Trump unterzeichnet Iran-Abkommen in Versailles – geplante Zeremonie in der Schweiz abgesagt
Washington/Luzern. Mit der prunkvollen Unterzeichnung des Rahmenabkommens im Schloss von Versailles ist US-Präsident Donald Trump seinem Vize JD Vance zuvorgekommen. Die für Freitag im Schweizer Bürgenstock-Ressort geplante Zeremonie wurde dadurch gegenstandslos.
Zwei Wochen lang hatten die Schweizer Gastgeber auf ihrem diplomatischen „Zauberberg“ alles für den großen historischen USA-Iran-Tag vorbereitet. Doch dann entschied Trump, die Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges bei einem Abendessen mit Emmanuel Macron in Versailles zu unterzeichnen – jenem Ort, an dem Deutschland 1919 den Versailler Vertrag unterschreiben musste, eine Demütigung, aus deren Mythos Hitler später politisches Kapital schlug.
Da parallel auch Irans Präsident Massud Peseschkian paraphiert hatte, wurde die für Freitag geplante Zeremonie im noblen Bürgenstock-Ressort am Vierwaldstättersee hinfällig. Stattdessen sollen dort weniger hochrangige Vertreter der USA, des Iran und der Vermittler aus Pakistan und Katar zusammenkommen, um über die Umsetzung des 14-Punkte-Plans zu beraten. Der Plan begünstigt den Iran stark und wird als Eingeständnis des Scheiterns von Trumps bisheriger Politik gewertet.
Warum Trump die Show stahl
Offiziell wird die überraschende Unterzeichnung damit begründet, dass die Straße von Hormus so schnell wie möglich wieder geöffnet werden sollte. Trump steht unter Druck, die Märkte und Ölpreise zu beruhigen. Daher habe er den Deal nicht bis Freitag in der Schwebe lassen wollen.
Inoffiziell wird spekuliert, dass Trump seinem Vize Vance die Show stehlen wollte. In Versailles bot sich die Bühne: Macron, Kameras, historisch-goldenes Dekor. Vance hatte bereits den Koffer für die Reise in die Schweiz gepackt.
Unsicherheit um Bürgenstock-Treffen
Was dies für das Bürgenstock-Ressort bedeutet, wo normale Gäste und sogar eine Hochzeitsgesellschaft vorbeugend ausquartiert wurden, ist ungewiss. Das Schweizer Außenministerium geht aber definitiv davon aus, dass USA-Iran-Gespräche dort stattfinden. Der Kanton Nidwalden hat die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Areal bisher nicht gelockert.
Ob JD Vance und sein iranischer Counterpart, Parlamentschef Mohammad Bagher Ghalibaf, persönlich aufeinandertreffen oder Untergebene schicken, bleibt unklar. Die Wahrscheinlichkeit eines direkten Treffens wird als eher gering eingeschätzt.
Iranische Vorbehalte gegen gemeinsame Fotos
Ein winziges Detail könnte eine Rolle spielen: Die iranische Delegation soll im Vorfeld offiziell ein Foto mit Vance verweigert haben. Bestätigt ist dies nicht. Belegt ist jedoch, dass die konservative Zeitung „Khorasan“, die Ghalibaf nahesteht, davor gewarnt hat, bei der geplanten Unterzeichnung in der Schweiz ein gemeinsames Foto oder einen Handschlag mit US-Vertretern zuzulassen. Washington suche genau ein solches Bild, um es propagandistisch zu nutzen.



