Kapitalrente nach schwedischem Modell: Risiken und Chancen für Deutschland
Kapitalrente: Schweden-Modell für Deutschland

Die Rentenkommission übergibt am Dienstag Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) 33 Reformvorschläge. Nummer 28 könnte die weitreichendsten Folgen haben: Deutschland soll eine verpflichtende gesetzliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild erhalten.

„Die Beiträge sollen nach schwedischem Vorbild zentral verwaltet und am Kapitalmarkt angelegt werden“, heißt es in der noch unveröffentlichten Empfehlung der Rentenexperten. Damit würde Bas ein gescheitertes Herzensprojekt von Christian Lindner (FDP) umsetzen, der es „Generationenkapital“ nannte. Das Rentenniveau soll durch die Kapitalrente perspektivisch sogar wieder steigen.

Was macht Schweden anders?

In Schweden wurde das Rentensystem bereits in den 1990er Jahren in ein gemischtes Modell aus Umlageverfahren und Kapitaldeckung überführt. Dort fließen 18,5 Prozent des Gehalts in die staatliche Regelaltersrente (Deutschland: 18,6 Prozent). Davon werden 16 Prozent umgelegt (Einkommensrente), 2,5 Prozent am Kapitalmarkt angelegt (Prämienrente).

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Wer sich nicht aktiv für einen Fonds entscheidet, landet automatisch im staatlichen AP7 Såfa. Der Fonds investiert weltweit und verwaltet rund 140 Milliarden Euro. Seit der Jahrtausendwende hat sich das Kapital mehr als versiebenfacht. „Seit der Einführung vor gut zwanzig Jahren haben sie im Durchschnitt jährliche Renditen von bis zu neun Prozent erzielt“, sagt Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen.

Modell für Deutschland: Kenfo als Vorbild

Deutschland besitzt keinen Staatsfonds dieser Größe. Die Kommission schlägt vor, den Atomfonds Kenfo zu nutzen. Der „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ existiert seit 2017 und verwaltet 24 Milliarden Euro von 50 Mitarbeitenden in Berlin. Gefüllt von den Betreibern der Kernkraftwerke, soll er die Lagerung von Atommüll finanzieren. Der Kenfo investiert zu je 35 Prozent in Aktien und Anleihen, der Rest in Infrastruktur, Immobilien und andere Anlagen. Seit Start liegt die jährliche Durchschnittsrendite bei 5,5 Prozent.

Ab 2028 soll ein zusätzlicher Beitrag von 0,5 Prozent des Bruttolohns auf ein individuelles Konto eines öffentlich verwalteten Fonds fließen, je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Über vier Jahre soll der Beitrag auf zwei Prozent wachsen. Beschäftigte müssten sich um nichts kümmern.

Risiken und Kritik

Doch unmittelbar wird die Kapitalrente noch keinen Beitrag leisten. „In den 2030er Jahren wird die Kapitalrente noch nicht so stark helfen“, sagt Peter Haan, Rentenexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Das Kapital muss erst einmal anwachsen, bis es spürbare Renditen abwirft.“ Er erwartet erste Erfolge erst in gut zehn Jahren.

Arbeitgeber sind nicht begeistert, da sie kofinanzieren sollen. Während Lindner sein „Generationenkapital“ über jährlich neue Schulden von zwölf Milliarden Euro aufbauen wollte, sollen nun Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen. „Würden die Beiträge um weitere zwei Prozent steigen, bliebe das wirtschaftlich nicht folgenlos“, sagt Haan. Firmen könnten weniger investieren, Beschäftigte weniger konsumieren. Entscheidend sei, auch andere Empfehlungen umzusetzen, die den Beitragsanstieg dämpfen.

Risiken am Kapitalmarkt

Legt man Geld am Kapitalmarkt an, ist man Schwankungen ausgesetzt. In Schweden wird das Geld risikoärmer angelegt, je älter man wird. Trotzdem kam es infolge der Finanzkrise 2010/2011 zu nominalen Rentenkürzungen, die durch Steuerentlastungen ausgeglichen wurden. Die Kommission schlägt daher eine Bundesgarantie für Menschen nahe am Renteneintritt vor.

„Die damit verbundenen Risiken dürften überschaubar sein, wenn man nach schwedischem Vorbild konsequent darauf setzt, die Verwaltungskosten so gering wie möglich zu halten, und eine breit diversifizierte langfristige Anlagestrategie wählt“, sagt Schnitzer. Haan ergänzt: „Selbst bei einem extrem unwahrscheinlichen Totalausfall der kapitalbasierten Renten wären also nicht alle Renten weg.“

Denn die Kapitalrente ergänzt nur das Umlagesystem. In Schweden ist sie nur ein kleiner Teil des Rentensystems, das flexibler ist: Auch Beamte und Selbstständige zahlen ein, und fast alle haben eine betriebliche Rente (in Deutschland nur rund die Hälfte). Ohne weitere Reformen könnten die Effekte verpuffen.

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