Trump droht Spanien mit Handelsabbruch – Sánchez bleibt gelassen
Trump droht Spanien mit Handelsabbruch – Sánchez gelassen

US-Präsident Donald Trump hat beim Nato-Gipfel in Ankara eine Schimpftirade gegen Spanien losgelassen und angekündigt, sämtliche Handelsbeziehungen mit dem EU-Land abzubrechen. Spanien sei ein „schrecklicher Partner“ und ein „verlorener Fall“, wetterte Trump vor Journalisten. Er habe Finanzminister Scott Bessent angewiesen, den Handel mit Spanien sofort einzustellen. „Ich will nichts mit Spanien zu tun haben“, erklärte der US-Präsident. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez zeigte sich hingegen betont gelassen. „Mit Ruhe und Geduld“ nehme er Trumps Worte hin, sagte der Sozialist vor Journalisten.

Trumps Begründung: Spanien verweigert Nato-Ziele und Iran-Kriegsunterstützung

Trump begründete seinen Zornausbruch mit zwei Vorwürfen: Spanien lehne das Nato-Ziel von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben ab und habe den USA Stützpunkte für einen möglichen Iran-Krieg verweigert. „Sie beteiligen sich nicht, sie zahlen nicht“, schimpfte Trump. In typischer Manier machte er Spanien lächerlich, indem er mit spitzem Mund eine Bittstellerszene nachspielte: „Mal sehen, wie feindselig sie noch sind, wenn sie kommen und sagen: ‚Bitte, bitte, wir wollen mit Ihnen Handel treiben, Sir.‘“ Dabei übersah er, dass die USA mehr nach Spanien exportieren als umgekehrt: Laut offiziellen Zahlen von 2025 lag der gesamte Warenhandel bei rund 42 Milliarden Euro, wobei US-Exporte nach Spanien etwa 23 Milliarden Euro und spanische Exporte in die USA rund 19 Milliarden Euro betrugen.

Sánchez: Freundliches Gespräch vor dem Gruppenfoto

Sánchez berichtete, er habe vor dem Gruppenfoto mit Trump ganz locker und freundlich über Fußball und die Weltmeisterschaft geplaudert. „Im Gegenteil, es gab nur freundliche Worte und Höflichkeit“, sagte der Spanier. Er betonte, dass Spanien seine Zusagen gegenüber der Nato erfülle. „Wir haben uns klar zu den Bündniszielen bekannt und investieren kontinuierlich in unsere Verteidigungsfähigkeit“, so Sánchez. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die diplomatischen Kanäle offen blieben.

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Rechtliche Hürden für einen Handelsstopp

Juristisch hat der US-Präsident zwar die Macht, Importe oder Exporte zu verbieten, müsste sich aber auf ein bestehendes Gesetz wie ein Notstands- oder Sanktionsrecht stützen, bei dem Spanien als besondere Bedrohung für die USA eingestuft werden müsste. Dies wäre rechtlich anfechtbar; die Trump-Regierung müsste mit diversen Klagen rechnen. Da Spanien Mitglied der EU ist, gestaltet sich ein bilateraler Handelsstopp zudem komplizierter. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, er habe Trump unter vier Augen mitgeteilt, dass Spanien nicht von dem zwischen Brüssel und Washington erzielten Handelsabkommen ausgeschlossen werden dürfe. „Spanien ist Mitglied der Europäischen Union, und wir verhandeln Zölle mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht“, sagte Merz. „Es gibt keine Möglichkeit, Spanien besonders schlecht zu behandeln.“

EU-Kommission stellt sich hinter Spanien

Die EU-Kommission stellte sich umgehend hinter Spanien. Kommissionssprecher Olof Gill verwies auf bestehende Handelsverträge und sagte: „Wir erwarten, dass die USA ihre Verpflichtungen aus dieser gemeinsamen Erklärung einhalten, so wie wir unsere eingehalten haben.“ Die Kommission werde stets sicherstellen, dass die Interessen der EU und aller Mitgliedstaaten vollständig geschützt seien. Man setze sich weiterhin für einen stabilen, berechenbaren und für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen Handel ein. Die spanische Regierung gab bekannt, man verfüge über die nötigen Mittel, um die möglichen Auswirkungen eines Handelsembargos abzufedern und betroffene Branchen zu unterstützen. Zugleich werde man sich weiterhin für freien Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Partnern einsetzen.

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