Heute morgen war ich am Strand in Warnemünde. Alles ganz normal. Schiffe, Surfer. Auch ein paar Spaziergänger waren zu sehen. Wale keine. Irgendwie beruhigend.
„Timmy“ hat alle beschäftigt
„Timmy“ alias „Hope“ hat sein Ende in der Nordsee gefunden. Jetzt liegt sein Kadaver wohl an der dänischen Küste. 75 Meter von der Insel Anholt entfernt. Experten versichern, dass es sich um den Buckelwal handelt, der auch mal kurz vor Rostock aufkreuzte und Deutschland wochenlang in Atem hielt: Medienleute, Wissenschaftler, Tierliebhaber, Umweltschützer, Menschen mit Empathie, Menschen mit ganz großer Empathie.
Wenn Thilo Maack von „Greenpeace“ jetzt sagt, eine „absurde Geschichte“ finde ihr Ende, spricht er damit vermutlich aus, was viele Menschen denken. In Deutschland, in Europa.
Ich bin aber skeptisch. Ich glaube, die Geschichte rund um „Timmy“ wird noch weiter gehen. Jedenfalls hier – in Deutschland, in MV. Oder sogar im Ausland?
Selfies trotz Lebensgefahr
Schon jetzt wird berichtet, dass Menschen nicht auf die dänischen Behörden hören wollten und sich ihm näherten, um ein Selfie mit dem toten „Timmy“ zu schießen. Das ist krass, denn es ist lebensgefährlich. So ein Wal-Kadaver kann aufgrund von Verwesungsgasen „explodieren“, wie die dänischen Behörden warnen. Er könne auch „Krankheitserreger“ tragen, die für Menschen gefährlich sind.
Ich vertraue den dänischen Behörden. Sie wirken klug und cool. Nicht überspannt. Die dänische Umweltbehörde Miljøstyrelsen, so lese ich, sieht keinen Anlass zur Bergung des Wals. Gehandelt werde erst, wenn der tote Wal ans Land gespült worden sei.
Verkaufsrenner, Wahlkampfthema, Weihnachtsschlager
In Deutschland, vermute ich, wird das Thema Timmy der Verkaufsrenner werden: Romane, Dokumentarfilme, Spielfilme, Computerspiele, T-Shirts, Denkmäler – mit vielem ist zu rechnen. Auch im Wahlkampf wird Timmy thematisiert werden. Dann beginnt das Weihnachtsgeschäft.
Ich könnte jetzt sagen: Recht gehabt. Warum dieser Rummel, warum diese große Rettungsaktion? Am Ende kam „Timmy“ vielleicht doch nur in die Ostseebucht, um in Ruhe zu sterben? Doch so sollte ich nicht fragen. Es ging bei der Geschichte rund um „Timmy“ um alles Mögliche. Um Aktivismus, Ehrgeiz, Selbstdarstellung, Liebe, Medienhype, Projektion. Nur nicht so sehr um einen Buckelwal.



