfte Wadephul nicht mehr mit den umstrittenen „Stadtbild“-Äußerungen von Kanzler Merz konfrontiert werden. Merz hatte sich nach der Weltklimakonferenz in Belém abfällig über die arme Stadt geäußert, was in Brasilien auf Empörung stieß. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kritisierte Merz, versöhnte sich jedoch beim G20-Gipfel in Johannesburg wieder mit ihm.