Die Eröffnung der neuen Präsidenten-Bibliothek von Barack Obama in Chicago war eine willkommene Detox-Kur von der Giftigkeit des Polit-Alltags. Drei Stunden lang keine toxische Vulgarität, sondern Würde, kluge Reden und ein Gefühl des Wir – das ließ die Zuhörer aufatmen.
Ein Abend der Superlative
Die Bühne wirkte wie eine Zeitkapsel: George W. Bush, Bill Clinton, Joe Biden, Hillary Clinton, Angela Merkel, Justin Trudeau, Oprah, Tom Hanks, Stephen Colbert, David Letterman. Bruce Springsteen sang, Bono und The Edge spielten, Christina Aguilera, Jennifer Hudson, John Legend, Common und The Roots traten auf. Stevie Wonder performte „Higher Ground“ – ein Symbol für eine höhere Ebene der Politik.
Michelle Obamas emotionale Rede
Michelle Obama hielt die Rede, die viele erwarteten und die zu Tränen rührte. Sie sprach von der Disziplin ihres Mannes, der Rettung der Autoindustrie, der Gesundheitsreform, der Verhinderung einer Ebola-Epidemie und der Tötung Osama bin Ladens. Ohne Donald Trump namentlich zu nennen, stand er doch in jedem Satz im Raum. „Wie absurd, sich auch nur vorzustellen, dass Du unter diesem Druck eingeknickt wärst“, sagte sie.
Obamas Appell an die Demokratie
Barack Obama selbst trat nicht als Verwalter seines Denkmals auf, sondern als Mahner: „So verunsichert wir auch sind, die Menschen sehnen sich nicht nach ewiger Wut und Spaltung. Sie sehnen sich nach Fairness, gesundem Menschenverstand und gegenseitigem Respekt.“ Er betonte, dass Militär und Polizei ihre Loyalität nicht einem Präsidenten, sondern dem Volk und der Verfassung schulden. Nach fairen Wahlen müsse die Macht friedlich übergeben werden.
Ein 850-Millionen-Dollar-Campus
Auf der South Side von Chicago, wo Barack Obama politisch erwachsen wurde, entstand ein 850 Millionen Dollar teurer Campus. Es ist keine klassische Präsidenten-Bibliothek, sondern ein Museum, Archiv, Park und Bürgerhaus in einem. Obamas Ego steckt hinter einer Fassade der Zurückhaltung – ein deutlicher Kontrast zu Donald Trump.
Hoffnung auf einen anderen Ton
Die Veranstaltung zeigte, dass Trumpismus kein Schicksal ist. Amerika verfügt über einen anderen Ton. Stevie Wonders „Higher Ground“ war nicht zufällig der Schlusspunkt: Es ging nicht um eine Rückkehr in die Obama-Jahre, sondern um einen Aufstieg aus der Gülle des Hier und Jetzt. Der klügste Moment von Obamas Rede war die Weigerung, Hoffnung parteipolitisch zu separieren: „Es sind keine republikanischen oder demokratischen Werte. Es sind amerikanische Werte, die wir alle teilen können.“



