Revolver als Gastgeschenk: Erdoğans umstrittene Präsente auf dem Nato-Gipfel
Beim Nato-Gipfel in der Türkei sorgte Gastgeber Recep Tayyip Erdoğan mit einem ungewöhnlichen Geschenk für Aufsehen: Er überreichte Bundeskanzler Friedrich Merz und anderen Regierungschefs personalisierte scharfe Revolver samt Munition. Das Fabrikat Gümüşay (Silbermond) 357 Magnum, ein seltener Sechsschüsser aus den Neunzigerjahren, wurde vom türkischen Waffenhersteller MKE produziert. Damit es keine Zollprobleme gab, legte Erdoğan ein Ausfuhrzertifikat bei. Merz ließ den Revolver jedoch der Botschaft übergeben, um ihn ordnungsgemäß einzuführen und in der Sammlung offizieller Geschenke zu inventarisieren, wie ein Regierungssprecher mitteilte.
Der britische Premier Keir Starmer ließ den Revolver in der Türkei zurück, wo er entschärft werden soll – eine Einfuhr hätte den strengen britischen Waffengesetzen widersprochen. Der belgische Premier Bart De Wever übergab seinen Revolver der Flughafenpolizei in Brüssel zur Sicherung in einem Safe. Der polnische Präsident Karol Nawrocki betonte: „Ganz sicher wird niemand damit schießen.“ Der kanadische Premier Mark Carney scherzte, sein Gastgeschenk an Erdoğan – Ahornsirup – könne nicht mithalten.
Lego-Raumschiff und Nussknacker: Deutsche Ministerpräsente
In Deutschland sorgte der frühere Bundesminister für Bildung und Forschung Cem Özdemir für Schmunzeln: Seine Nachfolgerin Dorothee Bär (CSU) schenkte ihm bei der Amtsübergabe ein Lego-Raumschiff (Alter 7+), passend zum neuen Namen des Ministeriums: „Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt“. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erhielt das gleiche Antrittsgeschenk wie ihr Vorgänger Karl Lauterbach: einen Nussknacker für harte politische Entscheidungen.
Außenminister Johann Wadephul hatte für seine Vorgängerin Annalena Baerbock ein Abschiedsgeschenk parat: einen Hoptimisten, eine Art Wackeldackel, der bei Bedarf lächelt. Dies solle Baerbock bei „Frustrationsmomenten“ in ihrem neuen Job bei der Uno helfen. Das Geschenk war wohl eine Revanche für Baerbocks Geschenke an Wadephul: eine Tasse, Blumen und das Buch „In der Männer-Republik: Wie Frauen die Politik eroberten“.
Bundespräsidenten und ihre Spielgeräte
Der einstige Bundespräsident Horst Köhler hatte bei seinem Antrittsbesuch in Polen 2004 einen Fußball im Gepäck und weihte ihn gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Aleksander Kwaśniewski ein. Sieben Jahre später reiste Köhlers Nachfolger Christian Wulff nach Afghanistan mit einem Fahrrad und einem Korb Schokolade für den damals vierjährigen Sohn von Präsident Hamid Karzai. Für alle anderen Afghanen gab es die Zusicherung, dass Deutschland das Land nach dem Abzug der Bundeswehr 2014 nicht im Stich lassen werde.
Teppiche, Rollerblades und Krokodil-Versicherung
Heidar Alijew, Präsident Aserbaidschans, hatte 1997 für sein Treffen mit US-Präsident Bill Clinton einen Teppich in Auftrag gegeben, der Bill und Hillary Clinton abbildete. Der niederländische Premierminister Jan Peter Balkenende schenkte George Bush 2008 schwarze Rollerblades samt Handgelenk-, Knie- und Ellbogenschützern. Barack Obama erhielt 2011 bei einem Besuch in Australien eine Versicherung gegen Krokodilangriffe: 50.000 australische Dollar hätte Michelle Obama erhalten, wäre der Präsident in Darwin von einem Reptil angegriffen worden. Obama scherzte: „Ich muss zugeben, dass wir bei der Reform des Gesundheitswesens in Amerika die Krokodil-Versicherung ausgelassen haben.“
Tierische Geschenke: Von Adlern über Rinder bis zu Kamelen
Früher waren Tiere beliebte Geschenke unter Politikern. 1962 überreichte US-Justizminister Robert F. Kennedy dem Regierenden Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt, einen Weißkopfseeadler. Das nach seinem Besitzer getaufte Tier „Willy“ sollte symbolisieren, dass „die USA West-Berlin unter ihre schützenden Fittiche nehmen“, so Historikerin Mieke Roscher. Der greise Adler konnte sich kaum auf dem Ast halten und starb 1964.
Bundespräsident Johannes Rau wurde 2002 in Mali von Parlamentspräsident Ali Nouhoum Diallo mit einem Zebu-Rind beschenkt, nahm es aber nicht mit nach Deutschland. Angela Merkel erhielt 2007 von König Abdullah zwölf goldene Kamele in Saudi-Arabien und zeigte sich entzückt. Als der turkmenische Präsident ihr wenig später zwei lebende Exemplare schenken wollte, lehnte sie wegen logistischer Probleme ab. Wladimir Putin, der sich als Tierfreund inszeniert, bekam 2010 von Bulgariens Staatschef Bojko Borissow einen Karakatschan-Welpen namens „Buffy“ und zwei Jahre später aus Japan die Akita-Hündin Yume. Laut Roscher kann ein Hund als diplomatisches Geschenk auch einen Affront darstellen. Der selbst ernannte Tierfreund Josip Broz Tito sammelte Antilopen, Bären, Elefanten, Zebras und Löwen für seinen privaten Zoo auf den Brijuni-Inseln – Indira Gandhi schenkte ihm unter anderem zwei Elefanten und einen wilden Tiger namens Tigar.



