Am Hamburger Oberlandesgericht hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche iranische Agenten begonnen. Die beiden Männer, Ali S. und Tawib B., sollen im Auftrag Teherans Juden und Freunde Israels in Deutschland ausgespäht und Mord- sowie Brandanschläge vorbereitet haben. Die Bundesanwaltschaft warnt vor einer zunehmenden Bedrohung durch die iranischen Revolutionsgarden.
Anklage: Spionage und versuchte Anschläge
Der Hauptangeklagte Ali S. (54) und der Mitangeklagte Tawib B. (52) sollen für die Islamische Republik Iran tätig gewesen sein. Laut Anklage haben sie den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und den Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, ausgekundschaftet. Zudem soll Ali S. Vorbereitungen für einen Brandanschlag auf einen koscheren Lebensmittelhandel in Berlin getroffen haben.
Bundesanwalt Stephan Morweiser erklärte: „Das Verfahren zeigt nicht nur, dass der Iran nach wie vor ein wesentlicher Akteur im Bereich der Spionage ist, sondern auch, dass die iranischen Revolutionsgarden Deutschland zunehmend als Handlungsraum für staatsterroristische Anschläge betrachten.“
Aufträge direkt von der Quds-Brigade
Die Bundesanwaltschaft wirft Ali S. geheimdienstliche Agententätigkeit und versuchte Beteiligung an Verbrechen des Mordes und der schweren Brandstiftung vor. Tawib B., ein in Iran geborener afghanischer Staatsbürger, soll sich wegen versuchter Beteiligung an einem Mord verantworten. Ali S. habe seine Aufträge direkt von Offizieren der Quds-Brigade erhalten, der Auslandseinheit der Revolutionswächter. Diese sind auch für verdeckte Geheimdienstoperationen im Ausland zuständig.
Ali S. habe Kontakt zu B. aufgenommen, um ihn für ein Attentat auf Volker Beck zu gewinnen – oder zumindest eine andere Person dafür zu finden. Auf letzteres hätten sich beide verständigt, so der Vertreter der Bundesanwaltschaft bei der Anklageverlesung. Für den Brandanschlag auf das koschere Lebensmittelgeschäft in Berlin habe er seine Tochter gebeten, eine somalische oder palästinensische Frau zu suchen, die gegen Geld nach Deutschland fliegen würde. 30.000 dänische Kronen – rund 4.000 Euro – habe er als Gegenleistung in Aussicht gestellt.
Festnahme in Dänemark
Zur Ausführung der geplanten Attentate kam es nicht: Im Juni 2025 wurde Ali S. im dänischen Aarhus verhaftet und später nach Deutschland überstellt. Nach der Anklageverlesung äußerte sich keiner der beiden Beschuldigten. Die Ermittler waren Ali S. durch umfangreiche Überwachungsmaßnahmen auf die Spur gekommen.
Volker Beck: „Wir weichen nicht“
Volker Beck nahm unter Personenschutz am ersten Verhandlungstag teil. Das Gericht hat noch nicht über seinen Antrag entschieden, als Nebenkläger zugelassen zu werden. Beck sagte: „Ich würde denen auch gern als Verfahrensbeteiligter im Prozess gegenübertreten, um zu zeigen, mit Drohungen von Gewalt lassen wir uns nicht einschüchtern, sondern dann denken wir über unsere Sicherheit nach, aber wir weichen nicht.“
Beck, der von 1994 bis 2017 für die Grünen im Bundestag saß, forderte Konsequenzen: „Auch die Mitarbeiter der iranischen Vertretung in Berlin sind Teil der Infrastruktur für terroristische Machenschaften des Iran. Und da kann nur eine Konsequenz sein: den Botschafter ausweisen und das Personal radikal zu reduzieren.“
Iran weist Vorwürfe zurück
Iran hatte die Vorwürfe bereits nach der Anklageerhebung zurückgewiesen. Die iranische Botschaft in Berlin sprach von „unbegründeten und gefährlichen Behauptungen“, wie die regierungsnahe Nachrichtenagentur Isna berichtete. Der Prozess wird in den kommenden Wochen fortgesetzt.



