Pakistan verkündet vorübergehende Feuerpause in Afghanistan
Islamabad – Nach wochenlangen intensiven Gefechten an der Grenze hat Pakistan nun eine vorübergehende Unterbrechung seiner Luftangriffe auf Afghanistan angekündigt. Die Entscheidung erfolgte auf ausdrückliches Ersuchen mehrerer Staaten, wie Informationsminister Attaullah Tarar am Dienstag mitteilte. Die Aussetzung der militärischen Operationen gegen mutmaßliche Terroristen und deren Infrastruktur in Afghanistan tritt am Mittwoch um Mitternacht in Kraft und soll zunächst bis Montag um Mitternacht gelten.
Guter Glaube mit klaren Bedingungen
Tarar betonte, dass Pakistan dieses Angebot „in gutem Glauben und im Einklang mit den islamischen Normen“ mache. Gleichzeitig stellte der Minister jedoch unmissverständlich klar, dass die Feuerpause unter striktem Vorbehalt steht. „Im Falle eines grenzüberschreitenden Angriffs, eines Drohnenangriffs oder eines terroristischen Vorfalls innerhalb Pakistans“ würden die Operationen unverzüglich und mit neuer Intensität wieder aufgenommen werden, erklärte Tarar vor Journalisten.
Eskalation des Konflikts mit zahlreichen Opfern
Der Grenzkonflikt zwischen Afghanistan und Pakistan hatte sich in den vergangenen Wochen dramatisch verschärft und forderte immer mehr zivile Opfer. Nach aktuellen Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha wurden seit dem 26. Februar in Afghanistan mindestens 76 Menschen getötet und 213 weitere verletzt. Die Kämpfe breiteten sich dabei geografisch auf weitere Regionen aus und intensivierten sich kontinuierlich.
Besonders verheerend war ein schwerer Luftangriff auf eine Entzugsklinik in Kabul zu Beginn der Woche. Die Taliban-Regierung gibt an, dass bei diesem Angriff mehr als 400 Menschen ums Leben kamen. Pakistan bestreitet hingegen, die medizinische Einrichtung gezielt angegriffen zu haben und behauptet, militärische Anlagen seien das eigentliche Ziel gewesen.
Humanitäre Krise verschärft sich weiter
Die anhaltenden Gefechte verschärfen die ohnehin prekäre humanitäre Situation in Afghanistan erheblich. Laut Ocha wurden infolge des Konflikts bereits etwa 115.000 Menschen aus ihren Heimatregionen vertrieben. Parallel dazu steigen die Preise für lebenswichtige Güter drastisch an. Importierte Grundnahrungsmittel wie Reis und Pflanzenöl haben sich im Vergleich zu Dezember 2025 um 20 bis 40 Prozent verteuert.
Die Versorgungslage wird zusätzlich durch geschlossene Grenzen erschwert. Pakistan hatte bereits im Oktober seine Ostgrenze zu Afghanistan dichtgemacht. Wegen des anhaltenden Iran-Kriegs sind nun auch Lieferungen über die Westgrenze praktisch zum Erliegen gekommen, wie das UN-Büro berichtet.
Hintergrund des Konflikts
Der aktuelle Konflikt basiert auf gegenseitigen Vorwürfen. Islamabad wirft den islamistischen Taliban in Kabul vor, Terroristen zu unterstützen, die in Pakistan Anschläge verüben. Die afghanische Regierung weist diese Anschuldigungen konsequent zurück und betont ihre Bemühungen um regionale Stabilität. Die nun verkündete Feuerpause könnte eine kurze Atempause für die Zivilbevölkerung bedeuten, bleibt jedoch aufgrund der klaren Bedingungen Pakistans äußerst fragil.



