US-Finanzminister Scott Bessent soll sich im Vorfeld des diplomatischen Eklats im Weißen Haus im Februar 2025 vehement gegen ein Treffen von Präsident Donald Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ausgesprochen haben. Dabei soll er Selenskyj als „kleinen Scheißer“ und „Mr. Bean auf Crack“ beleidigt haben. Das berichtet der britische „Guardian“ unter Berufung auf das neue Buch „Regime Change“ der „New York Times“-Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan.
Bessent: „Ich habe mit diesem kleinen Scheißer zu tun gehabt“
Das Buch, das am Dienstag erschienen ist, enthüllt demnach, dass Bessent vor Kollegen gesagt haben soll: „Ich habe mit diesem kleinen Scheißer zu tun gehabt.“ Weiter habe er Selenskyj als „schwierigen Fall“ bezeichnet und ergänzt: „Für die Europäer ist er das Kind mit besonderen Bedürfnissen. Und er benimmt sich wie Mr. Bean auf Crack.“ Mr. Bean ist eine bekannte britische Comedy-Figur, die für ihre Tollpatschigkeit berühmt ist.
Hintergrund der harschen Worte soll ein Streit um die Unterzeichnung eines Rohstoffabkommens zwischen den USA und der Ukraine gewesen sein. Bessent habe die Position vertreten, dass Selenskyj erst dann ins Weiße Haus eingeladen werden dürfe, wenn er den Vertrag unterschrieben habe. Der Finanzminister soll bei einem Besuch in Kyjiw persönlich versucht haben, Selenskyj zur Unterschrift zu bewegen – dabei sei es zu einem 45-minütigen Schlagabtausch gekommen, bei dem sich die beiden Männer gegenseitig beschimpft hätten.
Eskalation vor laufenden Kameras
Der Eklat im Oval Office am 28. Februar 2025 war der Höhepunkt der Spannungen. Vor laufenden Kameras war es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Selenskyj, Trump und Vizepräsident JD Vance gekommen. Vance hatte einen Monolog über Diplomatie gehalten, woraufhin Selenskyj die Wirksamkeit bisheriger diplomatischer Bemühungen in Frage stellte. Trump und Vance warfen Selenskyj daraufhin mangelnde Dankbarkeit vor. Das Treffen endete vorzeitig, die geplante Pressekonferenz wurde abgesagt.
Das inzwischen unterzeichnete Rohstoffabkommen gewährt den USA einen privilegierten Zugang zu ukrainischen Bodenschätzen, darunter strategisch wichtige Seltene Erden. Die Ukraine hatte sich davon Sicherheitsgarantien erhofft, die jedoch nicht gewährt wurden. Nach dem Eklat war das Verhältnis zwischen Washington und Kyjiw von massivem Druck geprägt. Die diplomatischen Bemühungen der Trump-Regierung haben bisher zu keinem längeren Waffenstillstand geführt.
Buch enthüllt interne Konflikte
Die Enthüllungen in „Regime Change“ werfen ein neues Licht auf die Vorgeschichte des historischen diplomatischen Bruchs. Die Autoren Haberman und Swan, beide renommierte Journalisten der „New York Times“, stützen sich auf Interviews mit mehreren Beteiligten. Das Weiße Haus hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.
Der Vorfall zeigt die tiefen Gräben zwischen der Trump-Administration und der ukrainischen Führung, die letztlich zu einem der größten diplomatischen Eklats der jüngeren Geschichte führten. Die Beleidigungen Bessents gegenüber Selenskyj sind ein weiteres Indiz für das angespannte Verhältnis, das bereits vor dem öffentlichen Zusammenstoß bestand.



