Ein US-Soldat, der sich in Großbritannien wiederholt exhibitionistisch entblößt haben soll, ist einer Strafverfolgung durch die britische Justiz entgangen. Wie der Guardian berichtet, handelt es sich dabei um keinen Einzelfall. Der Fall des Soldaten Hannes Marschalek, der auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Lakenheath stationiert war, steht exemplarisch für eine Reihe von Vergehen durch US-Militärangehörige in Großbritannien, bei denen die Täter nicht vor britische Gerichte gestellt wurden.
Exhibitionistische Handlungen auf britischem Boden
Laut Guardian hatte die örtliche Polizei 2022 mehrere Beschwerden erhalten, dass Marschalek sich unsittlich entblößt habe. Ein mutmaßliches Opfer gab an, Marschalek habe in der Tür gestanden und sein Geschlechtsteil entblößt, während er ein Mobiltelefon in der Hand hielt. Eine andere Frau berichtete, er habe nackt in der Tür gestanden und die Hand oben auf den Türrahmen gelegt. Insgesamt sollen vier junge Frauen und ein 16-jähriges Mädchen betroffen gewesen sein. Die britische Polizei leitete Ermittlungen ein, nahm Marschalek fest und vernahm ihn. Allerdings wurde der Fall drei Wochen später an das US-Militär übergeben, obwohl die mutmaßliche Straftat auf britischem Boden stattgefunden hatte und Marschalek zum Tatzeitpunkt nicht im Dienst war.
Militärgericht mit Deal
2023 wurde Marschalek wegen zweier Fälle von unzüchtigem Verhalten vor ein US-Militärgericht gestellt. Er und die Militärstaatsanwaltschaft einigten sich auf eine Vereinbarung, in deren Rahmen eine Anklage fallen gelassen wurde. Der Guardian zitiert aus den Unterlagen des Militärgerichts eine Textnachricht von Marschalek an zwei Freunde: „Ich habe gerade definitiv ein paar Damen, die vom Zug kamen, mein Ding gezeigt. LOL.“ Zudem zitiert die Zeitung eine Aussage Marschaleks vor Gericht: „Ich verstehe und glaube, dass mein Verhalten, insbesondere das Öffnen der Tür, um nackt gesehen zu werden, was mich sexuell erregte, von anderen als vulgär, obszön und abstoßend empfunden worden sein könnte.“ Marschalek soll inzwischen in die USA zurückgekehrt sein, wo er aufgrund seines unzüchtigen Verhaltens in Großbritannien weiterhin im Sexualstraftäterregister geführt werde. Laut Guardian hätte ihm eine Haftstrafe gedroht, wäre sein Fall vor einem britischen Gericht verhandelt worden.
Fall des Kampfpiloten Jacob Wulfson
Bereits im Sommer hatte in Großbritannien der Fall des US-Kampfpiloten Jacob Wulfson für Empörung gesorgt. Wulfson, ebenfalls in Lakenheath stationiert, wurde schuldig gesprochen, 2023 eine Britin in seiner Wohnung gewürgt zu haben. Das Opfer, eine auf sexuelle Übergriffe spezialisierte Juristin, wirft Wulfson zudem vor, sie unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben. Direkt am Morgen nach dem Übergriff ging die Frau ins Krankenhaus und wandte sich an die Behörden. Im Guardian berichtete sie ausführlich darüber, wie erniedrigend sie die Verhandlung des Falls vor einem US-Militärtribunal empfunden habe. Sie musste vor einer Gruppe Geschworenen aussagen, die ausschließlich aus männlichen US-Militärs bestand, die genau wie Wulfson in Lakenheath stationiert waren. Auch Wulfson war nicht im Dienst und beging seine Tat auf britischem Boden. Dennoch wurde der Fall von einem US-Gericht verhandelt.
Britische Regierung: „Sehr besorgniserregend“
Der Fall Wulfson wurde von der britischen Regierung kommentiert. Der britische Vize-Premierminister David Lammy bezeichnete den Fall als „sehr besorgniserregend“ und erklärte vor dem Parlament, er erwarte von der US-Regierung eine umfassende Darstellung der Geschehnisse. Die Berichte des Guardian werfen Fragen zum Status von US-Soldaten in Großbritannien auf, die aufgrund bilateraler Abkommen oft der britischen Strafverfolgung entzogen sind.



