Am Freitagmorgen steigen dichte Rauchschwaden über der Öl-Raffinerie Kapotnya auf – nur 15 Kilometer vom Kreml entfernt. Es ist bereits der dritte Angriff auf die Anlage innerhalb weniger Wochen. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin griffen mindestens 14 ukrainische Drohnen die Hauptstadtregion an. Russland behauptet, sämtliche Fluggeräte seien von der Luftabwehr abgeschossen worden, doch Bilder und Videos in den sozialen Netzwerken zeigen das Gegenteil.
Bedeutung der Raffinerie Kapotnya
Die Raffinerie Kapotnya gehört zum Ölkonzern Gazprom Neft und verarbeitet bis zu 14 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Sie deckt rund ein Drittel des Kraftstoffbedarfs von Moskau und gilt als eine der wichtigsten Energieanlagen Russlands. Bereits am 16. und 18. Juni wurde die Raffinerie von ukrainischen Drohnen getroffen. Die Reparatur der Schäden aus dem Juni sollte sich laut Branchenquellen bis 2027 hinziehen.
Weitere Angriffe auf Energie- und Rüstungsziele
In der Nacht gerieten auch andere Ziele ins Visier ukrainischer Drohnen. Bilder in den sozialen Medien zeigen Flammen an der Öl-Raffinerie Ilski in der Region Krasnodar sowie an einem Öl-Terminal im Hafen von Taganrog. Aus der Region Rostow kursieren Aufnahmen eines brennenden Öldepots in Asow. Dort soll nach ukrainischen Angaben auch das Azov-Werk für Optik und Mechanik getroffen worden sein, das unter anderem Zieloptiken, Wärmebildtechnik und andere Komponenten für das russische Militär produziert. Wegen der Angriffswelle stellten die Flughäfen in Moskau und St. Petersburg ihren Betrieb zwischenzeitlich ein.
Strategie der Ukraine gegen Russlands Kriegskasse
Seit Monaten greift die Ukraine mit Langstreckendrohnen gezielt tief in Russland an. Im Fokus stehen vor allem Raffinerien, Tanklager und andere Teile der Energieinfrastruktur – eine der wichtigsten Einnahmequellen des Kremls zur Finanzierung seines Angriffskriegs in der Ukraine. Dass diese Strategie Wirkung zeigt, belegt auch die Internationale Energie-Agentur (IEA): Sie senkte ihre Prognose für Russlands Ölförderung und verwies ausdrücklich auf die „anhaltenden Angriffe auf Raffinerien, Lager und Transportinfrastruktur“. Gleichzeitig führen die Angriffe zu Spritmangel in Russland selbst und sorgen so auch dafür, dass die Russen den Krieg im Alltag spüren.



