Satellitenbilder belegen eine verstärkte militärische Aufrüstung Russlands in Nordeuropa. Während mehrere Länder Alarm schlagen, zeigt sich Finnland zurückhaltend und will der sogenannten Kriegshysterie nicht folgen. Diese unterschiedlichen Reaktionen werfen die Frage auf, ob Moskaus Strategie der Spaltung bereits erste Erfolge erzielt.
Finnische Aktivistin verbreitet russische Narrative
Die Finnin Sally Rajski gibt sich in sozialen Medien als Kämpferin für Völkerfreundschaft und Wahrheit. In Wirklichkeit wird sie von Moskau hofiert und verbreitet Desinformation. In einem Interview mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass behauptet sie, Finnland und Russland hätten nie Konflikte gehabt. Die ukrainische Regierung sei 2014 brutal gegen die Zivilbevölkerung in Donezk und Luhansk vorgegangen, und Helsinki verbreite antirussische Propaganda. Ihrer Meinung nach herrscht im Westen eine Russophobie.
Rajski erwähnt nicht, dass Finnland im Winterkrieg 1939 etwa ein Zehntel seines Territoriums in Karelien an die Sowjetunion verlor – ein Ereignis, das tief im kollektiven Gedächtnis verankert ist. Auch die völkerrechtswidrige Besetzung der sogenannten Volksrepubliken im Donbass durch Russland seit 2014 bleibt unerwähnt. Stattdessen behauptet sie auf Instagram, Finnland zeige zunehmend Nazi-Symbole wie das Hakenkreuz.
Narrativ der Entnazifizierung
Mit diesen Behauptungen bedient Rajski ein wiederkehrendes Narrativ russischer Desinformationskampagnen: Finnland sei ideologisch im Faschismus verwurzelt und müsse daher möglicherweise entnazifiziert werden – ähnlich wie die Ukraine. Laut Maxi Beigang vom Tagesspiegel zeigt dies, wie Moskau versucht, die öffentliche Meinung in Nordeuropa zu beeinflussen und Zwietracht zu säen.
Die Uneinigkeit unter den nördlichen Nato-Staaten könnte Moskaus Interessen dienen. Während einige Länder die Aufrüstung an der Grenze zu Russland als Bedrohung sehen, beschwichtigt Finnland und weigert sich, der Kriegshysterie zu folgen. Dies könnte die kollektive Sicherheit der Region schwächen.



