Alt-Bundespräsident Joachim Gauck (86) hat Bundeskanzler Friedrich Merz (70) in der Talkshow von Markus Lanz (57) gegen dessen Kritiker verteidigt und mit einem deutlichen Lob bedacht. „Er will, dass dieses Land wieder nach vorne kommt“, sagte Gauck mit Blick auf Merz und wies das verbreitete Merz-Bashing zurück.
Gauck nimmt Merz in Schutz
„Erst mal muss ich ihn ein bisschen in Schutz nehmen“, erklärte Gauck bei Lanz, denn Merz „wurde ja schon runtergeschrieben, da hatte er noch gar nicht angefangen zu regieren.“ Der frühere Bundespräsident (2012–2017) zeigte Verständnis für anfängliche kommunikative Schwierigkeiten des Kanzlers: „In der Anfangszeit eines neuen Gewerbes macht man möglicherweise ein paar kommunikative Fehler. Er war jahrelang raus aus der Politik und hat nicht jeden Tag mit der Öffentlichkeit kommuniziert, und dann sind manche Wortschöpfungen oder manche Halbsätze vielleicht nur zweite oder dritte Wahl. Sowas passiert.“
Gauck appellierte an die Kritiker, nicht „jeden seiner nicht völlig gelungenen kommunikativen Dinge zu einem Fanal des Unvermögens zu erheben“ – das sei „natürlich Blödsinn“. Er betonte: „Tatsächlich müssen wir doch nicht von diesem Mann befürchten, dass er uns irgendwie in die Irre führt.“
Merz-Rede und der Umgang mit Kritik
Lanz spielte einen Ausschnitt aus Merz‘ Rede beim NRW-CDU-Parteitag ein, in dem der Kanzler „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, Empörte, Berufskritiker“ aufforderte: „Wegtreten! Wir gehen mit Zuversicht und Optimismus an die Arbeit, und wir bringen unser Land wieder auf Kurs.“ Gauck kommentierte: „Wenn er das seinen Parteifreunden sagt, ist das völlig o.k. Wenn er damit meint, alle die Journalisten, die ihn kritisieren, wegtreten, dann wäre das ein schwerer Fehler. Das hat er aber nicht gesagt, dazu ist er zu demokratisch. Das dürfen wir ihm nicht unterstellen.“
Der Alt-Bundespräsident kritisierte zugleich die Haltung mancher Kritiker: „Er hat natürlich dort Recht, wo er dem Land bescheinigt, dass der Deutsche sich eigentlich wohlfühlt, wenn er sich unwohl fühlt. Besonders wenn man intelligent erscheinen möchte. Dann darf man doch nicht glücklich sein, oder dankbar! Sondern dann musst du zeigen, wie fähig du bist, alles zu durchschauen. Und würde es nach dir gehen, wäre alles total besser, aber leider ist es ganz furchtbar schlimm.“
Ausblick auf die Bundespräsidentenwahl
Zum Ende der Sendung äußerte sich Gauck zur anstehenden Wahl des Bundespräsidenten. Er regte an: „Man soll es nicht am Geschlecht festmachen, aber wie lange hatten wir jetzt Männer? Und wie viele Frauen gibt es, die hohe Verdienste haben um das Land? Es könnte mal eine katholische Intellektuelle sein.“ Damit spielte er auf die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier an, dessen zweite Amtszeit 2027 endet.



