Washington – Die US-Streitkräfte haben nach Angaben von Präsident Donald Trump den mutmaßlichen Anführer des venezolanischen Terror- und Verbrechernetzwerks Tren de Aragua getötet. Ziel des Angriffs war Héctor Rusthenford Guerrero Flores, bekannt unter dem Decknamen „Niño Guerrero“. Trump erklärte am späten Freitagabend auf seinem Portal Truth Social, das US-Südkommando habe auf seinen Befehl einen „schnellen und tödlichen kinetischen Schlag“ ausgeführt und Guerrero „erfolgreich ausgeschaltet“. Zur Untermauerung veröffentlichte er ein Militärvideo, das die Explosion eines Hauses zeigt. Der Präsident bezeichnete Tren de Aragua als „eine der blutrünstigsten Terrororganisationen des Planeten“.
Unklare Umstände des Angriffs
Wann genau der Angriff stattfand, ließ Trump offen. Auch zum Ort machte er keine Angaben. Nach Berichten aus Caracas soll die Operation in Venezuela erfolgt sein. US-Medien hatten zunächst keine Details parat. Das venezolanische Kommunikationsministerium reagierte zunächst nicht offiziell. Die spanische Zeitung El País berichtete dagegen unter Berufung auf offizielle Quellen in Caracas, Guerrero sei in Venezuela getötet worden. Trump behauptete, die Aktion sei „eng mit unseren Freunden in Venezuela“ koordiniert worden. Dies wäre politisch bemerkenswert, da Washington seine Anti-Kartelle-Politik monatelang mit dem Vorwurf begründet hatte, Tren de Aragua habe unter Kontrolle oder zumindest unter dem Schutz des Maduro-Regimes agiert. Eine freigegebene US-Geheimdienstbewertung widersprach dieser Darstellung teilweise.
Hintergrund: Tren de Aragua
Guerrero Flores galt seit Jahren als zentrale Figur bei Tren de Aragua, einer Gang, die ihren Ursprung im berüchtigten Gefängnis Tocorón im venezolanischen Bundesstaat Aragua hat und sich mit der Massenflucht aus Venezuela in mehrere Länder Lateinamerikas und bis in die USA ausbreitete. US-Behörden werfen der Gruppe Erpressung, Menschenhandel, Drogenhandel, Geldwäsche, Gewaltverbrechen und organisierte Kriminalität vor. Gegen Guerrero lief in New York ein Verfahren wegen organisierter Kriminalität und Terrorismus-Vorwürfen. Das US-Außenministerium hatte bis zu fünf Millionen Dollar Belohnung für Hinweise zu seiner Festnahme ausgesetzt.
Politische Einordnung
Warum schlug das Militär zu? Die Trump-Regierung behandelt Tren de Aragua nicht nur als kriminelle Organisation, sondern als ausländische Terrororganisation. Diese Einstufung ist Grundlage einer deutlich militarisierten Strategie gegen Kartelle und sogenannte „Narcoterroristen“. Seit September 2025 ließ Trump wiederholt kleine Boote im Karibischen Meer und im östlichen Pazifik angreifen, die seine Regierung Drogenhändlern zurechnete. Dabei wurden bisher über 200 Menschen getötet. Kritiker sehen darin eine gefährliche Ausweitung präsidialer Tötungsbefugnisse ohne klare Kriegserklärung und ohne transparente Beweisführung. Trump verband die Mitteilung am Freitagabend sofort mit seiner innenpolitischen Kernbotschaft. Tren de Aragua habe unter Joe Biden Amerikaner „vergewaltigt, verstümmelt und ermordet“, schrieb er sinngemäß. Unter seiner Führung würden diese „Mörder und Drogenbosse“ überall gefunden und „in die Tiefen der Hölle“ geschickt.
Offene Fragen
Nach der Festnahme und Auslieferung Nicolás Maduros an die USA im Januar wird Venezuela inzwischen von Delcy Rodríguez geführt. Trump stellte die Zusammenarbeit nun als Beleg dar, dass die Bande keine Rückzugsräume mehr habe. Offen bleiben jedoch zentrale Fragen: Wer bestätigte die Identität des Getöteten? Welche Einheiten führten den Angriff aus? Gab es Festnahmeversuche? Auf welcher Rechtsgrundlage operierten US-Truppen in Venezuela? Und welche Rolle spielte die Regierung in Caracas tatsächlich?



