Neue Parteispitze der Linken: Pantisano mit schwachem Ergebnis gewählt
Die Linke hat auf ihrem Parteitag in Potsdam eine neue Führung gewählt. Luigi Pantisano wurde mit nur 53,3 Prozent der Delegiertenstimmen zum neuen Co-Vorsitzenden gekürt. Der 46-jährige Baden-Württemberger folgt damit auf Jan van Aken, der aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut antrat. Pantisano startet mit einem Dämpfer ins Amt, während seine Co-Chefin Ines Schwerdtner mit 85,7 Prozent im Amt bestätigt wurde. Die Parteispitze wird damit jünger: Schwerdtner ist 36, Pantisano 46.
Pantisano sorgt mit CDU-Äußerung für Aufregung
Bereits vor seiner Wahl hatte Pantisano für Kontroversen gesorgt. In einem Interview mit der Bild-Zeitung attestierte er der CDU „faschistische Politik“ und sagte: „Letztlich gibt es gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die die faschistische Politik macht – der AfD – oder den Faschisten selbst.“ Diese Äußerung stieß bei ostdeutschen Linken auf Kritik. Eva von Angern, Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, zeigte sich überrascht und stellte klar: „Die CDU ist eine demokratische Partei.“ Pantisano selbst räumte später ein, dass seine Formulierung unglücklich war. Er präzisierte, es gehe darum, dass die CDU die falsche Politik der AfD übernehme und diese dadurch stark mache. Die Linke müsse Faschisten von der Macht fernhalten.
Pantisano: Brückenbauer oder radikaler Aktivist?
Der 46-jährige Architekt und Stadtplaner, Sohn italienischer Gastarbeiter, scheiterte 2020 nur knapp bei der Oberbürgermeisterwahl in Konstanz. Seit vergangenem Jahr sitzt er für die Linke im Bundestag und ist verkehrspolitischer Sprecher sowie stellvertretender Fraktionsvorsitzender. In der Partei gibt es Skepsis, ob Pantisano die Linke weiter vom Pragmatismus entfernt. Van Aken galt als ausgleichender Außenpolitiker, etwa beim Nahost-Thema. Pantisano will die „arbeitende Klasse“ zurückgewinnen und „die Werkstore für die Linke weit aufstoßen“. In seiner Bewerbungsrede kritisierte er Kanzler Merz scharf: „Jeden Tag erzählt er was von Reformen, aber in Wahrheit will er Menschen abzocken.“
Schwerdtner und Reichinnek schüren Kampf gegen die AfD
Parteichefin Schwerdtner und Fraktionschefin Heidi Reichinnek riefen auf dem Parteitag zum Kampf gegen die AfD auf. Schwerdtner warnte vor einem „Sturm“ bei den anstehenden Landtagswahlen. Zugleich verabschiedete der Parteitag eine verschärfte Nahostposition: Der Völkermordvorwurf gegen Israel ist nun Parteilinie. Van Aken, der Bundestagsabgeordneter bleibt, wurde mit Standing Ovations verabschiedet. Seine Vision für die Linke: eine „sozialistische Volkspartei“ mit Potenzial für 20 bis 25 Prozent. „Das ist eine Aufgabe“, sagte er.



