Ein verurteilter Mörder ist während eines begleiteten Ausgangs aus dem Gefängnis in Celle geflohen. Der 42-jährige Deutsche wurde nach einem Unfall in Italien festgenommen und liegt nun in einem italienischen Krankenhaus. Die niedersächsischen Behörden prüfen, wie es zu der Flucht kommen konnte.
Festnahme in Italien nach Unfall
Der Straftäter war am Dienstag im Rahmen eines Ausgangs gemeinsam mit einem Bediensteten der Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Wohnung seiner Mutter in Peine. Nach ersten Ermittlungen nutzte er einen kurzen unbeaufsichtigten Moment in einer nahegelegenen Garage, um mit seinem dort abgestellten Motorrad zu fliehen. Über Bayern gelangte er nach Italien. Südlich von Verona verunglückte er mit dem Motorrad und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort nahmen ihn die Carabinieri am Donnerstag fest. Seitdem steht er unter polizeilicher Bewachung. Ein Sprecher des Landeskriminalamts Niedersachsen erklärte, dass die Dauer seines Klinikaufenthalts unklar sei. Erst nach Abschluss der Behandlung könne er nach Deutschland ausgeliefert werden.
Ministerium: Mann durfte an seinem Motorrad schrauben
Die Justizbehörden in Deutschland haben mit der Aufarbeitung des Vorfalls begonnen. Nach Angaben des Justizministeriums hatte der Gefangene die Erlaubnis, sein Motorrad in der Garage zu warten. „Während der Arbeiten an dem Motorrad war der Bedienstete durchgängig zugegen“, betonte eine Sprecherin. Am Dienstag gegen 14.30 Uhr durfte der Mann nach Absprache erneut zur Garage, um seine Arbeiten abzuschließen – diesmal jedoch ohne Begleitung des JVA-Mitarbeiters. Das Ministerium will keine voreiligen Schlüsse ziehen, ob der Bedienstete einen Fehler gemacht hat. „Eine abschließende Bewertung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich“, so die Sprecherin.
Seltene Fluchtfälle in Niedersachsen
Fluchten während eines Ausgangs sind laut Ministerium selten. In diesem Jahr durften knapp 2.220 Gefangene in Niedersachsen das Gefängnis zeitweise verlassen – nur dieser eine nutzte die Gelegenheit zur Flucht. Im vergangenen Jahr erhielten mehr als 5.900 Menschen Ausgang, 2024 waren es über 6.900. Dabei entwichen jeweils drei Gefangene. Die Behörde verspricht eine lückenlose Aufklärung. Sollte ein Fehler festgestellt werden, „wird dem selbstverständlich Rechnung getragen“.
Justizministerin zeigt sich erleichtert
Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) zeigte sich nach der Festnahme erleichtert. „Ich bedanke mich bei allen beteiligten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten für ihren Einsatz“, teilte sie mit. Wann der 42-Jährige nach Deutschland ausgeliefert wird und ob er dann in seine alte Zelle zurückkehrt, ist noch offen.
Lebenslange Haft wegen Mordes
Der Deutsche verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung. Er hatte 2010 die damals 23-jährige Melanie aus Peine mit zahlreichen Messerstichen getötet, weil sie keinen Sex mit ihm wollte. Der Fall hatte weit über die Grenzen des Landkreises für Entsetzen gesorgt. Das Landgericht Hildesheim verurteilte den damals 27-Jährigen 2011 zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren war damit nahezu ausgeschlossen. Der Mann hatte die Tat gestanden. Nach Angaben des Ministeriums muss er mindestens 19 Jahre im Gefängnis bleiben.



