Die Rentenkommission und Bundeskanzler Friedrich Merz treiben eine grundlegende Reform des Rentensystems voran. Arbeitnehmer, Rentner und Betriebe müssen sich auf erhebliche Veränderungen einstellen. BILD hat die acht unbequemsten Fragen zu den Plänen zusammengestellt und zeigt, was konkret auf die Bürger zukommt.
Minijobs vor dem Aus?
Ein zentraler Punkt der Reform ist die mögliche Abschaffung der Minijobs. Bislang sind geringfügige Beschäftigungen bis 520 Euro monatlich sozialabgabenfrei. Die Kommission erwägt, diese Grenze zu streichen oder deutlich zu senken. Arbeitgeber müssten dann für Minijobber volle Sozialabgaben zahlen, was viele Stellen unwirtschaftlich machen könnte. Besonders betroffen wären Branchen wie Gastronomie, Reinigung und Einzelhandel, die stark auf Minijobber angewiesen sind.
Höhere Abgaben für die Kapitalrente
Die geplante Kapitalrente, auch als „Aktienrente“ bekannt, soll die gesetzliche Rente ergänzen. Allerdings sollen die Beiträge dafür steuerlich anders behandelt werden. Statt wie bisher steuerfrei einzuzahlen, wird eine nachgelagerte Besteuerung diskutiert. Das bedeutet: Arbeitnehmer zahlen zunächst aus versteuertem Einkommen ein und müssen die Auszahlungen später erneut versteuern. Kritiker sprechen von einer Doppelbelastung. Laut Berechnungen des Finanzministeriums könnte ein Durchschnittsverdiener bei einer Einzahlung von 100 Euro monatlich über 40 Jahre hinweg rund 12.000 Euro mehr an Steuern zahlen als nach altem Modell.
Einschnitte bei der Rente mit 63
Die Rente mit 63, die für besonders langjährig Versicherte den abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren ermöglicht, steht auf dem Prüfstand. Die Kommission schlägt vor, die Altersgrenze schrittweise anzuheben. Wer nach 45 Jahren in Rente gehen will, müsste dann bis 65 oder sogar 67 arbeiten. Alternativ sind Abschläge von bis zu 0,5 Prozent pro Monat des vorzeitigen Rentenbeginns im Gespräch. Das würde die monatliche Rente für Frührentner deutlich schmälern. „Die Rente mit 63 ist in ihrer jetzigen Form nicht mehr finanzierbar“, sagte ein Sprecher der Rentenkommission der BILD.
Was bedeutet das für Arbeitnehmer?
Arbeitnehmer müssen mit höheren Abgaben rechnen. Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung könnten bis 2035 von derzeit 18,6 Prozent auf über 22 Prozent steigen. Hinzu kommen die höheren Steuern auf die Kapitalrente. Für einen Durchschnittsverdiener mit 45.000 Euro Jahresbrutto bedeutet das eine zusätzliche monatliche Belastung von rund 80 Euro. „Die Reform wird den Geldbeutel der Arbeitnehmer stark treffen“, warnt Ökonom Prof. Dr. Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft.
Auswirkungen auf Rentner
Rentner müssen sich auf eine geringere Dynamik der Rentenanpassungen einstellen. Die Rentenkommission plant, die jährliche Erhöhung an die Lohnentwicklung zu koppeln, aber mit einem Abschlag von 0,2 Prozentpunkten. Dadurch würde die Rente langsamer steigen als die Löhne. Ein Rentner mit einer monatlichen Rente von 1.200 Euro hätte nach zehn Jahren rund 30 Euro weniger im Monat als nach heutigem Recht.
Betriebe unter Druck
Für Betriebe steigen die Lohnnebenkosten. Die höheren Rentenbeiträge und die mögliche Abschaffung der Minijobs belasten vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Der Arbeitgeberverband BDA warnt vor einem Verlust von Arbeitsplätzen. „Die Pläne der Kommission sind ein Angriff auf den Arbeitsmarkt“, sagte BDA-Präsident Rainer Dulger. Besonders in der Gastronomie und im Handwerk könnten viele Stellen wegfallen.
Kritik an der Reform
Die Reformpläne stoßen auf breite Kritik. Die Opposition spricht von einer „Rentenlüge“ und fordert eine andere Finanzierung. Die Gewerkschaften kritisieren die Belastung der Arbeitnehmer und fordern eine stärkere Besteuerung von Kapitaleinkünften. „Die Regierung saniert die Rentenkasse auf dem Rücken der Beschäftigten“, sagte Verdi-Chef Frank Werneke. Auch innerhalb der Koalition gibt es Widerstand. Die SPD droht mit Blockade, falls die Rente mit 63 angetastet wird.
Fazit: Was bleibt?
Die Rentenreform von Kanzler Merz ist ein großer Wurf, aber mit erheblichen Zumutungen verbunden. Arbeitnehmer müssen mit höheren Abgaben rechnen, Rentner mit geringeren Steigerungen, und Betriebe mit steigenden Kosten. Ob die Pläne in dieser Form umgesetzt werden, ist noch offen. Die Diskussionen in der Koalition und im Bundestag werden zeigen, ob die Reform am Ende abgeschwächt wird. Fest steht: Das Rentensystem steht vor einem grundlegenden Umbau, der alle Bürger betreffen wird.



