ESSOR-Projekt: Europas Weg zu unabhängiger Militärfunk-Technik
ESSOR: Europas Weg zu unabhängigem Militärfunk

Das Rüstungsprojekt ESSOR (European Secure Software Defined Radio) wirkt wie aus der Zeit gefallen. Im Zeitalter von Satellitennetzwerken, Echtzeitlagebildern und KI-gesteuerten Drohnen handelt es sich um eine Software für Funkgeräte. Sie soll ein Problem beseitigen, von dem militärische Laien annehmen, dass es im Bündnis längst gelöst wäre: die Kommunikation zwischen europäischen Nato-Armeen.

Das Problem: Keine gemeinsame Sprache am Boden

Aktuell können Piloten und Kapitäne in der Nato, was Panzerfahrer und Infanteristen nicht können. Während Luftstreitkräfte und Marinen durch sogenannte taktische Datenlinks länderübergreifend kommunizieren können, fehlt so etwas bei den Heeresstreitkräften. Zögen deutsche neben polnischen und französischen Bodentruppen ins Gefecht, könnten sie sich nur mit US-amerikanischen Funkgeräten verständigen, wie sie es bei Nato-Manövern tun. Mit den nationalen Funkgeräten ist das nicht möglich.

Abhängigkeit von den USA wird zum Risiko

Im Konfliktfall auf US-Technik angewiesen zu sein, war im Kalten Krieg in den Ländern der Nato akzeptiert. Inzwischen sorgt die Abhängigkeit von den USA für Unbehagen. Im verschlüsselten Funk ist es ein Leichtes, durch Verweigerung der Schlüssel durchzusetzen, wer mithören darf und wer nicht. Ein eigenständiger Militärfunk gehört darum zu den Rüstungsprojekten, die Europa anstrebt.

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ESSOR als Lösung

„Die Software ist wichtig, weil sie ein echtes Problem des Nutzers löst, wenn er gemeinsam mit anderen Streitkräften operieren will an der Ostflanke der Nato“, sagt Andreas Boyd Buchin, Operations Director bei A4Essor, dem zuständigen Rüstungskonsortium. Die ESSOR-Software soll es ermöglichen, dass verschiedene nationale Funkgeräte miteinander kommunizieren können, ohne auf US-Technik angewiesen zu sein. Die Entwicklung wird von einem Konsortium europäischer Rüstungsunternehmen vorangetrieben.

Technische Details und Herausforderungen

ESSOR basiert auf dem Konzept des Software Defined Radio (SDR), bei dem Funkfunktionen weitgehend durch Software realisiert werden. Dies ermöglicht eine flexible Anpassung an verschiedene Frequenzbänder und Verschlüsselungsstandards. Die Herausforderung liegt darin, eine gemeinsame Wellenform (Waveform) zu definieren, die von allen teilnehmenden Nationen genutzt werden kann. Beteiligt sind unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen.

Praktische Erprobung

Die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 der Bundeswehr soll die ESSOR-Technik bei Führungsfunkgeräten nutzen. Dies wäre ein erster praktischer Test unter realen Bedingungen. Verteidigungsminister Boris Pistorius besuchte kürzlich die Truppe und informierte sich über den Stand des Projekts. Die Brigade ist Teil der Nato-Ostflanke und soll im Ernstfall schnell mit Verbündeten kommunizieren können.

Ausblick und Bedeutung

ESSOR ist ein zentrales Element der europäischen Bemühungen um strategische Autonomie im Verteidigungsbereich. Ohne eine gemeinsame, sichere Kommunikationstechnik sind gemeinsame Operationen europäischer Streitkräfte erschwert. Das Projekt läuft bereits seit mehreren Jahren, die vollständige Einsatzfähigkeit wird für die kommenden Jahre erwartet. Sollte ESSOR erfolgreich sein, könnte es die Abhängigkeit von US-Funktechnik deutlich reduzieren und die Interoperabilität innerhalb Europas stärken.

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