Seit zehn Jahren wartet die Grundschule am Sandsteinweg in Berlin-Neukölln auf eine Mensa. Die Kinder der ersten bis dritten Klassen müssen ihr Mittagessen in ehemaligen Umkleidekabinen einnehmen. Eltern klagen über unhygienische Zustände und mangelnde Transparenz seitens des Bezirks.
Eltern berichten von unhaltbaren Zuständen
Tanja Ballwanz, deren Kinder seit Jahren die Schule besuchen, führt in eines der Gebäude. „Im Winter tropft es hier an manchen Stellen von der Decke“, sagt sie. Auf dem Hof schlagen Wurzeln durch den Asphalt; Schüler und Eltern haben bunte Schlangen auf die Erhebungen gemalt, um die Schäden zu kaschieren. Gemeinsam mit anderen Eltern engagiert sich Ballwanz für die Schule, doch das größte Problem können sie nicht lösen: ein dringend benötigter Ergänzungsbau für Hort und Mensa.
Mangelnde Transparenz und fehlende Lösungen
Vor zehn Jahren wurde erstmals über einen solchen Bau gesprochen, umgesetzt wurde er nie. Die Eltern sehen eine unzumutbare Situation: Die kleineren Kinder essen in ehemaligen Umkleidekabinen auf engem Raum, die nicht den hygienischen Standards entsprechen. Die größeren Kinder der Klassen 4 bis 6 müssen zum Essen einen zehnminütigen Fußweg zum Hort außerhalb des Schulgeländes zurücklegen. „Es ist eine stressige Situation“, sagt Schüler Tim. Einige Kinder verzichten auf das Mittagessen, aus Angst, zu spät zum Unterricht zu kommen.
Bezirk verweist auf Machbarkeitsstudie
Der Bezirk Neukölln kennt die Probleme. Bereits vor vier Jahren wandten sich Eltern mit einem Brandbrief an die Politik. Die damalige Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hatte einen Neubau zugesagt, doch die Finanzierung scheiterte an gestiegenen Kosten und fehlender Einigung über eine Zufahrtsstraße. Bezirksstadträtin Janine Wolter (SPD) teilt auf Anfrage mit: „Welche Lösungen sich im Ergebnis der Studie ergeben werden, soll und kann derzeit nicht eingeschätzt werden.“ Der Bezirk suche nach Umsetzungsmöglichkeiten im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für das gesamte Grundstück. Gemeinsam mit dem Essenscaterer habe man Maßnahmen ergriffen, um das Provisorium unter akzeptablen hygienischen Bedingungen weiter zu betreiben.
Platzproblem spitzt sich zu
Die Nutzungsdauer mehrerer Schulgebäude läuft in einem Jahr aus. Auf die Frage nach Lösungen für die Unterbringung der Kinder bei möglichen Sanierungsarbeiten verweist der Bezirk erneut auf die Machbarkeitsstudie. Die Elternvertretung kritisiert die fehlende Transparenz. „Es ist völlig unklar, wie es weitergehen soll, wenn die Nutzungsdauer der Gebäude ausläuft“, sagt Oliver Purtz von der Elternvertretung. In einem erneuten Brief an den Bezirk schreiben die Eltern, die Schule lebe zwar von einem „bunten, demokratischen Miteinander“, doch mit den Problemen fühlten sie sich alleingelassen.
Opposition fordert Klärung
Unterstützung erhalten die Eltern von der Opposition in der Bezirksverordnetenversammlung. Auf Initiative der Linksfraktion fand eine Sondersitzung statt, denn auch andere Grundschulen in Neukölln stehen vor Problemen: Aufgrund von Kosteneinsparungen sollen Gebäude abgerissen werden. Neukölln hat berlinweit die kleinsten Klassen und die größten Schulflächen; weniger Schüler nutzen die gleichen Flächen, was die Infrastrukturkosten pro Kind erhöht. „Viele Neuköllner Schulen fragen sich, was das für ihre Schule heißt und wo ihre Schüler zukünftig zur Schule gehen sollen“, sagt Philipp Dehne von der Linken. Er kritisiert die fehlende Anwesenheit der SPD bei der Sondersitzung: „Dass die SPD dann einfach nicht auftaucht, ist eine Unverschämtheit gegenüber den anwesenden Eltern und Lehrkräften.“ Für Dienstagnachmittag haben sich Bezirkschef Martin Hikel und Stadträtin Janine Wolter (beide SPD) im Bildungsausschuss angekündigt, um offene Fragen zu klären.



