CDU-Urgestein Wickert fordert Wegner heraus – mit 85 Jahren
CDU-Urgestein Wickert fordert Wegner heraus

Der ungewöhnliche Herausforderer

Wolfram Wickert, 85 Jahre alt, fordert den amtierenden CDU-Landesvorsitzenden Kai Wegner heraus. Der Maler und Publizist ist kein klassischer Parteipolitiker – doch genau das macht ihn für viele Mitglieder interessant. Mit seiner Kandidatur will er nach eigener Aussage „Unruhe in die CDU“ bringen und für mehr Diskussionskultur sorgen.

Wickert, der in einem Berliner Atelier arbeitet und malt, hat eine beeindruckende Vita: Er studierte Kunstgeschichte, war als Journalist tätig und veröffentlichte mehrere Bücher zur deutschen Zeitgeschichte. Seine Thesen sind streitbar – etwa seine Forderung nach einem Schlussstrich unter die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, die er in einem Interview als „überzogene Selbstgeißelung“ bezeichnete. Solche Positionen stoßen in der CDU auf Zustimmung, aber auch auf heftige Kritik.

Kampf um die Parteispitze

Kai Wegner, der seit 2019 Landesvorsitzender ist, gilt als pragmatischer Konservativer. Er hat die Berliner CDU nach Jahren der Schwäche wieder auf Erfolgskurs gebracht – bei der Abgeordnetenhauswahl 2023 erreichte die Partei 28,1 Prozent. Doch intern gibt es Unmut: Viele Mitglieder wünschen sich eine klarere konservative Profilierung. Wickert spricht ihnen aus der Seele, wenn er sagt: „Die CDU muss wieder lernen, kontrovers zu diskutieren, statt alles durchzupeitschen.“

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Die Wahl des Landesvorsitzenden findet im November 2026 statt. Wickert hat bereits die nötigen Unterstützerunterschriften gesammelt. In seiner Kandidatur sieht er eine „Chance für die Demokratie“.

Provokation als Prinzip

Wickert provoziert nicht nur in der Geschichtspolitik. Er wettert gegen die „Cancel Culture“ und fordert eine Rückbesinnung auf die deutsche Nationalkultur. „Uns wird alles verboten, anderen alles erlaubt“, sagt er mit Blick auf die Migrationspolitik. Damit bedient er ein Ressentiment, das in Teilen der CDU populär ist.

Experten sehen in der Kandidatur Wickerts ein Symptom für die Zerrissenheit der Union zwischen gemäßigtem und rechtem Flügel. „Es ist ein Zeichen dafür, dass der rechte Rand in der CDU erstarkt“, analysiert Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Julia Schmidt von der FU Berlin. „Wickert ist kein Einzelfall – er steht für eine Strömung, die die Partei vor eine Zerreißprobe stellt.“

Reaktionen aus der Partei

Die Reaktionen auf Wickerts Kandidatur sind gemischt. Der Landesvorstand um Kai Wegner zeigt sich gelassen. „Wir nehmen jede Kandidatur ernst, aber Herr Wickert vertritt nicht die Mehrheitsmeinung der Berliner CDU“, so ein Sprecher. Andere Mitglieder hingegen begrüßen die Herausforderung. „Endlich mal wieder eine echte Debatte“, sagt ein Bezirksverbandsvorsitzender, der namentlich nicht genannt werden will.

Ob Wickert tatsächlich eine Chance hat, ist ungewiss. Bei der letzten Mitgliederbefragung zur Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl 2023 lag Wegner deutlich vorn. Doch Wickert gibt sich kämpferisch: „Ich bin der Underdog – aber das war ich mein Leben lang.“

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