Trump-Deal mit Iran: Sieben Punkte zeigen Stärkung Teherans
Trump-Deal mit Iran: Sieben Punkte zeigen Stärkung Teherans

Trump-Deal mit Iran: Teheran fühlt sich als Sieger

Die in der Nacht zum Donnerstag von US-Präsident Donald Trump und seinem iranischen Amtskollegen Massud Peseschkian unterzeichnete Absichtserklärung wird in Teheran als großer Sieg gefeiert. Kurz nach Kriegsbeginn hatte Trump noch gefordert, Iran müsse „bedingungslos kapitulieren“. Vorbei. Die massiven amerikanisch-israelischen Luftangriffe haben das Regime ebenso wenig gebrochen wie die Tötung des Obersten Führers sowie Spitzen aus Militär und Politik. Iran übte vielmehr Vergeltung, indem es die Golfstaaten mit Drohnen- und Raketenangriffen überzog. Die Revolutionsgarden schlossen die für den Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln wichtige Straße von Hormus und nahmen die Weltwirtschaft in den Schwitzkasten.

Die sieben Punkte im Überblick

1. Atomprogramm: Zugeständnisse an Iran

Die zu Beginn des Krieges erhobene Maximalforderung, dass Iran sämtliche Atomanlagen abbauen müsse, bekam Trump nicht durch. Laut dem von der US-Regierung veröffentlichten Text verpflichtet sich die Islamische Republik, „Atomwaffen weder zu beschaffen noch zu entwickeln“ – ein Versprechen, das Teheran bereits beim Nuklearabkommen von 2015 abgegeben hatte. Die Frage der Urananreicherung soll nach den „nuklearen Bedürfnissen Irans“ in einer endgültigen Übereinkunft geregelt werden. Damit hätte das Regime sein Nuklearprogramm für zivile Nutzung wie Kernenergie gerettet. Der Bestand an hochangereichertem Uran soll „vor Ort unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)“ verdünnt werden. Trump hatte anfangs darauf gepocht, dass das Material in die USA transportiert wird.

2. Aufhebung der Seeblockade und Sanktionen

Mit der von Trump angekündigten Aufhebung der US-Seeblockade kann Iran sofort wieder Öl exportieren und die abgebrannte Staatskasse auffüllen. Die USA verpflichten sich zudem, „alle Arten von Sanktionen“, die derzeit gegen Iran bestehen, aufzuheben. Weiterer Geldsegen für Teheran: Washington sagt zu, während der Gespräche über eine endgültige Vereinbarung „eingefrorene oder beschränkte Vermögenswerte“ Irans freizugeben. Die in ausländischen Banken blockierten Gelder Irans werden auf mehr als 100 Milliarden Dollar geschätzt.

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3. Wirtschaftlicher Wiederaufbau in Milliardenhöhe

Laut der Absichtserklärung arbeiten die USA und ihre „regionalen Partner“ an einem Plan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Irans. Das Volumen soll mindestens 300 Milliarden Dollar umfassen. Die opulente Finanzspritze dürfte in den sunnitischen Golfstaaten alte Ängste vor dem Hegemonialstreben des schiitischen Nachbarlandes befeuern.

4. Libanon wird einbezogen

Israels Premier Benjamin Netanjahu hatte sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass Libanon in die Übereinkunft zwischen den USA und Iran einbezogen wird. In der Absichtserklärung ist ein „sofortiges und dauerhaftes Ende der Militäraktionen an allen Fronten – einschließlich Libanon“ festgelegt. Teheran verlangt, dass ein endgültiges Abkommen den Abzug der israelischen Armee aus dem besetzten Teil im Süden des Libanon regelt. Jerusalem pocht hingegen auf Sicherheitszonen, um den Norden Israels vor Attacken der Hisbollah zu schützen.

5. Keine Begrenzung des Raketenarsenals

Obergrenzen für den iranischen Raketenbestand waren eines der wesentlichen Kriegsziele Trumps und Netanjahus. Davon ist in der Absichtserklärung nicht mehr die Rede. Trump hat zwei Prioritäten: die Öffnung der Straße von Hormus und eine Begrenzung des iranischen Atomprogramms, das er zu Hause als Erfolg verkaufen kann.

6. Kein Stopp der Unterstützung für Verbündete

Vom Stopp der Unterstützung für Irans Verbündete ist nicht mehr die Rede. Weiteres ursprüngliches Kriegsziel: Iran sollte daran gehindert werden, den Milizen der Hisbollah, Hamas und Houthis Rückendeckung zu geben. Auch diese Forderung findet sich in der Absichtserklärung nicht mehr. Sollte Trump in einem endgültigen Vertrag darauf bestehen, wird Teheran einen hohen Gegenpreis verlangen.

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7. Straße von Hormus bleibt Machthebel

In der Absichtserklärung hat sich Teheran zwar darauf festgelegt, dass die Straße von Hormus 60 Tage lang kostenfrei befahrbar sein soll. Gleichzeitig ist vorgesehen, dass Iran im Dialog mit Oman die „künftige Verwaltung“ der Meerenge sowie „maritime Dienstleistungen“ festlegt. Das klingt nach einer Gebühr für Handelsschiffe, zum Beispiel für Navigations-Service. US-Geheimdienste gehen laut einem Bericht des Senders CNN davon aus, dass Iran künftig jederzeit die wichtige Schifffahrtsroute blockieren könnte.

Neue iranische Führung radikaler

Die neue iranische Machtelite ist radikaler und risikobereiter als die in der Ära des getöteten Obersten Führers Ali Chamenei. Dieser war zwar einerseits ein ideologischer Hardliner mit Blick auf den „großen Satan USA“ und das „zionistische Gebilde Israel“. Andererseits hatte seine Politik durchaus pragmatische Züge. So gab er unter dem Motto der „heroischen Flexibilität“ grünes Licht für das Atomabkommen von 2015, das eine drastische Einschränkung der nuklearen Kapazitäten Irans vorsah. Nach dem Zwölftage-Krieg im Juni 2025 wurde in Teheran die Option diskutiert, als Vergeltung die Straße von Hormus zu schließen. Ali Chamenei schmetterte den Vorschlag ab, weil er einen großen Krieg mit den USA und Israel vermeiden wollte. Diese Scheu gibt es an der derzeitigen Spitze des Regimes nicht mehr. Den Kurs bestimmen die Generäle der Revolutionsgarden. Ali Chameneis Sohn Modschtaba, der seinem Vater als Oberster Führer nachfolgte, ist schwer verletzt und vertraut auf deren Vorgaben. Iran ist heute mehr eine Militärjunta als ein Mullah-Regime.

Ausblick: Netanjahu unter Druck

Wenige Monate vor den Parlamentswahlen im Herbst liegt Netanjahu in den Meinungsumfragen zurück. Er könnte versuchen, politisch zu punkten, indem er die amerikanisch-iranischen Verhandlungen sabotiert. Zum Beispiel durch harsche Attacken gegen die Hisbollah, was die Gefahr iranischer Vergeltungsaktionen nach sich zöge.