150 Jahre Bayreuther Festspiele: Friedman kritisiert Absage von Gedenkfeier
Der Publizist Michel Friedman hat die Absage einer Gedenkveranstaltung bei den Bayreuther Jubiläumsfestspielen scharf kritisiert. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte er: „Das ist in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord. Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, ist durch diese Absage ad absurdum geführt.“ Friedman sollte bei einem Gedenkkonzert mit dem Titel „Verstummte Stimmen“ am 26. Juni eine Rede halten. Die Veranstaltung, die vor der Premiere von Richard Wagners Oper Rienzi geplant war, wurde jedoch abgesagt.
Begründung der Festspielleitung
Die Bayreuther Festspiele äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk begründete der Interims-Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense die Entscheidung mit Sicherheitsproblemen: „Weil man zwei Mal hintereinander die höchste Sicherheitsstufe im Festspielhaus nicht bewältigen kann. Der Zeitraum zwischen dem Ende der Vormittagsveranstaltung und dem Beginn der Nachmittagsveranstaltung ist zu kurz. Es sind bei der derzeitigen Weltlage alle ungeheuer vorsichtig. Wenn mir keiner garantieren kann, dass das durchführbar ist, dann kann ich die Veranstaltung nicht machen.“
Friedmans Reaktion
Der jüdische Autor Friedman ließ dieses Argument nicht gelten. Auf Drohungen von Extremisten gebe es eine einfache Antwort: „Dann sichert diese Veranstaltung. Und spart euch alle Sonntagsreden!“
Historischer Hintergrund
Die Bayreuther Festspiele werden 150 Jahre alt und blicken auf eine bewegte und auch dunkle Geschichte zurück. Wagner-Fan Adolf Hitler war dort ein gern gesehener Gast, die damalige Festspiel-Chefin Winifred Wagner eine glühende Verehrerin des nationalsozialistischen Diktators. Auch Richard Wagners eigene antisemitische Einstellung wirft immer wieder einen Schatten über sein Werk.
Katharina Wagners Position
Festspiel-Chefin Katharina Wagner betonte dem BR gegenüber, dass ihr das Gedenkkonzert eine Herzensangelegenheit sei: „Zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele möchten wir nicht nur feiern, sondern auch kritisch auf unsere Geschichte blicken. Das Jubiläum bietet die Gelegenheit, sowohl die künstlerischen Leistungen zu würdigen als auch die problematischen Kapitel unserer Vergangenheit offen zu thematisieren.“ Wie genau dies nun geschehen soll, blieb zunächst unklar.



