Selenskyj warnt vor massiven russischen Angriffen und fordert Abzug aus Belarus
Selenskyj warnt vor massiven russischen Angriffen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Landsleute vor neuen massiven Angriffen der russischen Streitkräfte gewarnt. Angesichts der bereits registrierten Angriffe auf die Städte Dnipro und Saporischschja bereite sich Russland auf neue Attacken in der Nacht vor, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. „Bitte passt gut auf euch auf.“

„Die Russen stellen den Krieg nicht ein, obwohl alle diesbezüglichen Vorschläge konkrete Formate und realistische Möglichkeiten darstellen“, sagte er. „Alles liegt ihnen schon lange auf dem Tisch.“ Kremlchef Wladimir Putin müsse sich nur für Diplomatie und einen normalen Frieden entscheiden. Der Vorschlag Kiews für ein Treffen mit Putin für ein direktes und ehrliches Gespräch im Format Ukraine–Russland mit Unterstützung der Partner der Ukraine bleibe weiterhin gültig.

Selenskyj warnt Belarus vor Beteiligung am Krieg

Selenskyj warnte zugleich Russlands Verbündeten Belarus vor einer weiteren Beteiligung an Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dies könne „gefährliche Folgen“ haben. Zudem forderte er den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko auf, russische Militärtechnik innerhalb einer Woche aus seinem Land zu entfernen. Andernfalls droht Selenskyj mit militärischen Schritten der Ukraine. Es gehe um Signalrelaisstationen in zwei belarussischen Grenzregionen zur Ukraine, die russische Truppen zur Steuerung von Angriffen auf ukrainische Zivilisten nutzen, sagte Selenskyj auf einer Pressekonferenz in Kiew. „Wenn er es nicht tut, werden wir es tun“, fügte er hinzu, ohne weitere Details zu nennen.

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AKW Saporischschja zum 20. Mal ohne externe Stromversorgung

Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja hat laut IAEA zum 20. Mal seit Beginn des Krieges mit Russland die externe Stromversorgung verloren. Grund sei ein Problem mit den internen Stromleitungen des Kraftwerks, das die einzig verbliebene 330-Kilovolt-Verbindung Ferosplawna-1 beeinträchtige, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) auf der Plattform X mit. Zur Aufrechterhaltung der Reaktorkühlung und anderer wichtiger Sicherheitsfunktionen seien Notstrom-Dieselgeneratoren angelaufen. Russland hat das im Südosten der Ukraine gelegene AKW Saporischschja bereits im März 2022 – kurz nach Beginn seiner groß angelegten Invasion – unter seine Kontrolle gebracht.

Tote und Verletzte bei russischen Angriffen

In der ostukrainischen Stadt Charkiw ist bei einem russischen Angriff mindestens ein Mensch getötet worden. Die Leiche werde aus den Trümmern geborgen, teilte Gouverneur Oleh Synjehubow bei Telegram mit. Zuvor schrieb er von neun Verletzten infolge eines Gleitbombenangriffs. Ein zweistöckiges Wohnhaus sei beschädigt worden. In der frontnahen ostukrainischen Stadt Kramatorsk sind mindestens zwei Menschen durch russischen Beschuss getötet worden. Weitere sechs wurden verletzt, teilte der Militärgouverneur des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, bei Telegram mit. Die Industriestadt sei dabei mindestens zweimal beschossen worden. Etwas mehr als zehn Kilometer östlich von Kramatorsk befindet sich die Frontlinie zwischen russischen und ukrainischen Truppen.

Selenskyj gibt höchsten polnischen Orden zurück

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die höchste Auszeichnung Polens zurückgegeben. Seine Landsleute seien der Meinung, der Orden des Weißen Adlers sei für „das ukrainische Volk und unsere Armee“ gedacht gewesen, schrieb Selenskyj am Samstag im Kurznachrichtendienst X und veröffentlichte einen Paketschein. „Heute habe ich den Orden an den polnischen Präsidenten zurückgeschickt. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft zeigen wird, dass die Ukrainer den Respekt erhalten, den sie verdienen.“ Selenskyj hatte den Orden 2023 für seine Verdienste um Sicherheit, Widerstandsfähigkeit und die Verteidigung der Menschenrechte erhalten. Sein polnischer Kollege Karol Nawrocki erklärte am Freitag, er ziehe die Auszeichnung zurück, weil Selenskyj eine Militäreinheit nach der ukrainischen Aufstandsarmee UPA benannt hat. Dies bedeute nicht, dass Polens Unterstützung für die Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen Russland nachlassen werde. Doch die UPA sei in den Augen der meisten Polen für grausame Verbrechen an polnischen Bürgern im Zweiten Weltkrieg verantwortlich.

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Streit um Geschichte eskaliert: Budanow gibt polnischen Orden zurück

Polens Konflikt mit der Ukraine über das Militärgedenken des Nachbarlandes eskaliert weiter. Der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, teilte mit, er gebe aus Protest einen polnischen Orden zurück. Mit dem Verzicht auf das ihm 2025 verliehene Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen reagiere er auf die jüngste Maßnahme des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki. Budanow bezeichnet das Vorgehen Nawrockis als ein Geschenk an Russland. Polen ist ein enger strategischer Verbündeter der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland.

Polen fordert Platz am Verhandlungstisch zur Ukraine

Der polnische Außenminister Radosław Sikorski kritisiert die Führungsrolle von Deutschland, Frankreich und Großbritannien bei den Gesprächen zum Ukraine-Krieg. „Zwischen dem Schwarzen Meer, der Ostsee und der Adria leben 120 Millionen Menschen in der EU, zusammen mit Skandinavien sind es 150 Millionen Menschen, die von Russlands Aggression viel direkter bedroht sind als Deutschland“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Wir sind Nachbarn sowohl von Russland als auch der Ukraine, Sie sind das in Deutschland nicht“, sagte er der Zeitung. Polen befinde sich an vorderster Front, führte er aus und verwies auf die durch das Land laufenden Rüstungslieferungen an die Ukraine. Polen trage das Risiko dafür und fordere daher einen Platz am Verhandlungstisch. Er schlug demnach vor, „den Weg über die in den EU-Verträgen festgelegten Institutionen gehen, wie den EU-Ratspräsidenten“. Oder man müsse an einer „Koalition der Willigen“ arbeiten, die den Kontinent bei Verhandlungen vertritt, sagte er der „F.A.S.“.

EU-Gipfel streitet über Costas Gesprächskanäle mit Moskau

Auf dem EU-Gipfel ist es nach Reuters-Informationen in der Nacht zu Freitag zu einer heftigen Auseinandersetzung mit EU-Ratspräsident Antonio Costa wegen dessen Kontaktversuchen nach Russland gekommen. In der Sitzung der EU-Staats- und Regierungschefs kritisierten etliche Teilnehmer Costa. „Es gibt kein Mandat, seine Gespräche waren nicht mit den Mitgliedstaaten abgestimmt“, sagte etwa ein Diplomat eines großen EU-Landes zu Reuters. Costa agiere „nicht professionell“. Das Büro des EU-Ratspräsidenten hatte mitgeteilt, dass man Kontakte nach Moskau aufgebaut habe, für den Fall, dass Verhandlungen über den Ukraine-Krieg starten könnten. Costas Team betonte, dass der portugiesische Ratspräsident nicht außerhalb seines Mandats handele.

EU beansprucht künftig „Schlüsselrolle“ bei Ukraine-Lösung

Die EU beansprucht bei künftigen Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine eine Schlüsselrolle. Der EU-Gipfel unterstrich am Donnerstagabend in Brüssel, dass man die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des russischen Angriffskriegs unterstütze. „Europa kommt bei einer künftigen Lösung eine Schlüsselrolle zu und ist bereit, seine Interessen zu verteidigen“, wird in der Gipfel-Erklärung betont. Russland habe seine Angriffe auf die Ukraine verstärkt, da die Regierung in Moskau erkannt habe, dass sie die militärischen und strategischen Ziele in der Ukraine nicht erreichen könne. Der EU-Gipfel forderte Russland nachdrücklich auf, echte Bereitschaft zum Frieden zu zeigen. Ziel müsse ein „vollständiger, bedingungsloser und sofortiger Waffenstillstand“ sein.

Selenskyj will beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erneut eine schnelle EU-Vollmitgliedschaft gefordert. „Die Zukunft Europas – frei, vereint und in Frieden – entscheidet sich in unserer Verteidigung. Das zeigt, wie einzigartig unsere Situation ist“, sagte Selenskyj in Auszügen der Rede auf dem EU-Gipfel, die auf der Plattform X veröffentlicht wurden. „Der wichtigste Schritt in dieser Hinsicht könnte ein beschleunigter Weg für den Beitritt der Ukraine zur EU sein.“ Die EU hat gerade das erste Verhandlungskapitel mit der Ukraine und der Republik Moldau beschlossen. Die Bundesregierung plädierte für eine assoziierte Mitgliedschaft als Zwischenschritt.

EU verlängert Russland-Sanktionen erstmals um zwölf Monate

Die EU verlängert ihre Wirtschaftssanktionen gegen Russland erstmals nicht nur um sechs, sondern um zwölf Monate. Eine entsprechende Entscheidung trafen die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten am Abend bei ihrem Juni-Gipfel in Brüssel, wie eine Sprecherin von Ratschef António Costa mitteilte.

Bulgarien legt Veto gegen Russland-Sanktionen der EU ein

Bulgarien wird gegen das jüngste Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland sein Veto einlegen. Das kündigt Ministerpräsident Rumen Radev vor dem EU-Gipfel in Brüssel an. Die geplanten Sanktionen könnten sich negativ auf die bulgarische Wirtschaft auswirken. Die EU hat am Montag ihre Sanktionsliste erweitert und 34 Einzelpersonen sowie 47 Organisationen hinzugefügt, die mit dem militärisch-industriellen Komplex Russlands, seiner Schattenflotte von Öl- und Gastankern und anderen an politischen Einmischungsaktivitäten beteiligten Personen in Verbindung stehen. „Für den Betrieb von Lukoil besteht ein erhebliches Risiko“, sagt Radev zu dem russischen Ölunternehmen, das einer der größten Kraftstoffhändler in Bulgarien ist und die einzige Raffinerie des Landes betreibt.

Angriff auf Raffinerie im westsibirischen Tjumen abgewehrt

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Gouverneurs einen Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie in der westsibirischen Oblast Tjumen abgewehrt. Rettungskräfte seien am Ort des Absturzes der Trümmer im Einsatz, schrieb Gouverneur Alexander Moor auf Telegram. Die Raffinerie sei nach ersten Informationen nicht beschädigt worden. Die Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden. Tjumen liegt mehr als 2500 Kilometer östlich der ukrainischen Grenze und ist eine der wichtigsten Öl- und Gasförderregionen Russlands. Die dortige Raffinerie gilt als eine der modernsten des Landes und hat Branchenschätzungen zufolge eine Kapazität von rund acht Millionen Tonnen pro Jahr.

Ukraine greift Eisenbahnbrücken auf russisch besetzter Krim an

Das ukrainische Militär greift Angaben des Generalstabs zufolge Eisenbahnbrücken auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim an. Die Brücken in den Gebieten Rosdolne und Wladyslawiwka würden von den russischen Truppen für Militärtransporte und Nachschub genutzt, teilte der Generalstab auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Ukraine verstärkt ihre Angriffe in den russisch besetzten Gebieten im Süden und auf der Krim, um die Logistik Moskaus zu stören.

Selenskyj bezeichnet ukrainische Armee als faktisch „zweitstärkste Armee der Nato“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die ukrainischen Streitkräfte faktisch als die heute „zweitstärkste Armee der Nato“ bezeichnet. „Und daher braucht uns die Nato auch de-jure“, sagte er Journalisten, wie das Internetportal Hromadske berichtete. Das sei bereits eine Tatsache, die von allen Staatsführern anerkannt werde. Das ukrainische Militär stehe bei der Verteidigung gegen die von Moskau betriebene Invasion der als zweitstärksten Armee der Welt geltenden russischen in nichts nach, fügte er an.

Ein Toter bei russischem Angriff auf zivile Handelsschiffe

Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben zwei zivile Handelsschiffe im Schwarzen Meer mit Drohnen angegriffen. Ein Besatzungsmitglied eines Schiffes unter der Flagge Panamas sei dabei getötet worden, teilten Vizeregierungschef Olexij Kuleba und die Seehafenverwaltung bei Telegram mit. Zwei weitere Seeleute seien verletzt worden, davon einer schwer. Auf dem zweiten Frachter unter der Flagge von St. Kitts und Nevis sind demnach drei Besatzungsmitglieder leicht verletzt worden.

Russland: Achtjährige bei ukrainischem Angriff auf Moskau getötet

Bei dem massiven Drohnenangriff der Ukraine auf die Region Moskau am Donnerstag ist nach russischen Angaben ein achtjähriges Mädchen ums Leben gekommen. Das Kind sei bei einem Brand in der Stadt Schukowski gestorben, der durch den Angriff ausgelöst worden sei, teilte der Gouverneur der Hauptstadt-Region, Andrei Worobjow, mit. Zum Zeitpunkt des Angriffs habe sich das Mädchen mit seiner Großmutter zu Hause befunden. Bei dem Angriff wurden dem Gouverneur zufolge zudem mindestens 16 Menschen verletzt. Insgesamt seien 18 Wohnblöcke in der Region Moskau beschädigt worden. Der Ukraine zufolge war der Angriff eine Reaktion auf einen russischen Großangriff am Montag, bei dem landesweit zehn Menschen getötet wurden und das weltberühmte Höhlenkloster in Kiew schwer beschädigt wurde.

EU-Regierungen warnen vor zu schnellen Kontakten mit Moskau

Mehrere EU-Spitzenpolitiker warnen vor dem EU-Gipfel davor, voreilig Verhandlungen mit Russland über die Ukraine aufzunehmen. „Zunächst einmal muss es auf der anderen Seite jemanden geben, der zum Frieden bereit ist“, sagte der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs. „Es ist viel besser, einzugreifen, wenn wir positive Signale aus Russland sehen, die zeigen, dass das Land zur Aufnahme von Friedensverhandlungen oder zu einem Waffenstillstand bereit ist“, sagte Litauens Präsident Gitanas Nauseda. Sie reagieren auf eine Meldung, dass das Büro des EU-Ratspräsidenten Antonio Costa in den vergangenen Wochen „kurze Kontakte auf diplomatischer Ebene“ mit dem Kreml geknüpft hatte. Andere drängen jedoch auf einen Dialog mit Moskau. Die EU solle die „Dynamik“ rund um die Friedensgespräche in der Ukraine nutzen, um die Bemühungen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin voranzutreiben, sagte der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker der „Financial Times“.

Pistorius: Keine konkreten US-Pläne für Abzug aus Deutschland

Die USA haben nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius nach wie vor keinen konkreten Plan zum Abzug von Truppen aus Deutschland vorgelegt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth habe beim Treffen der Nato-Ressortchefs in Brüssel lediglich eine Roadmap zur Prüfung der Streitkräfte in Europa angekündigt, sagte Pistorius in Brüssel. Generell wichtig sei, dass keine Lücken in den Fähigkeiten der Nato entstünden, betonte der Minister.