Auf dem Bundesparteitag der Linken in Halle (Saale) haben die Delegierten eine neue Doppelspitze gewählt. Ines Schwerdtner, bisher Bundestagsabgeordnete, und Jan Pantisano, Sozialaktivist aus Hamburg, wurden mit großer Mehrheit zu den neuen Vorsitzenden bestimmt. Sie lösen damit die bisherige Führungsriege um Janine Wissler und Martin Schirdewan ab.
Ergebnisse der Wahl
Schwerdtner erhielt 78,5 Prozent der Stimmen, Pantisano kam auf 72,3 Prozent. Beide traten als Team an und versprachen, die zerstrittene Partei zu einen. „Wir wollen eine Linke, die wieder klar Position bezieht und für soziale Gerechtigkeit kämpft“, sagte Schwerdtner in ihrer Bewerbungsrede. Pantisano ergänzte: „Wir müssen uns auf die Kernanliegen konzentrieren: bezahlbaren Wohnraum, gute Arbeit und eine solidarische Gesellschaft.“
Herausforderungen für die neue Führung
Die Linke steckt in einer tiefen Krise. Nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht und der Gründung des BSW hat die Partei an Mitgliedern und Wählerzuspruch verloren. In Umfragen liegt sie bundesweit nur noch bei drei bis vier Prozent. Die neue Doppelspitze soll die Partei nun aus dem Tief führen. „Wir müssen wieder glaubwürdig sein und unsere Inhalte klar vertreten“, betonte Pantisano.
Strategische Neuausrichtung
Schwerdtner und Pantisano planen, die Partei stärker auf soziale Themen auszurichten und die Flügelkämpfe zu beenden. Sie wollen eine offene Diskussionskultur fördern und gleichzeitig Geschlossenheit nach außen zeigen. „Wir werden keine Tabus mehr haben, aber wir werden uns nicht zerfleischen“, so Schwerdtner. Auch die Europawahl 2024 steht im Fokus: Die Linke will mit einem klaren Linkskurs punkten.
Reaktionen aus der Partei
Die Wahl wurde von den Delegierten mit langem Applaus aufgenommen. Auch prominente Parteimitglieder wie Gregor Gysi zeigten sich zufrieden. „Das ist ein Neuanfang. Ines und Jan sind die Richtigen, um die Linke zu erneuern“, sagte Gysi. Kritik kam von einigen linken Strömungen, die eine zu starke Anpassung an den Mainstream befürchten. Pantisano wies dies zurück: „Wir bleiben radikal im Denken, aber realistisch im Handeln.“
Ausblick
Die neue Führung steht vor großen Aufgaben. Neben der inhaltlichen Neuausrichtung muss auch die Finanzkrise der Partei bewältigt werden. Zudem stehen Landtagswahlen in Ostdeutschland an, wo die Linke traditionell stark ist. Schwerdtner und Pantisano zeigten sich zuversichtlich: „Wir werden kämpfen – für eine gerechtere Gesellschaft und eine starke Linke.“



