Von ICE-Beamten erschossener Mexikaner stand kurz vor Arbeitserlaubnis
Erschossener Mexikaner: Kurz vor Arbeitserlaubnis

Der von einem Beamten der US-Migrationsbehörde ICE in Houston (Texas) erschossene Mexikaner Lorenzo Salgado Araujo stand nach Angaben seines Sohnes kurz vor dem Erhalt einer Arbeitserlaubnis. „Mein Vater lebte seit fast 35 Jahren in diesem Land und arbeitete auf dem Bau, um für mich, meine beiden Brüder und meine Mutter zu sorgen“, sagte Ronaldo Salgado auf einer Pressekonferenz. Er betonte, sein Vater sei ein Familienmensch gewesen, der seit 35 Jahren Häuser in der Region gebaut habe, um seinen drei Söhnen ein Studium sowie seinen Arbeitern „den amerikanischen Traum zu ermöglichen“.

Keine kriminelle Vorgeschichte

Ronaldo Salgado erklärte, sein Vater habe keine kriminelle Vorgeschichte gehabt. „Mein Vater hat das nicht verdient“, schrieb er zuvor auf Facebook. Der 35-jährige Bauarbeiter war am Vortag bei einem Einsatz der umstrittenen ICE-Beamten ums Leben gekommen. Nach Darstellung des Heimatschutzministeriums hatte sich Salgado den Anweisungen der Beamten widersetzt, mit seinem Auto ein Einsatzfahrzeug gerammt und anschließend versucht, einen Beamten mit seinem Fahrzeug zu erfassen. Daraufhin habe ein ICE-Beamter geschossen. Die Angaben der Behörden lassen sich bislang nicht unabhängig überprüfen.

Sohn zweifelt an Behördenversion

Salgado habe genau gewusst, wie er sich bei einer Kontrolle der Einwanderungsbehörde verhalten müsse, sagte dessen Sohn. Hätten sich die Beamten eindeutig als solche zu erkennen gegeben, hätte er angehalten und kooperiert. Sein Vater habe bei dem Einsatz Todesangst gehabt und sei deshalb vor ihm unbekannten Fahrzeugen geflohen. „Er war überzeugt, dass denen Gutes widerfährt, die hart arbeiten“, so der Sohn. Er erfuhr den Angaben zufolge über Berichte in sozialen Medien vom Tod seines Vaters – nicht von Behörden oder dem Krankenhaus, in dem er verzweifelt nach ihm gesucht habe. In einem dort verbreiteten Video, in dem ein Mann auf dem Boden liege, blute und um Hilfe flehe, habe er seinen Vater an seiner Stimme erkannt. Weder das Heimatschutzministerium noch ICE hätten sich bislang direkt bei der Familie gemeldet.

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ICE spricht von Notwehr

Ein Mitarbeiter der US-Einwanderungsbehörde ICE hatte am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) in Houston bei einem Einsatz den Autofahrer erschossen. Laut den Behörden soll sich das Opfer illegal in den USA aufgehalten haben. Der Mann habe während einer „gezielten Fahndungsaktion“ versucht, sich der Festnahme zu entziehen, teilte die Behörde mit. Er habe ein Fahrzeug der ICE-Mitarbeiter gerammt, verbale Anweisungen missachtet und versucht, mit seinem Wagen einen Mitarbeiter zu überfahren. Daraufhin habe dieser „in Notwehr“ geschossen. Der Mann sei in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Warum sich der Getötete illegal in den USA aufgehalten haben soll, erklärte die Behörde nicht.

Forderungen nach Aufklärung und Bodycam-Aufnahmen

Der tödliche Vorfall ereignete sich inmitten eines verschärften Vorgehens der US-Behörden gegen Migranten. Die örtliche Kongressabgeordnete Sylvia Garcia forderte eine „vollständige und unparteiische Untersuchung“. Roman Palomares, Präsident der Bürgerrechtsorganisation League of United Latin American Citizens (LULAC), schloss sich der Forderung an. „Wir haben ein Muster von ICE-Beteiligungen an Schießereien und exzessiver Gewaltanwendung gesehen“, sagte er. Der demokratische US-Abgeordnete aus Texas, Al Green, forderte die Veröffentlichung der Bodycam-Aufnahmen der ICE-Beamten. Er sprach von der Notwendigkeit, einen möglichen Vertuschungsversuch auszuschließen.

Ermittlungen durch FBI und interne Untersuchung

Die Bundespolizei FBI soll die Ermittlungen leiten. Die Polizei von Houston ist nach eigenen Angaben nicht beteiligt. Das Heimatschutzministerium hat laut eigenen Angaben interne Ermittlungen wegen der Schussabgabe eingeleitet. Fotos und Videos des Vorfalls wurden von mehreren Zeugen aufgenommen, wie der Sender NBC News berichtete. In ähnlichen Fällen zuvor hatten Videoaufnahmen der Einsätze erhebliche Zweifel an den Darstellungen der Behörde aufgeworfen. Im Januar hatten Bundesbeamte die US-Bürger Renée Good und Alex Pretti erschossen. Das Vorgehen hatte für einen landesweiten Aufschrei gesorgt. In beiden Fällen argumentierten die US-Behörden mit Notwehr, während Videos ein anderes Bild zeichneten.

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