Pantisano wird neuer Co-Chef der Linken mit knappem Ergebnis
Pantisano neuer Co-Chef der Linken mit knappem Ergebnis

Die Linke hat eine neue Doppelspitze: Luigi Pantisano und Ines Schwerdtner führen künftig die Partei. Der Bundesparteitag in Potsdam wählte Pantisano am Samstag mit knapp 53 Prozent der Stimmen zum Co-Chef. Schwerdtner wurde mit rund 86 Prozent im Amt bestätigt. Der Personalwechsel erfolgt zu einer kritischen Zeit, nachdem Jan van Aken seinen Rückzug von der Parteispitze angekündigt hatte.

Scharfe Kritik an Kanzler Merz

In einem Interview mit der „Bild“ griff Pantisano Bundeskanzler Merz scharf an. Er sagte: „Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Ziel der Linken sei es, „die Faschisten von der Macht fernzuhalten“. Merz bezeichnete er als „Versager“ und „den unbeliebtesten Kanzler seit Jahren“.

Hoffnungsträger mit knapper Zustimmung

Der 46-jährige Pantisano aus Baden-Württemberg gilt als Hoffnungsträger. Er hat einen Draht zur Bevölkerung und ist ein temperamentvoller Politiker. Im Schwäbischen nennt man jemanden „Schwertgosch“, wenn er mit scharfer Zunge spricht. Der Sohn italienischer Einwanderer besuchte zunächst die Hauptschule, schaffte es später zum Ingenieurstudium und arbeitete als Stadtplaner.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Bekannt für provokante Zwischenrufe

Schon im Stuttgarter Gemeinderat (2016–2025) fiel Pantisano durch kluge Sacharbeit bei Verkehrsthemen und provokante Zwischenrufe auf. Im Bundestag bezeichnete er regelmäßig AfD-Abgeordnete als „Faschisten und Rassisten“ oder bezichtigte sie der „Lüge“, wofür er Ordnungsrufe erhielt. Einmal hielt er seinen italienischen und deutschen Reisepass hoch, um zu zeigen, dass beides zusammengehöre.

Bodenständig und engagiert

Der verheiratete Vater von zwei Kindern betreibt in seinem Stuttgarter Wahlkreis das Stadtteilzentrum „Linkseck“ und in Konstanz ein Regionalbüro. Seine Mitarbeiter bieten Sozialsprechstunden an, er selbst spendet einen Teil seiner Abgeordnetendiät – etwa zum Freikauf inhaftierter Schwarzfahrer. Nach einer Gasexplosion in Stuttgart organisierte er schnell eine Spendenaktion. Bei der Bürgermeisterwahl in Konstanz 2020 erzielte er in der Stichwahl 45,3 Prozent und unterlag einem CDU-Kandidaten.

Herausforderungen für die Linke

Die Linke hatte bei der Bundestagswahl 2025 mit 8,8 Prozent gepunktet und Pantisano ins Parlament gebracht. Seitdem schwächelt die Partei: Bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz verfehlte sie den Einzug in den Landtag. Die Umfragewerte zeigen sinkende Trends für die anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern (10 Prozent) und Berlin (15 Prozent); nur in Sachsen-Anhalt (13 Prozent) geht es leicht nach oben.

Pantisano will mit Demut führen

Pantisano kündigte an, seine Bewerbung für die Parteispitze „mit Demut“ anzugehen. Er wolle sich gegen rechts stellen und dafür kämpfen, „das Leben der arbeitenden Menschen wieder bezahlbar zu machen“. Er sagte: „Die Linke ist jünger, westlicher und feministischer, aber auch migrantischer geworden, und ich finde, ich passe da gut rein als Kandidat.“ Sein Bruder Alfonso ist der Queerbeauftragte des Berliner Senats.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration