Évian-les-Bains. Auf dem G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains zeichnet sich eine überraschende Wende ab. US-Präsident Donald Trump, der die Ukraine-Unterstützung eingestellt und einen Zollkrieg gegen die EU geführt hatte, zeigt sich nun kompromissbereit in der Ukraine-Politik. Grund dafür ist sein dringender Bedarf an politischer Unterstützung für sein umstrittenes Friedensabkommen mit dem Iran.
Annäherung zwischen Trump und den G7-Partnern
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) überreichte Trump zum 80. Geburtstag ein Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit dem Schriftzug „Trump“. In den sozialen Netzwerken schrieb Merz dazu: „Herzlichen verspäteten Glückwunsch zum 80. Geburtstag. Schließlich spielen wir im selben Team.“ Diese Geste symbolisiert die vorsichtige Annäherung, die sich auf dem Gipfel abzeichnet.
Laut Delegationskreisen sind sich alle G7-Staaten, einschließlich der USA, einig, dass die Ukraine in einer Position der Stärke sei und Russland den Krieg nicht gewinnen könne. Daher müsse die Unterstützung für die Ukraine erhöht und der Druck auf Russland verstärkt werden. Trump selbst äußerte, Russland solle ein Abkommen schließen, da es unzählige Menschen verloren habe.
Abkehr vom Geist von Anchorage
Diese Äußerungen werden als „Abkehr von Anchorage“ gewertet. In Alaska hatte Trump im August 2025 versucht, mit Putin über die Köpfe der Ukrainer und Europäer hinweg einen Friedensschluss zu erzielen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich optimistisch: „Das Blatt wendet sich für die Ukraine.“
Die Erfolge der Ukraine bei der Rückeroberung besetzter Gebiete und in der Drohnentechnologie sowie der 90-Milliarden-Euro-Kredit Europas hätten Trump beeindruckt, hieß es. Konkrete Zusagen für weitere Unterstützung machte Trump jedoch nicht.
Trumps innenpolitischer Druck
Trumps Annäherung ist nicht plötzlicher Vernunft geschuldet, sondern innenpolitischem Druck. Vor den Halbzeitwahlen im Herbst braucht er dringend einen Erfolg. Der von ihm begonnene Irankrieg wird in den USA mehrheitlich als Fehler angesehen, und sein geplantes Friedensabkommen mit dem Iran stößt auf scharfe Kritik. Der Iran macht kaum Zugeständnisse beim Atomprogramm und behält die Kontrolle über die Straße von Hormus, für deren Durchquerung er „Servicegebühren“ verlangt.
Keiner der G7-Regierungschefs will Trump verärgern. Kanzler Merz hatte zuvor mit Aussagen über eine mögliche Gefahr für seine Töchter in den USA Trumps Zorn auf sich gezogen. Nun gratulieren alle artig zum Geburtstag und zum Friedensabkommen, auch um Details des Abkommens zu erfahren.
Folgen des Iran-Deals für Europa und die Region
Am Freitag soll das Abkommen im Schweizer Bürgenstock unterzeichnet werden. Die Europäer planen Hilfe bei der Minenräumung in der Straße von Hormus, wofür der Bundestag ein Mandat erteilen müsste. Auch die europäischen Sanktionen gegen den Iran müssten möglicherweise neu justiert werden. Trump machte deutlich, dass er für den Frieden mit dem Iran auch härter mit Israel umgeht. Er schlug vor, dass Syrien sich um die Hisbollah kümmern solle, da es das besser könne.
Wie lange hält Trumps Sinneswandel an?
Trump hat im Ukrainekrieg bereits mehrfach seine Position gewechselt. Vor dem Gipfel telefonierte er mit Putin, doch diesmal hinterließ das Gespräch offenbar wenig Wirkung. Das macht die Europäer und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zuversichtlich. Selenskyj sprach mit den G7 über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland, insbesondere gegen dessen „Schattenflotte“ von rund 1400 Schiffen.
Verschärfte Sanktionen gegen Russlands Öl- und Gasgeschäfte sind im Gespräch. Trump stellte eine Rückkehr zu den Öl-Sanktionen in Aussicht. Merz traf Selenskyj bilateral und sicherte weitere Luftverteidigungsunterstützung zu. Selenskyj betonte die Prioritäten: Aufstockung der Luftabwehrraketen, Lizenzen für deren Herstellung, ein Winterhilfspaket und verstärkter Druck auf Russland.
Gipfel ganz auf Trump zugeschnitten
Der Gipfel wurde eigens um einen Tag verschoben, damit Trump seinen Geburtstag mit Käfigkämpfen in Washington feiern konnte. Gastgeber Macron lud Trump ins Schloss Versailles ein, um gemeinsam den 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit zu feiern. Der gesamte Gipfel wird um die Psychologie eines Mannes herum gestrickt. Trump kaperte mit seinem Friedensabkommen den Gipfel und machte aus dem Wirtschafts- einen Geopolitik-Gipfel.
Das kommt den G7 nicht ungelegen. Bisher waren die USA alleinige Vermittler zwischen Ukraine und Russland. Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen die Gespräche wieder in Gang bringen und hoffen, dass die G7 künftig das Format dafür sind.



