Trotz der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens für ein Kriegsende im Nahen Osten droht der Konflikt zwischen den USA und dem Iran erneut außer Kontrolle zu geraten. Am Samstag warf Bahrain der Islamischen Republik einen Drohnenangriff vor. Das Außenministerium des Königreichs im Persischen Golf teilte mit, eine „Reihe iranischer Drohnen“ habe das Land ins Visier genommen, in dem die 5. Flotte der US-Marine stationiert ist. Das Ministerium sprach von einer eklatanten Bedrohung für die Bevölkerung.
Tanker in der Straße von Hormus getroffen
Kurz darauf teilte die Seehandelsaufsicht der britischen Marine (UKMTO) mit, in der Straße von Hormus sei ein Tanker von einem Geschoss getroffen worden. Die Besatzung sei in Sicherheit. Zunächst reklamierte niemand den Angriff für sich, Beobachter hielten jedoch beide Attacken für eine Reaktion Teherans auf nächtliche Luftangriffe der USA auf Ziele im Iran.
Die iranische Revolutionsgarde ließ am Samstag über die staatliche Nachrichtenagentur Irna eine Erklärung verbreiten, in der es hieß, es seien mehrere Standorte der „US-Terrorarmee in der Region“ ins Visier genommen worden. Welche Gebiete angegriffen wurden, teilte die Revolutionsgarde nicht mit. Das für den Nahen Osten zuständige US-Zentralkommando erklärte, das US-Militär habe in der Nacht zum Samstag iranische Raketen- und Drohnenstellungen sowie Radaranlagen an der Küste angegriffen.
Vance: Gewalt wird mit Gewalt erwidert
US-Vizepräsident JD Vance forderte den Iran am Freitagabend (Ortszeit) zur Kontaktaufnahme auf. Die Islamische Republik solle „ans Telefon gehen“, falls es Meinungsverschiedenheiten über die Waffenruhevereinbarung gebe, erklärte er in sozialen Medien. Gewalt werde jedoch mit Gewalt erwidert.
Vorausgegangen war ein iranischer Angriff auf einen Frachter in der Straße von Hormus am Donnerstag. Stunden davor hatte die Revolutionsgarde Schiffe in der Meerenge davor gewarnt, diese auf einer Route vor der Küste Omans zu durchfahren, die der Oman in Abstimmung mit der UN-Schifffahrtsorganisation IMO festgelegt hat. Die einzige zugelassene Route durch die Straße von Hormus sei die vom Iran festgelegte. Die Nutzung anderer Routen sei untersagt, bei Verstößen werde man einschreiten.
Iran beansprucht Kontrolle über die Straße von Hormus
Der Iran besteht darauf, dass Schiffe in der Straße von Hormus iranischen Anweisungen folgen müssen. Auch künftige Gebühren für die Passage hat Teheran nicht ausgeschlossen. Nach den jüngsten gegenseitigen Angriffen in der Region kündigte das Gemeinsame Maritime Informationszentrum (JMIC) am Samstag an, dass die Route vor der Küste Omans ausgeweitet werde. Die Strecke solle künftig sowohl von in den Persischen Golf einlaufenden als auch auslaufenden Schiffen genutzt werden können, teilte die Informations- und Koordinierungsstelle mit, die Warnungen und Lageinformationen für die Handelsschifffahrt in der Region bündelt.
Beobachter werteten den Schritt als Warnung an Teheran, dass die USA die Wiedereröffnung der Meerenge in jedem Fall durchsetzen wollen. Washington und die arabischen Golfstaaten haben die Forderungen der Islamischen Republik mit Blick auf die Straße von Hormus zurückgewiesen. Vor dem Krieg wurde durch die Meerenge etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls verschifft, aber auch große Mengen verflüssigtes Erdgas und Düngemittel. Die faktische Blockade durch Teheran im Krieg löste eine weltweite Energiekrise aus.
Rahmenabkommen zwischen USA und Iran brüchig
Vor nicht einmal zwei Wochen hatten sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen verständigt, das 60-tägige Verhandlungen vorsah, die Öffnung der Straße von Hormus, ein sofortiges Ende des Krieges „an allen Fronten“ – und die Option einer Verlängerung des Verhandlungszeitraums, falls dies für ein endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges nötig sei. US-Präsident Donald Trump hatte das Rahmenabkommen am 17. Juni im Schloss von Versailles unterzeichnet. Wenig später berichtete die iranische Nachrichtenagentur Irna, auch Präsident Massud Peseschkian habe seine Unterschrift unter die Vereinbarung gesetzt.
Eng verbunden mit dem Kriegsende zwischen den USA und dem Iran ist auch der Konflikt im Libanon zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz. Am Freitag einigten sich der Libanon und Israel auf ein Rahmenabkommen. Die Vereinbarung sei ein „erster Schritt“ in Richtung eines dauerhaften Friedens zwischen beiden Ländern, sagte US-Außenminister Marco Rubio in Washington.
Hisbollah lehnt Abkommen ab
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lobte die Vereinbarung und bezeichnete sie als schwere Niederlage für den Iran. Die Hisbollah-Miliz lehnte das Abkommen jedoch ab und sieht sich nicht daran gebunden. Die Schiiten-Miliz – die als wichtigster nichtstaatlicher Verbündeter Irans gilt – nahm an den mehrere Tage dauernden Gesprächen in der US-Hauptstadt nicht teil. Die libanesische Regierung wiederum ist keine Kriegspartei.
Nach der Einigung zwischen Israel und dem Libanon kam es in der libanesischen Hauptstadt Beirut zu Protesten. Unterstützer der proiranischen Hisbollah-Miliz zogen am Abend und in der Nacht zu Fuß und auf Motorrädern durch die Stadt und riefen Protest-Slogans gegen das Abkommen, wie unter anderem der Fernsehsender LBC International und Augenzeugen berichteten. Straßen sind demnach mit brennenden Reifen blockiert worden.



