Die langjährige Allianz zwischen Saudi-Arabien und den USA zeigt tiefe Risse. Der Iran-Krieg droht die beiden Verbündeten zu entzweien. Saudi-Arabien, traditionell einer der engsten Partner der USA im Nahen Osten, geht zunehmend auf Distanz zur Regierung von Präsident Donald Trump.
Telefon-Diplomatie nach Trumps Art
Für Donald Trump ist das Telefon ein Mittel, um seinen Willen durchzusetzen. Wenn er zum Hörer greift, wird wahlweise geschmeichelt oder geschrien. Erfreulich verlaufen solche Gespräche eher selten. Diese Art der Diplomatie stößt in Riad zunehmend auf Ablehnung. Die saudische Führung zeigt sich irritiert über Trumps unberechenbaren Führungsstil.
Historische Partnerschaft unter Druck
Seit Jahrzehnten gehören Saudi-Arabien und die USA zu den engsten Partnern in der Region. Die Beziehungen basierten auf einem Pakt: Öl gegen Sicherheit. Doch der Iran-Konflikt hat das Verhältnis schwer belastet. Während Washington auf eine harte Linie gegen Teheran setzt, fürchtet Riad die Eskalation eines regionalen Krieges, der auch Saudi-Arabien in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Die saudische Führung hat in den vergangenen Monaten mehrfach Signale der Distanzierung gesendet. Kronprinz Mohammed bin Salman, der faktische Herrscher des Königreichs, vermied zuletzt öffentliche Treffen mit US-Vertretern und ließ stattdessen über diplomatische Kanäle seine Unzufriedenheit mit der amerikanischen Iran-Politik übermitteln.
Wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit
Trotz der Spannungen bleibt Saudi-Arabien wirtschaftlich und militärisch von den USA abhängig. Die USA sind der wichtigste Waffenlieferant des Königreichs. Ein kompletter Bruch ist daher unwahrscheinlich. Dennoch zeigt der Fall, wie sehr sich die geopolitische Dynamik im Nahen Osten verändert hat. Saudi-Arabien sucht zunehmend nach Alternativen, etwa durch eine Annäherung an China und Russland.
Experten sehen in der saudischen Distanzierung einen strategischen Schachzug. „Riad will sich nicht länger von Washington vorführen lassen“, sagte ein Nahost-Experte dem Tagesspiegel. „Die Zeiten, in denen Saudi-Arabien blindlings der US-Politik folgte, sind vorbei.“
Auswirkungen auf die Region
Das Zerwürfnis zwischen den beiden Verbündeten könnte weitreichende Folgen haben. Der Iran-Krieg, der durch die Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani im Januar 2020 eskalierte, hat die Region destabilisiert. Saudi-Arabien fürchtet nun, in einen direkten Konflikt mit dem Iran hineingezogen zu werden.
Die saudische Regierung hat daher mehrfach zur Deeskalation aufgerufen. Gleichzeitig bemüht sich Riad, seine eigene Position zu stärken, indem es die Beziehungen zu anderen Mächten ausbaut. Ob die traditionelle Allianz mit den USA diese Krise übersteht, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der stolze Prinz aus Saudi-Arabien geht auf Distanz zu Trumps Amerika.



