Waffenstillstand am Scheideweg
Der vor zwei Wochen in der Schweiz ausgehandelte Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran steht bereits auf der Kippe. Seit vier Tagen flammt die militärische Auseinandersetzung wieder auf, begleitet von drastischen Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber Teheran. Grund für das Scheitern ist nach Ansicht von Beobachtern die vage Formulierung in den 14 Paragrafen des Abkommens, die dem Iran zu viel Interpretationsspielraum lässt.
Straße von Hormus als Zankapfel
Im Zentrum des Konflikts steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Seewege für den globalen Öltransport. Im Memorandum heißt es, dass Teheran „mit größtmöglichem Einsatz Vorkehrungen für die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen treffen wird“. Der Iran interpretiert dies als Kontrollrecht: Welche Route Öltanker nehmen müssen, bestimmen die Revolutionsgarden. Dahinter steckt ein langfristiges Gebührenmodell, mit dem der Iran seinen geopolitischen Einfluss auf die Ölmärkte sichern will.
Trump in der Zwickmühle
US-Präsident Trump kann diese Entwicklung aus machtpolitischen Gründen nicht akzeptieren, sitzt aber in einer Zwickmühle. Eine Rückkehr zu großflächigen Bombardements ist ausgeschlossen, da die iranische Vergeltung verheerend wäre und der US-Kongress rebellieren würde. Gleichzeitig reicht bereits ein einziger beschädigter Tanker, ein Drohnenschwarm oder ein Minenverdacht aus, um Märkte, Versicherer und Golfstaaten in Aufruhr zu versetzen.
Ausweg nur auf dem Verhandlungsweg
Trump kann die Eskalation nur durch Verhandlungen eindämmen. Dazu muss er Zugeständnisse machen, etwa die Einrichtung einer direkten „Hotline“ zwischen Pentagon und Revolutionsgarden. Dies wäre ein erster Schritt, um eine weitere militärische Eskalation zu verhindern. Der Kommentar von Dirk Hautkapp, Korrespondent in Washington, zeigt: Der Iran hält den Hebel in der Hand, und Trump muss liefern.



