Regierung militarisiert Katastrophengebiet
Venezuela steht nach den verheerenden Erdbeben vor entscheidenden Stunden bei der Suche nach Überlebenden. Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez erklärte mit Blick auf den dritten Tag der Sucharbeiten: „Es sind kritische Stunden für die Rettung von Leben.“ Nach offiziellen Angaben sind mindestens 920 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 3000 wurden verletzt. Die Regierung hat den besonders stark betroffenen Bundesstaat La Guaira unter Militärkontrolle gestellt und die Zufahrtsstraßen gesperrt, um die Rettungsarbeiten zu erleichtern und unnötige Reisen zu verhindern. Freiwillige Helfer müssen sich vorab registrieren.
Proteste beim Besuch der Interimspräsidentin
Interimspräsidentin Rodríguez wurde bei einem Besuch in einem Erdbebengebiet in Caracas ausgebuht. Anwohner und Angehörige von Verschütteten riefen „Raus, raus“ und warfen ihr vor, aus der Katastrophe politisches Kapital schlagen zu wollen. „Es reicht jetzt, inmitten einer Tragödie wie der, die wir gerade erleben, Wahlkampf zu machen“, riefen Demonstranten. Sie kritisierten die Regierung, „nichts für das Volk“ zu tun. Rodríguez besuchte ein wohlhabendes Viertel der Hauptstadt, in dem ein Gebäude eingestürzt war.
Schäden und internationale Hilfe
Mehr als 380 Wohnhäuser sowie 13 Krankenhäuser wurden durch die Beben der Stärke 7,2 und 7,5 am Mittwoch zerstört oder schwer beschädigt, teilte Rodríguez mit. Insgesamt sind mehr als 1400 Gebäude und Einrichtungen betroffen. Rettungsteams aus verschiedenen Ländern kämpfen gegen die Zeit, da die Überlebenschancen nach 72 Stunden stark sinken. Der 70-jährige Juan Salabé aus Caracas berichtete: „Gott sei Dank sind wir am Leben. Ein Stück Ziegelstein fiel auf meine Tochter, und sie stürzte die Treppe hinunter. Wir schafften es, hinauszulaufen, während die Trümmer herabfielen. Es war schrecklich.“
Nachbeben und Vermisste
Mehr als 300 Nachbeben wurden registriert, darunter am Freitag ein Beben der Stärke 4,7 vor der Karibikküste. Auf einem inoffiziellen Internetportal gelten rund 50.000 Menschen als vermisst, die Angaben sind jedoch nicht unabhängig überprüfbar.
Telefonat mit Trump
Rodríguez telefonierte mit US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio, die Unterstützung zusagten. Sie schrieb auf X: „Sie bekräftigten ihre Bereitschaft, die Hilfsmaßnahmen durch die Entsendung von Rettungskräften, Spezialausrüstung, Unterstützung für Notunterkünfte und humanitäre Hilfe zu begleiten. Wir sind zutiefst dankbar für diese Geste der Freundschaft und Zusammenarbeit.“



