Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern steckt das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in einer existenziellen Krise. Laut aktuellen Umfragen droht die Partei in Magdeburg an der Fünfprozenthürde zu scheitern und könnte auch in Schwerin den Einzug in den Landtag verpassen. Derzeit kommt die Wagenknecht-Partei auf lediglich sechs Prozent. In beiden Bundesländern ist das BSW im Wahlkampf kaum präsent, während die AfD in Sachsen-Anhalt erstmals einen Ministerpräsidenten stellen könnte. Die BSW-Spitze schlug der AfD daher in einem Brief vor, Sahra Wagenknecht und Alice Weidel bei gemeinsamen Wahlkampfauftritten auf die Bühne zu schicken – etwa in Form einer „kontroversen Debatte auf einem großen Marktplatz im Osten der Republik“. Das Büro von AfD-Co-Chefin Alice Weidel erteilte diesem Vorschlag nun eine Absage, wie der „Spiegel“ berichtet. Man sei zwar „selbstverständlich“ für einen Dialog, jedoch sei jede Partei für ihren eigenen Wahlkampf verantwortlich, teilte ein Sprecher Weidels mit. Sollte das BSW den Einzug in die Landtage schaffen, sei die AfD zu Gesprächen bereit, hieß es.
Verzweifelter Schulterschluss mit der AfD
Das BSW sucht aus purer Verzweiflung den Schulterschluss mit der Rechtsaußenpartei und wendet sich gegen die sogenannte „Brandmauer“. In dem an die AfD gerichteten Brief, aus dem die „Bild“-Zeitung zuerst zitierte, heißt es, beide Parteien würden „aus unterschiedlichen Gründen vom Mainstream bekämpft“. Wagenknecht beklagte zudem, dass ihre Partei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk „nahezu gar nicht mehr zu Wort“ komme. Unterschrieben ist der Brief von den Parteichefs Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali. Darin bekräftigt das BSW auch seine Forderung nach „überparteilichen Ministerpräsidenten“ in den Landtagen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Diese sollten „mit wechselnden Mehrheiten regieren unter Einbindung der AfD“. Nach Darstellung der Partei sei damit keine Regierungsbeteiligung der AfD gemeint, sondern eine Einbindung in Landtagsentscheidungen. Alle anderen Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD jedoch aus.
Wahlkämpfe im Schatten der AfD
Die Landtagswahlen am 6. September in Sachsen-Anhalt und am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern gelten als richtungsweisend. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD erstmals einen Ministerpräsidenten stellen, was die politische Landschaft im Osten Deutschlands nachhaltig verändern würde. Das BSW kämpft derweil um den Wiedereinzug in die Parlamente. In aktuellen Umfragen liegt die Partei bei rund sechs Prozent – knapp über der Fünfprozenthürde, aber mit Abwärtstrend. Die fehlende mediale Präsenz und die Konzentration des Wahlkampfs auf die AfD setzen das BSW unter Druck. Die Partei hofft, durch ein direktes Duell zwischen Wagenknecht und Weidel wieder Aufmerksamkeit zu gewinnen und sich als Alternative zur AfD zu positionieren. Die AfD hingegen sieht offenbar keinen Nutzen in einem solchen Aufeinandertreffen und verweist auf die Eigenverantwortung der Parteien im Wahlkampf.



