Pistorius will Einfluss auf Panzerbauer KNDS sichern – in welcher Form auch immer
Pistorius will Einfluss auf KNDS sichern

Der geplante Börsengang des deutsch-französischen Panzerherstellers KNDS ist gescheitert – und mit ihm vorerst der Einstieg des deutschen Staates. Dennoch macht Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) deutlich, dass die Bundesregierung weiterhin entscheidenden Einfluss auf das Rüstungsunternehmen nehmen will. „Wir wollen diese Schlüsseltechnologie unter deutscher Kontrolle behalten – auf Augenhöhe mit unseren Partnern aus Frankreich“, sagte Pistorius bei einer Rede im KNDS-Werk in Kassel.

Geplatzter Börsengang und vertagter Staatseinstieg

KNDS, Hersteller von Panzern wie dem Leopard 2, dem Puma und der Panzerhaubitze 2000, wollte im Juli 2026 an die Börse gehen. Das Vorhaben platzte jedoch, weil den Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens die Bewertung des Unternehmens zu niedrig war. Eigentlich hatte die Bundesregierung geplant, sich für 7,2 Milliarden Euro 40 Prozent der Anteile an KNDS zu sichern. Der Preis sollte sich am Ausgabepreis des Börsengangs orientieren, zuzüglich eines Aufschlags. Mit dem Scheitern der Börsennotierung liegt auch der deutsche Staatseinstieg vorerst auf Eis.

Pistorius: Einflussnahme in jeder Form

Auf die Frage, ob für ihn auch die bestehende Eigentümerstruktur auf längere Sicht eine Option sei, antwortete Pistorius, Deutschland wolle sich Einfluss sichern, „in welcher Form auch immer“. Wie die konkrete Umsetzung aussehen werde, sei „Gegenstand von Diskussionen und Entscheidungen in den nächsten Wochen“. Derzeit gehört KNDS je zur Hälfte dem französischen Staat und den beiden deutschen Eigentümerfamilien.

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KNDS als nationale Schlüsseltechnologie

In einem vertraulichen Papier des Verteidigungsministeriums wird das hohe staatliche Interesse an KNDS ausführlich begründet. Die Nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie der Bundesregierung aus Dezember 2024 habe gepanzerte Fahrzeuge als nationale Schlüsseltechnologie festgelegt. „Die gepanzerten Landsysteme von KNDS DEU bilden das Rückgrat der gepanzerten und geschützten Verbände der Bundeswehr und damit der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands“, heißt es in dem Dokument. Zudem liege der höhere Umsatzanteil bei KNDS (57 Prozent) beim deutschen Teil des Konzerns. Die Bedeutung von KNDS Deutschland werde „angesichts von Beschaffungen durch die Bundeswehr und fehlenden vergleichbaren Beschaffungen auf französischer Seite noch weiter zunehmen“. Daher wollte sich der Bund weitgehende Eingriffsrechte sichern, darunter in der Hauptversammlung die gleichen Stimmrechte wie Frankreich.

Auswirkungen auf die Rüstungsbranche

Der geplatzte Börsengang von KNDS und der jüngste Kursrutsch der Rheinmetall-Aktie zeigen, dass Investoren die Rüstungsbranche nach dem anfänglichen Hype um Panzer und Drohnen neu bewerten. Pistorius betonte in Kassel erneut: „Wir wollen diese Schlüsseltechnologie unter deutscher Kontrolle behalten.“ Die Bundesregierung werde in den kommenden Wochen über die weitere Strategie entscheiden.

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