Die durch ukrainische Angriffe auf Ölanlagen ausgelöste Treibstoffkrise in Russland weitet sich auf immer mehr Gebiete bis nach Sibirien aus. Mehrere russische Regionen rationieren inzwischen den Verkauf von Benzin und Diesel. In der sibirischen Region Omsk werde die Abgabe von Benzin auf 40 Liter pro Auto begrenzt, teilte Gouverneur Witali Chozenko am Montagabend auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Diesel werde je nach Standort auf 80 bis 200 Liter limitiert, das Abfüllen in Kanister sei verboten. Damit sollten Panikkäufe an den Tankstellen verhindert werden.
Rationierung in mehreren Regionen
Auch die benachbarte Region Nowosibirsk bereitet nach Angaben ihres Gouverneurs Andrej Trawnikow ähnliche Einschränkungen vor. Ab Dienstag rationiert zudem der zweitgrößte russische Ölkonzern Lukoil den Verkauf von Benzin und Diesel in der Region Woronesch im südlichen Zentralrussland, wie die Behörden dort mitteilten.
Krim stoppt Benzinverkauf
Auf der von Russland besetzten Krim haben die Behörden den Kraftstoffverkauf an Tankstellen ausgesetzt und die Versorgung auf staatliche Dienste beschränkt. Hintergrund sind ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien. Ab 9 Uhr Ortszeit am Sonntag werde Kraftstoff nur noch für Dienste bereitgestellt, die für das Funktionieren und die Sicherheit der Krim entscheidend seien, erklärte Sergej Aksjonow, der von Moskau eingesetzte Leiter der Halbinsel, auf Telegram.
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf Verkehrsverbindungen zur Krim und auf die russische Ölinfrastruktur verstärkt. Allein die Raffinerie in Moskau wurde in der vergangenen Woche zweimal getroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Streitkräfte hätten Einrichtungen auf beiden Seiten einer Brücke angegriffen, die das russische Festland mit der Krim verbindet. Der ukrainische Generalstab teilte auf Telegram mit, dass der Hafen Kavkaz in der russischen Region Krasnodar sowie ein Ölterminal in Kertsch in der Nacht getroffen worden seien. Zudem bestätigte er einen früheren Angriff auf die Ölraffinerie Tjumen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, landesweit seien in der Nacht 239 ukrainische Drohnen abgeschossen worden.
Benzin-Krise auf der Krim
In dem Ort Simferopol auf der Halbinsel Krim wird das Benzin knapp, da die Ukraine seit Wochen bis ins russische Kernland hinein Treibstofflager angreift. Der von Moskau eingesetzte Statthalter von Sewastopol, Michail Raswoschajew, informierte am Morgen bei Telegram, dass sich die Kraftstofflieferungen weiter verzögerten. Die für Sonntag geplante Zuteilung von Benzin für Autofahrer müsse abgesagt werden, teilte er mit. Tanken sei nur für die operativen Dienste möglich.
Ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur
Ukrainische Drohnen haben das Zentrum für Weltraumkommunikation in der Stadt Dubna 120 Kilometer nördlich von Moskau angegriffen. Den vom Generalstab in Kiew gemeldeten Angriff bestätigten später staatliche russische Stellen. „Die Funktionstüchtigkeit der TV-Ausstrahlung und des Nachrichtenverkehrs wurde nicht gestört“, teilte der Pressedienst des russischen Betreibers von Kommunikationssatelliten mit. Die Folgen des Angriffs würden beseitigt, Personal sei nicht zu Schaden gekommen, heißt es weiter in der Mitteilung. Die Ukraine machte keine Angaben zu den Folgen.
In der westrussischen Millionenstadt Woronesch ist offiziellen Angaben nach eine Fabrik bei einem Angriff mit Marschflugkörpern beschädigt worden. „Zum derzeitigen Moment ist bekannt, dass es drei Verletzte gibt, davon ist einer schwer verletzt“, schrieb Woroneschs Gouverneur Alexander Gussew bei Telegram. Seiner Darstellung nach hat die Flugabwehr mehrere „fliegende Hochgeschwindigkeitsziele“ über der Stadt entdeckt und vernichtet, zugleich räumte er aber auch Schäden in den Produktionshallen eines Unternehmens ein. Darüber hinaus seien die Fassaden mehrerer Wohnblocks und eine Reihe von Autos zu Schaden gekommen, schrieb er. Gussew gab keine Details zu dem Unternehmen bekannt. Medienberichten zufolge handelt es sich um eine Fabrik, in der Transistoren und andere Elektronikbauteile hergestellt werden. Diese sollen auch für den Bau von Marschflugkörpern genutzt worden sein, die Russland bei seinen Angriffen auf ukrainische Städte einsetzt.
Russische Bomber über Barentssee
Russische, mit Raketen bestückte Bomber vom Typ Tu-160 absolvieren nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau derzeit einen 16-stündigen Flug über der Barentssee und dem Europäischen Nordmeer. Der Routineflug in der neutralen Zone umfasse auch einen Test zur Luftbetankung, teilt das Ministerium auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Maschinen werden nach russischen Angaben von MiG-31-Kampfjets begleitet und zeitweise von ausländischen Kampfflugzeugen eskortiert. Um welche Länder es sich dabei handelt, wird nicht mitgeteilt. Im Norden grenzt Russland an die Nato-Mitglieder Norwegen und Finnland.
Drohne mit Sprengsatz in Estland entdeckt
Im Südosten Estlands ist eine abgestürzte Drohne gefunden worden, die mit rund fünf Kilogramm Sprengstoff beladen war. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden handelt es sich vermutlich um ein unbemanntes Flugobjekt, das Anfang Juni in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Die Drohne sei von einem Anwohner beim Mähen im hohen Gras auf einem Feld in der Gemeinde Rõuge entdeckt worden. Einige Trümmerteile seien auch in einem Baum gefunden worden, von dem sie vermutlich heruntergefallen seien, sagte der Leiter der estnischen Sicherheitspolizei, Harrys Puusepp, dem estnischen Rundfunk. Puusepp vermutete, dass die Drohne am 3. Juni während eines ukrainischen Angriffs auf Russland auf einem Feld abstürzte. Radargeräte der estnischen Luftwaffe hatten damals mehrere Flugobjekte erfasst, woraufhin Nato-Kampfjets aufgestiegen. Kurz darauf sei das Radarsignal der Drohne aber in der Nähe des Fundorts der Trümmerteile verschwunden. Nach Angaben von Puusepp wurde der Fund der Drohne bereits am 10. Juni gemeldet und der Flugkörper anschließend vor Ort von Ermittlern untersucht. Der Gefahrenbereich sei abgesperrt worden und Unbeteiligte nicht gefährdet gewesen. Wegen einer großangelegten Militärübung sei die Öffentlichkeit aber erst jetzt darüber informiert worden, sagte der Behördenleiter.
Russische Angriffe auf Ukraine
Durch russische Angriffe sind in der Ukraine mindestens fünf Menschen getötet worden. In der Gemeinde Snob-Nowhorodske im nordostukrainischen Gebiet Sumy habe ein Drohnenangriff das Haus einer kinderreichen Familie getroffen, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit. Ein 13-Jähriger, sein Vater und seine Großmutter seien ums Leben gekommen. Die Mutter und zwei Geschwister im Alter von 10 und 13 Jahren wurden den Angaben zufolge verletzt. Die Ortschaft liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. In Saporischschja im Südosten der Ukraine wurde eine Frau bei einem russischen Drohnenangriff getötet, wie Militärgouverneur Iwan Fedorow mitteilte. Drei weitere seien verletzt worden. Der Flugkörper schlug demnach in ein Haus in einem Wohngebiet ein und löste einen Brand aus.
In der Nacht zum Montag hat Russland die Stadt im Südosten der Ukraine mit Drohnen attackiert. Die Systeme vom Typ Schahed trafen laut örtlichen Angaben vor allem Ziele in Wohngebieten. Eine Frau und drei weitere Menschen wurden verletzt.
Selenskyj warnt vor massiven Angriffen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Landsleute vor neuen massiven Angriffen der russischen Streitkräfte gewarnt. Angesichts der bereits registrierten Angriffe auf die Städte Dnipro und Saporischschja bereite sich Russland auf neue Attacken in der Nacht vor, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. „Bitte passt gut auf euch auf.“



