Pete Hegseth in Brüssel: Europäer unter Druck
Die Verteidigungsminister der Nato treffen sich heute im Brüsseler Hauptquartier. Dieses Mal ist auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth dabei. Sein Besuch gilt jedoch kaum als Zeichen transatlantischer Verbundenheit. Hegseth kommt als Einpeitscher, um die Europäer zu züchtigen. Vor seinem Abflug ließ er eine Erklärung verbreiten, die die dringende Notwendigkeit betont, dass die Nato-Partner die Hauptverantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas übernehmen. Sie sollen ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung steigern. Der Subtext: Zählt nicht auf uns. Die Europäer überlegen nun, wie sie die Lücken füllen, die der allmähliche Rückzug der USA innerhalb der Nato hinterlässt.
EU-Kommissar Kubilius: Bewusstseinswandel nötig
Unser Brüsseler Kollege Timo Lehmann und ich haben mit EU-Kommissar Andrius Kubilius gesprochen. Kubilius wirkte verzweifelt. Er wünscht sich einen Bewusstseinswandel unter den EU-Mitgliedstaaten. Sie sollten nationale Egoismen ablegen und bei der Rüstungsbeschaffung stärker zusammenarbeiten. Bisher laufe das gar nicht gut, räumt der Litauer ein. Er spricht von einer traurigen Tradition gescheiterter Rüstungsprojekte.
Merz auf dem EU-Gipfel: Heikle Themen
Kanzler Friedrich Merz hatte beim G7-Gipfel in den französischen Alpen eine positive Stimmung. Nun reist er zum EU-Gipfel nach Brüssel. Dort erwarten ihn heikle Gespräche über den mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034. Die Kommission schlug zwei Billionen Euro vor. Viele Staaten fordern Kürzungen. Aus Berlin heißt es, die vorgeschlagenen Kürzungen von zwei Prozent reichten nicht. Ein weiteres Thema sind mögliche Waffenstillstandsverhandlungen für die Ukraine. Merz hatte kürzlich mit Macron, Starmer und Selenskyj getroffen, was in Polen und Italien für Verstimmung sorgte. Merz lud nun Briten, Franzosen, Polen und Italiener nach Berlin ein, um die Wogen zu glätten.
Nachwahl in Großbritannien: Burnham fordert Starmer heraus
Im englischen Wahlkreis Makerfield findet heute eine Nachwahl statt. Der Labour-Kandidat Andy Burnham, Bürgermeister von Manchester, könnte Premierminister Keir Starmer herausfordern. Burnham gilt als größter innerparteilicher Rivale. Seine Chancen stehen gut, da sich die rechten Parteien gegenseitig Wähler abspenstig machen. Starmer bot Burnham einen Kabinettsposten an, doch Burnham will wohl kein Amt unter Starmer.
Iran als Gewinner der Nahostverhandlungen
Nach dem, was über die amerikanisch-iranische Übereinkunft bekannt ist, geht Iran als Gewinner aus den Verhandlungen hervor. Das Regime kann mit erheblichem Geldfluss, gelockerten Sanktionen und Zugang zum Ölmarkt rechnen. Die USA verbuchen die Öffnung der Straße von Hormus für sich. Das Ziel des Krieges, das Ende des iranischen Atomprogramms, bleibt in weiter Ferne.
Kurzmeldungen aus der Nacht
- USA und Iran unterzeichnen Rahmenabkommen: Der Irankrieg ist vorerst beendet. Beide Seiten vereinbarten eine Waffenruhe und die Wiederöffnung der Straße von Hormus.
- Russland feuert Raketen auf Kyjiw: In der ukrainischen Hauptstadt gab es Explosionen. Die G7 sicherten der Ukraine unerschütterliche Unterstützung zu.
- Apple kündigt Preiserhöhungen an: Der Ausbau von KI-Rechenzentren macht Speicherchips teurer. Apple-Kunden werden dies spüren.
SPIEGEL Extra: Pionierin der Kinderwunschmedizin
Yonat Floersheim holte einst die künstliche Befruchtung in die Schweiz – trotz Widerständen. Sie spricht über ihren Weg und gibt Menschen mit Kinderwunsch zwei wichtige Tipps.



