Bayern-Präsident Hainer hält Laudatio im Real-Madrid-Stadion
Hainer hält Laudatio im Real-Madrid-Stadion

Bayern-Präsident Herbert Hainer (71) hat am Dienstagabend im Estadio Santiago Bernabéu eine historische Rede gehalten: Als erster Chef eines anderen Fußballklubs durfte er die Laudatio auf 1300 Absolventinnen und Absolventen der „Escuela Universitaria Real Madrid“ an der Europäischen Universität Madrid sprechen. Die Einladung kam von Real-Präsident Florentino Pérez (79).

Tradition seit 20 Jahren

Seit zwei Jahrzehnten ist es Brauch, dass die Studierenden der Privatuniversität nach ihrem Abschluss im legendären Stadion der Königlichen verabschiedet werden. Bisher sprachen dort Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft – nun erstmals der Chef des Aufsichtsrats des großen Rivalen aus München. Nach BILD-Informationen vereinbarten Hainer und Pérez den Auftritt am 15. April beim traditionellen Mittagessen im Edel-Restaurant Käfer in München, vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real (4:3 nach 2:1 im Hinspiel). Die beiden Bosse kennen sich seit Jahrzehnten, denn Hainer war von 2001 bis 2016 Adidas-CEO und damit Sponsor des spanischen Rekordmeisters.

Identität und Haltung im Mittelpunkt

Vor Studierenden aus 108 Nationen stellte Hainer in seiner Rede die Begriffe Identität und Haltung in den Mittelpunkt. Er sagte: „Liebe Absolventinnen und Absolventen! Es ist mir eine große Ehre, heute hier als Präsident des FC Bayern bei Ihnen sein und diese Rede halten zu dürfen: Hier, an einem Ort, an dem das Herz und die Zukunft von Real Madrid schlagen. Sehr geehrter Präsident, Florentino Pérez, sehr geehrte Verantwortliche von Real Madrid: Vielen Dank für diese außergewöhnliche Einladung!“

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Hainer weiter: „Als ich vor ein paar Wochen gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, hier eine Rede zu halten, musste ich keine Sekunde überlegen. Ich dachte mir: Da geht es einmal um weit mehr als um 90 Minuten Fußball. Ich habe mir dann überlegt, was unsere beiden Vereine verbindet – und von der weltweiten Konkurrenz abhebt. Zwischen uns herrscht sportliche Rivalität – aber vor allem tiefster Respekt.“ Die wahre Stärke von Bayern und Real liege nicht in Titeln und Trophäen, so der Bayern-Boss: „Sie liegt in ihrer Identität und der Haltung der Persönlichkeiten, die sie mit Leben füllen.“

Kompany und Vinícius Júnior als Beispiele

Vor dem Multi-Kulti-Publikum betonte Hainer: „Wir leben in einer Zeit, in der spaltende Kräfte versuchen, unsere Demokratien zu schwächen und Europa auseinanderzutreiben. Gerade deshalb brauchen wir ein Europa des Zusammenhalts – von Madrid bis München.“ Wenn ein Spieler wie Real-Stürmer Vinícius Júnior (25) mehrfach rassistisch angefeindet werde, sei „das nicht nur ein Problem des Fußballs: Es ist ein Problem unserer Gesellschaft. Unser Trainer Vincent Kompany hat in diesem Zusammenhang gesagt, es müsse viel mehr Raum für Austausch geben als für Ausgrenzung.“ Für den Präsidenten des Deutschen Meisters eine ganz wichtige Botschaft: „Gerade in unserer Zeit, für Ihre Generation: Wer Menschen gegeneinander ausspielt und spaltet, stellt sich gegen alles, wofür große Gemeinschaften stehen. Und deshalb sage ich es hier mit Nachdruck im Namen des FC Bayern: Über Grenzen hinweg, in Spanien wie in Deutschland, gilt: Wer ausgrenzt, verliert – im Sport wie im Leben.“

Applaus von Real-Legenden

Hainer bekam für seine Laudatio viel Applaus – auch von Real-Legenden wie Emilio Butragueño (62). Der nächste Akt der Freundschaft folgte, nachdem Pérez am 20. Juni mit Real sogar eine offizielle Mitteilung herausgegeben hatte, dass sie keinen Kontakt zu Bayern-Superstar Michael Olise (24) wegen eines Wechsels nach Madrid haben: „Real möchte die ausgezeichneten Beziehungen zum FC Bayern hervorheben und bedauert die Verbreitung von Spekulationen, die nicht der Realität entsprechen. Beide Vereine pflegen seit jeher eine Beziehung, die auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basiert.“

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