Der renommierte Dokumentarfilmer Ken Burns hat in einem Interview mit dem SPIEGEL seine Sicht auf die Geschichte der USA dargelegt. Dabei bezeichnete er die Sklaverei als die „Ursünde“ der Vereinigten Staaten und warnte vor einer ernsthaften Bedrohung westlicher Bündnisse. Die Rhetorik von Donald Trump verglich er mit der von Adolf Hitler. Dennoch zeigte sich Burns optimistisch: „Freiheit ist das Beste, das wir je exportiert haben.“
Sklaverei als Ursünde und anhaltende Last
Burns, der für seine mehrteiligen Dokumentationen zur US-Geschichte bekannt ist, betonte die tiefe Verwurzelung der Sklaverei in der amerikanischen Gesellschaft. Er sieht darin einen fundamentalen Makel, der bis heute nachwirke. „Die Sklaverei ist die Ursünde Amerikas“, sagte er. „Sie hat unser Land von Anfang an geprägt und hinterlässt bis heute Narben.“ Der Filmemacher verwies auf die anhaltenden rassistischen Spannungen und Ungleichheiten, die auf diese historische Ungerechtigkeit zurückgingen.
Bedrohung westlicher Bündnisse und Vergleich mit Hitler
In dem Gespräch äußerte Burns auch Besorgnis über den Zustand der westlichen Allianzen. Er sehe diese „ernsthaft bedroht“, insbesondere durch nationalistische Strömungen und einen zunehmenden Unilateralismus. Die Rhetorik von Donald Trump verglich er explizit mit der von Adolf Hitler. „Wenn man sich Trumps Reden genau ansieht, findet man Parallelen zu Hitlers Techniken: die ständige Wiederholung von Lügen, die Schaffung von Feindbildern und die Untergrabung demokratischer Institutionen“, erklärte Burns. Er warnte davor, solche Vergleiche leichtfertig zu ziehen, betonte aber die Gefahr für die Demokratie.
Optimismus trotz Kritik
Trotz seiner scharfen Kritik an der US-Geschichte und Gegenwart blieb Ken Burns optimistisch. Er glaube an die Fähigkeit der USA, sich zu erneuern und ihre Ideale zu verwirklichen. „Amerika ist ein Experiment, das noch nicht abgeschlossen ist“, sagte er. „Wir haben immer wieder bewiesen, dass wir aus Fehlern lernen können.“ Die Freiheit, so Burns, sei das wertvollste Gut, das die USA in die Welt eingebracht hätten. „Freiheit ist das Beste, das wir je exportiert haben“, betonte er. Dieser Optimismus speise sich aus der Überzeugung, dass die Bevölkerung letztlich für Demokratie und Menschenrechte einstehe.
Ein Leben für die Dokumentation
Ken Burns, Jahrgang 1953, hat mit seinen Dokumentarfilmen wie „The Civil War“ (1990), „Baseball“ (1994) und „The Vietnam War“ (2017) Maßstäbe gesetzt. Seine Werke zeichnen sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit historischen Quellen und persönlichen Schicksalen aus. Das Interview erschien in der Ausgabe 2/2026 des SPIEGEL Geschichte. Die Journalistinnen Rafaela von Bredow und Jasmin Lörchner führten das Gespräch, in dem Burns seine Ansichten zur amerikanischen Identität und globalen Verantwortung darlegte.
Reaktionen auf das Interview
Die Aussagen von Ken Burns lösten in den USA und international Diskussionen aus. Während viele Historiker seine Analyse der Sklaverei als Ursünde teilen, stieß der Vergleich Trumps mit Hitler auf Kritik. Einige Kommentatoren warfen Burns vor, die historische Einzigartigkeit des Nationalsozialismus zu relativieren. Andere verteidigten ihn mit dem Hinweis auf die Gefahr extremistischer Rhetorik. Unabhängig von der Kontroverse unterstrich das Interview die anhaltende Bedeutung von Burns‘ Stimme in der öffentlichen Debatte über die US-Geschichte und -Politik.



