Joschka Fischer: Frühere Haltung zu USA war nicht klug
Joschka Fischer: Frühere Haltung zu USA war nicht klug

Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat im Exklusiv-Interview mit der Funke Mediengruppe eingeräumt, dass seine frühere Haltung gegenüber den USA falsch war. „Klug war diese Haltung nicht“, sagte der 78-Jährige mit Blick auf seine Zeit als Student und junger Aktivist, in der er die USA als imperialistische Macht ablehnte. Heute sehe er die Vereinigten Staaten differenzierter: „Es gibt viele Gründe, die USA zu feiern – ihre Demokratie, ihre Innovationskraft und ihre Rolle als Stabilitätsanker in der Welt.“

Fischer warnt vor Bruch der Nato

Fischer äußerte sich besorgt über die aktuellen Spannungen innerhalb der Nato. Ein möglicher Austritt der USA oder eine Schwächung des Bündnisses wäre „eine Katastrophe für Europa“. Er betonte: „Die Nato ist nicht nur ein Militärbündnis, sondern auch eine Wertegemeinschaft. Wenn sie zerbricht, verlieren wir alle.“ Der Ex-Außenminister forderte die europäischen Staaten auf, mehr Verantwortung zu übernehmen und eigene Verteidigungskapazitäten auszubauen.

Angst der Nachbarn vor Deutschland

Fischer ging auch auf die Ängste der Nachbarländer vor einem zu dominanten Deutschland ein. „Die Furcht vor einem deutschen Alleingang ist historisch begründet, aber heute unbegründet“, sagte er. Deutschland müsse jedoch sensibel mit seiner Rolle umgehen und dürfe nicht den Eindruck erwecken, es wolle die EU dominieren. „Wir müssen als Partner auftreten, nicht als Hegemon.“

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Gründe, die USA zu feiern

Trotz aller Kritik an der aktuellen US-Politik betonte Fischer die positiven Aspekte der transatlantischen Beziehungen. „Die USA haben uns nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut, sie haben uns die Demokratie gebracht und uns vor der Sowjetunion beschützt. Das dürfen wir nie vergessen.“ Er warnte davor, die USA pauschal zu verdammen: „Eine Welt ohne die USA wäre nicht besser, sondern gefährlicher.“

Das Interview führten Theresa Martus und Christian Kerl für die Funke Mediengruppe. Es erscheint am 3. Juli 2026.

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