Jordan Bardella: Wird der 30-Jährige Frankreichs nächster Präsident?
Jordan Bardella: Wird der 30-Jährige Frankreichs Präsident?

Der 30-jährige Jordan Bardella, Parteichef des rechtsextremen Rassemblement National (RN), könnte Frankreichs nächster Präsident werden und Emmanuel Macron nach zehn Jahren im Amt beerben. Dies wäre der Fall, wenn Marine Le Pen entscheidet, nicht als verurteilte Straftäterin mit einer elektronischen Fußfessel in den Wahlkampf zu ziehen. Bardella würde dann als Ersatzmann einspringen.

Bardellas Popularität: TikTok, Umfragen und ein politisches Manifest

Bardella punktet bei Jüngeren mit gutem Aussehen, feinen Anzügen und geschickten TikTok-Auftritten. Statt Parteijargon spricht er wie ein Influencer und erreicht so 2,3 Millionen Follower. Die jüngste Erhebung des Instituts Ifop-Fiducial ergab, dass bis zu 37 Prozent der Befragten Bardella im ersten Wahlgang ihre Stimme geben würden – und nur 32 Prozent Marine Le Pen. Der drittplatzierte Kandidat, der liberal-konservative Ex-Premier Édouard Philippe, kommt demnach auf rund 20 Prozent.

Bardella veröffentlichte 2025 mit „Was die Franzosen wollen“ ein politisches Manifest, das in Frankreich als Grundvoraussetzung für eine Präsidentschaftskandidatur gilt. Der Verlag „Fayad“ gehört zur Gruppe des rechtsnationalen Milliardärs Vincent Bolloré, der sein Medienimperium offensiv für seine politische Agenda nutzt.

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Politische Abnabelung von Le Pen

Während Le Pen mit ihren Prozessen beschäftigt war, setzte sich Bardella trotz demonstrativ zur Schau getragener Harmonie immer wieder von ihren Positionen ab. In der Wirtschaftspolitik setzt Bardella auf wirtschaftsfreundlicheren Liberalismus, während Le Pen für staatliche Subventionen und Interventionen eintritt. Bardella will Bürokratie verringern, eine wachstumsfreundliche Steuerreform umsetzen und – anders als Le Pen – das Rentenalter nicht wieder absenken.

Belohnt wurde sein Einsatz unter anderem damit, dass der französische Unternehmerverband Medef ihn als ersten Politiker seiner Partei im August 2025 zu seiner Sommerkonferenz einlud. Ebenfalls als erstes RN-Führungsmitglied besuchte er im März 2025 Israel – auf Einladung des extremistischen Ministers für den Kampf gegen Antisemitismus, Amichai Chikli.

Außenpolitik: Distanz zu Russland und Kritik an der EU

Als politischer Thronfolger korrigierte Bardella den zunächst sehr prorussischen Kurs des RN: Marine Le Pen pflegte jahrelang enge Kontakte nach Moskau, Bardella vertritt eine deutlich distanziertere Linie und bezeichnet Russland als hybride Bedrohung für Europa und die französische Sicherheit.

Mit Blick auf die EU sagte Bardella dem britischen „Economist“ im November 2025: „Die EU ist ein Verein zur Verteidigung deutscher Interessen.“ Er kündigte an, Frankreichs Beitrag zum EU-Haushalt neu verhandeln zu wollen, dessen Höhe er für „verrückt“ hält. Auch aus dem europäischen Stromnetz möchte der RN-Politiker austreten, weil Frankreich auf seinen eigenen Atomstrom setze und gezwungen worden sei, „für alle anderen mitzubezahlen“. Von einem „Frexit“ ist jedoch keine Rede mehr: „Wir wollen alles verändern, ohne etwas zu zerstören“, lautet ein oft wiederholter Satz Bardellas.

Neue Allianzen in Europa

Für eine Kursänderung in Brüssel sucht Bardella offenbar eine neue rechte Allianz mit der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni von der Partei Fratelli d’Italia oder der polnischen PiS-Partei. Bei einem Besuch in Warschau im Juni wurde er sowohl von Staatspräsident Karol Nawrocki als auch von PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski empfangen. Der RN und diese Parteien sitzen im EU-Parlament bisher in unterschiedlichen Fraktionen: Bardella ist Vorsitzender der Fraktion „Patrioten für Europa“ (mit FPÖ, Fidesz, Lega Nord, Vox), während Fratelli d’Italia und PiS in der Fraktion europäischer Konservativer und Reformer kooperieren.

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Privatleben: Von der Nichte zur Prinzessin

Am meisten Aufsehen erregte Bardella kürzlich mit seinem Privatleben. Er ließ sich im April von der Klatschzeitschrift „Paris Match“ mit seiner neuen Freundin, der 22-jährigen Prinzessin Maria Carolina von Bourbon-Sizilien, beim Spaziergang auf Korsika ablichten. Der erste offizielle Auftritt des „Cinderella-Paares“ folgte beim Formel-1-Rennen am 7. Juni in Monaco. Diese Liaison gibt parteiinternen Kritikern Auftrieb, die befürchten, dass Bardella Facharbeiter und die ländliche Bevölkerung als wichtige Wählergruppen mit seinem Eintritt in den internationalen Jetset verstört.

Bardella war bis 2024 jahrelang mit der Nichte Marine Le Pens, Nolwenn Olivier, liiert. Diese wurde am Freitag als Kommunikationschefin des Wahlkampfteams vorgestellt – auf Drängen Marine Le Pens. Sie hatte zwar der „Tribune Dimanche“ am Wochenende erklärt, sie werde weder „Tutorin noch Patentante“ Bardellas spielen, aber der prägende Einfluss der Familie Le Pen soll trotz des Stabwechsels gesichert bleiben.