KGM Musso Grand: Der letzte Cowboy – Was den Korea-Pick-up besonders macht
Der Musso von KGM ist einer der letzten klassischen Diesel-Pick-ups. Der koreanische Hersteller hat seinen Pritschenwagen jetzt umfassend überarbeitet und setzt dabei auf robuste Tugenden.
Pick-ups gelten in Deutschland als die letzten Cowboys unter den Automobilen und sind sich für keine Drecksarbeit zu schade. Man sieht sie selten, ihre Fahrer grüßen sich in der Regel und im Zulassungsranking führen sie das Leben einsamer Desperados. Umso bemerkenswerter, wenn ein Hersteller sich in diesem Segment beharrlich gegen den Mainstream wehrt und seinen Exotenstatus pflegt.
So wie KGM – die Marke SsangYong firmiert seit 2023 unter diesem Namen, kurz für KG Mobility. Mit dem überarbeiteten Musso hat der viertgrößte südkoreanische Autobauer einen der letzten hartgesottenen Diesel-Pick-ups im Programm.
In Deutschland ist der Markt für klassische Pritschenwagen überschaubar. Der unangefochtene Platzhirsch Ford Ranger vereinte 2025 rund 63 Prozent aller Pick-up-Zulassungen auf sich. Der Rest verteilt sich auf Toyota Hilux, VW Amarok und einige Nischenanbieter – darunter KGM.
Dabei ist der Musso noch aus einem weiteren Grund ein Sonderling. KGM setzt weiter auf den Diesel. Zwar gibt es mittlerweile einen vollelektrischen Musso EV, aber für waschechte Grenzgänger, für die ein robuster Pick-up mit Selbstzünder die reine Lehre darstellt, gibt es den überarbeiteten Musso weiterhin mit einem eigenentwickelten 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel. In Zeiten immer strengerer CO₂-Vorgaben wirkt das beinahe rebellisch.
Der jetzt vorgestellte Musso markiert die nächste Entwicklungsstufe eines Modells, das in Deutschland seit 2018 angeboten wird. Besonders auffällig ist das deutlich kantigere Design. Die Front im typischen US-Stil ist nun breiter und moderner. Ein durchgehendes Lichtband aus LED-Elementen spannt sich über die gesamte Fahrzeugbreite und verbindet die markanten Tagfahrleuchten miteinander.
Der Modellname bedeutet übrigens „Nashorn“ auf Koreanisch. Passend dazu wirkt der Pick-up kraftvoll und zu allen Abenteuern bereit. Massiv ausgeformte Stoßfänger, verbreiterte Radhäuser und Räder bis 20 Zoll sorgen für Präsenz.
Zieht bis zu 3,5 Tonnen
Wie bisher wird der Musso in zwei Längen angeboten – ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Fahrzeugklasse. Die Standardversion misst 5,15 Meter, die nur 1.500 Euro teurere Langversion Musso Grand wächst auf stattliche 5,46 Meter. Die verlängerte Ladefläche misst 1,61 Meter in der Länge und 1,57 Meter in der Breite, das Ladevolumen beträgt bis zu 1.262 Liter.
Eine Europalette passt problemlos auf die Pritsche. Je nach Hinterachskonfiguration transportiert der Musso 700 bis 1.085 Kilogramm Nutzlast. Bis zu 3,5 Tonnen darf der lange Musso Grand mit Automatik ziehen – für Handwerker, Pferdebesitzer oder Bootsbesitzer die Währung, die zählt.
Der Diesel mit der Kennung XDi220 leistet 202 PS und entwickelt bis zu 441 Newtonmeter Drehmoment. Die Kraft gelangt wahlweise über ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder eine Sechsstufen-Automatik an die Räder. Der zuschaltbare Allradantrieb bietet die Fahrprogramme 4H und 4L, ein Sperrdifferenzial unterstützt zusätzlich die Traktion auf losem Untergrund. Die Bodenfreiheit beträgt 24,8 Zentimeter, der klassische Leiterrahmen aus hochfesten Stählen bildet die Basis für Belastbarkeit und Geländetauglichkeit.
Während Pick-ups innen früher oft den Charme eines Werkzeugkastens versprühten, orientiert sich der Musso – den es ausschließlich mit Doppelkabine gibt – inzwischen deutlich stärker an modernen SUV. Zwei jeweils 12,3 Zoll große Bildschirme dominieren das Cockpit, Apple CarPlay und Android Auto funktionieren erstmals kabellos.
Hinzu kommen eine induktive Ladeschale, ein 360-Grad-Kamerasystem sowie belüftete Ledersitze und Lenkradheizung. Auch im Outback schätzt man Komfort. Die Assistenzsysteme sind umfangreich – und überaus eifrig. Sie piepsen, bimmeln und ermahnen auf jedem Meter. Zum Glück lässt sich das mit zwei Klicks deaktivieren.
Wie aus einer anderen Zeit
In der Praxis erweist sich der Musso als Reisender aus einer anderen Zeit. Der Bursche kommt klar aus dem Team Ackergaul statt Dressurpferd. Die Aufhängung scheut keine Schwerstarbeit, aber jedes Schlagloch, und die Lenkung fungiert eher als grobes Ruder denn als präziser Richtungsgeber. Der Musso ist nichts für Feingeister – er will helfen, nicht schmeicheln, anpacken statt verwöhnen. In einer Zeit, in der immer mehr Pick-ups elektrifiziert werden, bleibt KGM erstaunlich konsequent auf dem Pfad der robusten Tugenden.
Preislich startet der kurze Musso in Deutschland bei 40.990 Euro, für 10.000 Euro mehr gibt es den langen Musso Grand Lux. Dazu kommen eine umfangreiche Serienausstattung und die für KGM typische Fünf-Jahres-Garantie bis 150.000 Kilometer – auch für gewerblich genutzte Fahrzeuge.
Wer einen Pick-up sucht, der noch ganz Pick-up sein darf, findet im neuen KGM Musso einen der letzten Vertreter einer aussterbenden Fahrzeuggattung. Keine überzeichneten Trendsetter, sondern eine ehrliche Haut.



