US-Präsident Donald Trump hat auf dem Nato-Gipfel im türkischen Ankara mit scharfen Worten gegen das Verteidigungsbündnis gewettert. „Ich bin sehr verärgert über die Nato“, sagte er am Mittwoch vor Journalisten bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Als Begründung führte Trump an: „Ich bin nicht glücklich mit der Nato wegen dem, was sie mit Grönland gemacht haben.“ Zudem habe die Allianz Washington im Iran-Krieg nicht geholfen.
Trumps Kritik an Bündnispartnern
Bereits am Dienstag hatte Trump bei einem Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan seine Enttäuschung über das Verhalten der Verbündeten während des Iran-Kriegs bekräftigt. „Ich war sehr enttäuscht von der Nato“, sagte Trump. „Italien hat uns abgewiesen, Deutschland hat uns abgewiesen, Frankreich hat uns abgewiesen, und das ist in Ordnung. Aber wissen Sie, warum geben wir Hunderte Milliarden Dollar aus, und sie sind nicht für uns da? Wir waren immer für sie da.“
Die europäischen Staats- und Regierungschefs der Nato versuchten am Mittwoch, Trump von einem Verbleib im Bündnis zu überzeugen. Die Mitgliedstaaten hatten noch am Dienstag Rüstungsgeschäfte im Wert von mindestens 50 Milliarden Dollar angekündigt, um Trumps Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben nachzukommen. Auf der Tagesordnung stand zudem der Umgang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Trump droht Spanien und Iran
Am Mittwoch erklärte Trump die Absichtserklärung zur Beendigung des Konflikts mit dem Iran für hinfällig. Die Vereinbarung sei „vorbei“, sagte er und ergänzte, er wolle mit Teheran nicht verhandeln und nichts mehr zu tun haben. „Das sind kranke Leute.“ Wegen des Streits um Spaniens Engagement in der Nato drohte Trump zudem, den Handel mit dem EU-Land einzustellen. „Ich will nichts mit Spanien zu tun haben. Alle Handelsbeziehungen mit Spanien sollten abgebrochen werden“, sagte Trump. Der Beziehungsabbruch solle „sofort“ vollzogen werden, Spanien sei „ein schrecklicher Nato-Partner“.
Pompöser Empfang durch Erdoğan
Erdoğan bereitete Trump einen spektakulären Empfang. Nach der persönlichen Begrüßung am Flughafen gab es eine zweite, pompöse Begrüßung auf dem Gelände des Präsidentenpalastes. Trumps Limousine wurde von einer hellblau gekleideten Reiterstaffel eskortiert, angeführt von Reitern mit türkischer und US-Flagge. Die US-Nationalhymne ertönte, Kanonenschüsse fielen, eine Militärkapelle spielte, und Kampfjets der Kunstflugstaffel stießen rote, weiße und blaue Wolken aus – die Farben der amerikanischen Flagge. Laut türkischen Medien handelte es sich um F5-Jets. Für andere Gipfelteilnehmer war ein solcher Empfang nicht angekündigt.
Ukraine-Krieg und Ruttes Vermittlung
Ein Hauptthema des Gipfels war der Ukraine-Krieg. Trump äußerte die Ansicht, dass sowohl Russlands Präsident Wladimir Putin als auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Friedenslösung anstrebten: „Ich denke, sie beide wollen eine Abmachung treffen. Schade, dass es so lange gedauert hat, aber ich denke, es wird etwas dabei herauskommen.“
Nato-Generalsekretär Mark Rutte versuchte, die Wogen zu glätten. „Es gibt ein uneingeschränktes Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur Nato“, sagte er kurz vor einer Arbeitssitzung. Die USA hätten ein Interesse an der Nato, etwa um russische Atom-U-Boote vor ihren Küsten zu verhindern. Trumps Erwartung höherer Verteidigungsausgaben der Bündnispartner bezeichnete Rutte als „vollkommen fair“.
Laut CNN hatten Trumps Drohungen gegen Grönland, das zu Dänemark gehört, vor dem Gipfel für Spannungen gesorgt. Trump nahm eigenen Angaben zufolge nur widerwillig teil, weil Erdoğan der Gastgeber sei. Eine Quelle sagte CNN, Trump sei vermittelt worden, dass ein Fernbleiben respektlos gegenüber Erdoğan sei. Die ehemalige Nato-Sprecherin Oana Lungescu meinte, „keine Wutausbrüche von Präsident Trump“ seien bereits ein positiver Indikator, ebenso wie „eine Bekräftigung der Einheit des Bündnisses“. Sie erwarte ein kurzes Abschlussdokument.
Trump wurde von Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Finanzminister Scott Bessent begleitet.



